Die Netzgesellschaft

Frankfurt, LPR

Statt rückwärts zu blicken, feierte die LPR Hessen ihr 20jähriges Bestehen am 4. November 2009 mit einem Blick in die Zukunft. Keynotespeaker Peter Kruse, Psychologieprofessor und Unternehmensberater aus Bremen, sprach davon, dass die Netzwerkkompetenz künftig die Medienkompetenz ablöse. Darin, dass man dem Internet und selbst seinen teils negativen Auswüchsen mit den Werkzeugen der Rundfunkaufsicht nicht beizukommen vermag, waren sich die Teilnehmer der anschließenden Debatte einig. Zum Thema „Revolution 2.0“ diskutierten die Medienökonomin Gisela Schmalz, die Kommunikationswissenschaftlerin Ingrid Paus-Hasebrink, Ulrike Reinhard, Mitinitiatorin der Plattform DNAdigital, Ibrahim Evsan, Mitbegründer der Videoplattform sevenload und LPR-Direktor Wolfgang Thaenert. Auch Ministerpräsident Roland Koch äußerte in seiner abschließenden Rede, dass die Kontrolle durch die Landesmedienanstalten schwieriger werde. Er schrieb ihnen jedoch während der Übergangszeit eine wichtige Vermittlerrolle zu.

In den Einzelinterviews mit Peter Kruse (ab Min. 1,30), Wolfgang Thaenert (ab Min. 8), Roland Koch (ab Min. 19), Gisela Schmalz (ab Min. 20,30) oder Ibrahim Evsan (ab Min. 22) kommen die unterschiedlichen Standpunkte der Podiumsteilnehmer deutlich heraus.

Hände weg, Vater Staat

Einige deutsche Medienkonzernlenker wehren sich gegen die Restrukturierung ihrer Geschäfte und ihrer Geschäftsmodelle. Sie fordern alternierend neue Gemas, Leistungsschutzrechte, Steuererleichterungen für den Medienkonsum oder erwägen gar die Kulturflatrate. Mit  ihrem Widerstand gegen die Netzlogik und ihrem Griff nach Instrumenten aus uralter Zeit gefährden sie ihre Unternehmen und ihre Mitarbeiter, statt sie zu schützen, indem sie sie digital sattelfest machen. Die digitale Technologie und deren Nutzer, die einst ihre Kunden waren, laufen ihnen davon. Das liegt aber nicht an der Technologie, sondern an ihrer Ignoranz gegenüber der Nutzergemeinde und ihrer Zeitschinderei durch den Ruf nach Vater Staat.

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Medienunternehmer sollten die Nutzer und die neuen Technologien herzlich umarmen, End- und Werbekunden als Partner einbinden, Abendschulkurse im Programmieren belegen und mit Entwicklern oder Technikunternehmen kooperieren. Medien- und Onlineunternehmen, die mit zeitgemäßen Produkten, Plattformen und Preismodellen experimentieren, wären dabei taugliche Vorbilder. Während das Wallstreet Journal mit fachspezifischen Inhalten Geld einnimmt, bieten USA Today, Burda und seine US-Partner mit Glam oder die WAZ-Gruppe mit Der Westen ihren Abonnenten und anderen Interessenten Plattformen an, die es erlauben, Artikel, Kommentare und Bewertungen zu verwalten und mit anderen Nutzern in Kontakt zu treten. Die New York Times mutiert zum Technologieentwickler, erfindet Inhalte-Aggregatoren und testet sie zusammen mit ihrer Leserschaft. Paid Content funktioniert bei so manchen Film- und Musikportalen. Konkurrenz und zugleich Vorbilder für Medienunternehmen sind nicht nur Projekte aus den eigenen Branchen, sondern auch originär digitale Phänomene wie huffingtonpost.com, iBrattleboro.com, ohmynews.com oder GoogleNews, die Qualitätsinhalte liefern oder Inhalte zu Appetithäppchen bündeln. Auch Gamepublisher und Onlinespiele-Anbieter gehören zu den Wettbewerbern, von denen sich lernen läßt. Ihnen gelingt es mittels eigener Ideen und Ideen aus ihrer Zielgruppe, nicht nur die (zahlende) Zielgruppe selbst, sondern auch Werbekunden oder Sponsoren an sich zu binden.

