Jimmy Wales hört genau zu?

Jimmy Wales ist entspannt, beim Essen, beim lobenden Kurzvortrag über den Fleiß der deutschen Wikipedianer und danach im Zwiegespräch. Bei dem Fest in Düsseldorf Mitte Mai lächelt er viel und hört genau zu. Offenbar fasziniert ihn die Ernsthaftigkeit, mit der Deutsche verkünden, dass sie auf Inhalte und auf Werte wie Bildung oder Fortschritt setzen. In seiner Kurzrede schwärmt er von den deutschen, weltweit fleißigsten und genauesten Wikipedia-Autoren.

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Vielleicht lauscht Wales anderen auch deswegen so genau, weil er selbst gelobt werden will. Wales hat Lob verdient und er kriegt es. Wikipedia stellt eine Jahrtausendinnovation, da sie nicht bloß neu war und sich, anders als andere Netzerscheinungen, etabliert hat, sondern weil sie (hoffentlich so wie sie ist) bleiben wird. Drohender Konkurrenz jedenfalls hat sie bislang erfolgreich getrotzt. Außerdem verdient Wales´ Schachzug, zweigleisig zu fahren, mit der marktunabhängigen Wikipedia und der marktorientierten Wikia Inc., Anerkennung. Denn Wales verbindet ein Spielfeld (Wikipedia), das Neugier und Experimente zulässt, mit einem Marktplatz (Wikia Inc.), der Geld für modifizierte Experimente abwirft. Wales ist Visionär, Macher und jemand, der sich Konkurrenten vom Hals halten kann. Dass er darüber das Zuhören nicht vergisst, erfuhr ich, als er dem Journalisten, der ihn in Düsseldorf interviewte, mein Buch „No Economy“ empfahl. Neugier als Lebenshaltung ist toll. Doch wieso stoppte Wales das Wikipedia-kritische Projekt Wikipediaart.org der Künstler Scott Kildall und Nathaniel Stern, die etwas machen wollten wie „art that anyone can edit“.  Man erfährt doch auch aus Kritik und kritiknahen Aktionen Einiges.

Jimmy Wales; Gisela Schmalz. 5-2009 ©Peter Badge

Ich fragte Jimmy Wales. Er erklärte, die Wikipedia-Community habe den Wikipedia-Artikel der Künstler gestrichen, da dieser nichts mit „Enzyklopädie“ zu tun habe. Aber man habe die Künstler und deren Seite Wikipediaart.org keinesfalls gerichtlich gebremst. Das sei falsch berichtet worden. Er hat wohl recht, denn die Seite der Künstler gibt es ja noch mit allen Informationen zum „Fall“.

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