Im Netz herrscht eine No (go) Economy (These 1)

“We live in an amazing time! The world is getting flatter, the tail longer, and everything is free”, Blogger im Blog von Chris Anderson, 2008 (http://www.thelongtail.com/)

Stimmt eigentlich – doch wenn alle Webleistungen weiterhin vorwiegend gratis und illegal kursieren, wird das Webgeschehen nicht länger amazing/amusing bleiben. Wenn das Web nicht bald verlässliche Marktregeln kennenlernt, werden hier Oligopole oder Monopole bestimmen, was geht und nicht geht.

Dem Netzgeschehen fehlen die grundlegenden Rahmenbedingungen für einen Markt:

  • Preise für digitale Infrastrukturen und Inhalte
  • ein eindeutiges Eigentumsrecht
  • eine ausgewogene Wettbewerbssituation.

NO ECONOMY bezeichnet eine (Online-)wirtschaft, bei der genau diese Elemente einer Marktwirtschaft fehlen. Ohne Marktstrukturen und Preise wird das Netz der Zukunft von Qualitätsmängeln, Redundanz und unfairer ökonomischer Verteilung geprägt sein.

© gsc

4 thoughts on “Im Netz herrscht eine No (go) Economy (These 1)

  1. @ gsc
    Hadopi zeigt doch nur das Dilemma der Exekutiven bzw. Judikativen gegenüber dem Treiben im Netz.
    Und warum eigentlich erst jetzt?
    Welche Interessen(vertreter) stecken dahinter?
    Selbstlosigkeit war bisher nicht Sarkos Antriebsfeder…

    Ja, Honorierung und Freiwilligkeit als Selbstverständlichkeit

  2. @ Rambo
    Open Source-Entwicklungen für (in der Entstehung befindliche) Leistungen und Kostenpflichtigkeit für bestimmte (abgeschlossene) Leistungen müssen einander nicht ausschließen. Wer von seinen Online-Produkten leben will und etwas „Wertvolles“ abliefert, sollte die Chance erhalten.

    @ Julian
    Hadopi ist auf der 3. Stufe brutal = ein Onlinemord, der auch noch selbstfinanziert ist, denn die Providerkosten müssen ja trotz Abnabelung vom Tropf weiter gezahlt werden.
    Das ist daher keine adäquate Lösung, ich setze auf Honorierung aus Freiwilligkeit und aus Respekt, siehe These 7 drüben auf der Blogseite „Yes Economy“: Wert(manchmal) = Preis. Aber wer ist respektvoll, wenn man auch ohne an content gelangt?

  3. Monopole werden immer entstehen. Monopole entstehen auch ohne Google & Co…Da wäre z.B. Microsoft, das mit Windows ein kommerzielles OS verkauft und eine marktbeherrschende Stellung inne hat. Aber auch in der restlichen Wirtschaft sind Monopole weit verbreitet (Stichwort „Global Players“)…und diese Monopole basieren auf rein kommerziellem Boden. Was ich damit sagen möchte ist, dass in jedem (wirtschaftlichen) Bereich Monopole entstehen, durch Kommerzialisierung verstärkt (unterstützt) man sie eher noch direkter…
    „Preise für digitale Infrastrukturen und Inhalte“ gibt es bereits: Auf der einen Seite sammeln Unternehmen Informationen und schalten Werbung und auf der anderen Seite gibt es ebenso kostenpflichtige Angebote (GMX, rapidshare, 1&1, xing, itunes, musicload usw.). Der Internetnutzer hat sogar teilweise die Wahl.
    Aus allem Geld zu machen, indem man „Preise“ für digitale Inhalte einführt halte ich i.A. für absurd.
    Klar, dass man für Kinofilme, Musik und sonstige Inhalte, die einen gewissen Wert haben, bezahlen muss, aber man kann nicht auf alles ein Preisschild setzen.
    Mit kostenpflichtigen Angeboten schafft man zudem Schranken, da der arme Internetnutzer auf der Strecke bleibt und sprichwörtlich ausgesperrt wird.
    Damit sind wir beim nächsten Thema: Schranken, Patente und Eigentumsrechte. Erfindungen zu schützen mag vernünftig sein. Aber Patente können auch die Freiheit so weit einschränken, dass man irgendwann nicht einmal mehr weiß, ob es noch erlaubt ist z.B. selbst hergestelltes Eis zu verkaufen, weil eine Firma das (Speise)Eis patentiert hat. Erst kürzlich habe ich im Fernsehn gesehen, dass jemand ein gebrauchtes Marken-T-Shirt bei Ebay verkauft hat und dafür angeblich über 1000 Euro Strafe zahlen sollte (letztlich waren es glaube ich zwar „nur“ noch 100 €, aber das halte ich trotzdem für eine gemeine Abzocke). Das ist das Eigentumsrecht in einer bereits sehr hässlichen Ausprägung. Da liegt das Beispiel mit dem Eis gar nicht mal so weit entfernt…
    „Eine ausgewogene Wettbewerbssituation“ sollte ersteinmal auf internationaler Ebene geschaffen werden z.B. ein gewisser Mindestlohn in so genannten „Billiglohnländern“, damit die Ausbeutung derer, die sowieso nichts haben, aufhört. Oder eine Art Aufsicht, die beispielsweise die Mineralölkonzerne und deren Preisfestlegung an strikte Vorgaben bindet. Die nutzen ihre marktbeherrschende Stellung aus und verdienen mehr als der Rest der Welt.

    Für Open Source und ein (möglichst) kostenfreies Internet !

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