Inhalteanbieter müssen sich zu den Nutzern vorbewegen. Sie haben die dringende Hausaufgabe auf dem Tisch, ihre Produkte an Onlinetechnologien, Plattformen und Bezahlsysteme anzudocken, sowie Widgets, Apps oder Items zu implementieren. Auch hier ist die Einbeziehung der Nutzer wieder die wichtigste Erfolgsvoraussetzung. Erstens können im Dialog die Bedürfnisse der Nutzer ausgemacht werden, zweitens von ihnen Ideen oder Technologien eingesammelt werden, und drittens richtet sich die Entwicklung von Anfang an auf die Nutzer aus. So kann bei der Definition von Produkten und Preisen optimal auf die Kundenbedürfnisse eingegangen werden, was langfristige Beziehungen aufbauen hilft. Unternehmen sollten Fangemeinden um sich scharen und Kunden nicht mit Gesetzesdrohungen oder Zwangsgebühren verschrecken. Warum den Staat zwischen sich und den Nutzer stellen, wenn man ihn mal eben über das Netz kontaktieren kann?

Einfach wird es für Medienunternehmer nicht, originelle Mixmodelle zu zimmern, mit denen sich aus Content, Kontext und Nutzern größtmöglicher Wert schöpfen lässt. Wer aber an den Zielgruppen vorbei operiert, schaufelt sich sein Grab. Das dürfte bekannt sein, seit der Satz „Der Kunde ist König“ jedes Marketingbuch veredelt. Beim Abfassen aller Geschäftspläne muss die Sinnhaftigkeit für die Nutzer federführend sein.

Kultur? Flatrate? Eine 3sat-Diskussion

Das Internet und die Kulturflatrate: Im Buchmesse-„Studio“ von 3sat begrüßte Cécile Schortmann am 16.10.2009 vier Gäste, die sich intensiv mit den Vor- und Nachteilen der Idee auseinandersetzen: die Medienökonomin Gisela Schmalz, den Schriftsteller Burkhard Spinnen, den Verleger Günter Berg, Geschäftsführer von Hoffmann und Campe und den Journalisten Wolfgang Michal.

Gespräch Teil 1: hier herunterladen.

Gespräch Teil 2: hier herunterladen.

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Wir verreißen Chris Andersons Buch „Free“

Ich wundere mich darüber, dass Chris Anderson so lange herumgedoktert hat, um schließlich mit seinem Buch “Free: The Future of a Radical Price” (Hyperion; $26.99) ein so dünnes Ergebnis abzuliefern. Noch mehr wundere ich mich darüber, dass das Machwerk auf US-Bestsellerlisten klettert. Vielleicht rennen alle zum Buchladen, weil sie den Namen Anderson (Wired!) und das Ding mit seinem Longtail so cool finden. Womöglich kann Mr. Longtail schreiben, was er will, auch solche falschen Free-Phrasen – sie werden verschlungen. In seinem Artikel im New Yorker klärt Malcolm Gladwell (The Tipping Point) dem Wired-Herausgeber Anderson (The Long Tail), dass er sich verrechnet hat. Als Beispiel gegen die Anderson´sche Free-Philosophie führt Gladwell die Kosten für den YouTube-Betrieb ins Feld, durch die Google Inc. 2009 ein Verlustgeschäft von rund einer halbe Milliarde US-Dollar einfahren werde. Nicht nur damit läßt sich erklären, dass das mit der Free-Idee nicht funktioniert. So manche Milchmädchenrechnungen Andersons gehen für Informationsgüter im WWW nicht auf. Die Behauptung, Informationsgüter kosteten nichts, ist schlicht falsch: zu den Serverbetriebskosten kommen Investitionen in Recherchen, Forschung und Entwicklung hinzu, die der Erstellung hochwertiger Informationsgüter vorausgehen, auch wollen mitunter auch Autoren Geld verdienen. Dass große Anbieter wie Apple sehr wohl Geld mit Content machen, ist ein weiteres Argument gegen Andersons Free-Modell.

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Während ich die seltsam lange Phase der Entstehungzeit von Andersons Buch  verfolgt habe, brachte ich mit Eichborn präventiv im April mein Buch „No Economy“ auf den Markt. Dabei war das Tempo gar nicht nötig. Denn da steht nichts drin in „Free“, das am 7. Juli 2009 in den USA und in Großbritannien auf die Offline-Märkte kam und nun unverdientermaßen so stark wahrgenommen wird. Es kann doch nicht Andersons Ernst sein, Marketingtips und Ratschläge wie den heraus zu posaunen, Zeitungen und andere müssten „reinvent their business.“ Nichts Neues, nichts Weiterführendes, nichts Nützliches für die Onlinegesellschaft, nichts, das wir nicht alle schon lange und besser wüßten, seht in „Free.“ Es enthält eine Reihe urhalter Marketingkniffe, die besagen, man solle Gratispröbchen als verkaufsfördernde Maßnahmen einsetzen.

Das Einzige, was mir gefällt, ist Chris Andersons gnadenloser Ton, mit dem er alle Chancen von Bezahlmodellen für Content verwirft (es liest sich so schön leicht), auch wenn das wenig konstruktiv ist und von wenig Denkarbeit zeugt. Naiv wirkt er allerdings immer, wenn er mal wieder „abundance“ jubelt. Wie lange gibt es denn noch gute Güter im Überfluss und gratis im Netz? Wer ist denn bereit, weiter zu liefern, wenn keiner für Content bezahlt? Free kann ja wohl nicht die Dauerantwort bleiben. Anderson liefert weder brauchbare Ideen zur langfristigen Zufuhr von Qualitätscontent, noch zur Rettung bestehender Wertschöpfungsstrukturen, noch gönnt er digitalen Kreativen und Uploadern einen Schimmer von Hoffnung auf einen Verdienst via Web. Je öfter Anderson „abundance“ jubelt, desto verdächtiger klingt das wie ein Ablenkungsmanöver.

Gemäß Chris Anderson ist für Contentproduzenten alles zu spät, sobald deren Ergüsse das Netz erreicht haben. Das Netz dreht sich ihnen also als Stick um den Hals? Einmal im Netz und das Urheberrecht ist weg…. ,  das ist finster und verdirbt die Lust auf Freiheit, die „Free“ scheinheilig verkündet. Noch glaube ich an Respekt für die Rechte anderer und an die Zahlungsbereitschaft von Nutzern für ihre Lieblingslieferanten, -werke und -dienste. Nutzer mit Weit- und Fernblick werden einsehen, dass sie mit der Zahlung von Mikropreisen anderen Kreativen, aber auch sich selbst das (Über)-Leben im und via Netz erleichtern können. Free bedeutet dann nicht bloß kurzfristig gratis, sondern dauerhaft frei im Netz zu surfen.

Freiheit statt Angst – Demonstration in Berlin

Jede Woche ist das Nadelöhr zwischen Philharmonie und Bundestag, also das Areal Potsdamer Platz in Berlin, mindestens zweimal gesperrt. Am Samstag, dem 12.9.9 ist die Straße wieder zu. Diesmal fährt kein Staatsgast hindurch und auch kein wichtiger deutscher Politiker, sondern Bürgervertreter beanspruchen diesen heiligen, straßengesperrten Ort mit allen Polizeikräften drum herum, die sonst nur Politikern vergönnt sind. Bürgerrechtler aus Deutschland und anderen Ländern sowie Mitglieder von Verbänden und diverser Parteien, darunter von den Grünen, der FDP und der Piratenpartei demonstrieren gegen die Überwachung und Datenspeicherung durch den Staat und Unternehmen. Ihr Motto heißt etwas pathetisch „Freiheit statt Angst“, was für Nichtsahnende vielleicht verwirrend ist.

Von fern am kenntlichsten sind die orangefarbenen Fahnen der Piratenpartei. Das liegt gewiss daran, dass diese auffallend oft schwarz tragenden und (für Parteifunktionäre) auffallend jungen Fahnenschwenker, die sich Privatsphäre und Datenschutz eben auf diese Fahnen geschrieben haben, zuhauf angereist sind.

Piraten GS Berlin 12.9.9

Die Piraten treten für eine weitgehende Freiheit der Bürger und so auch für die Freiheit im Netz an. Zu Recht setzen sie sich gegen den Sicherheitswahn öffentlicher und privater Organisationen ein, welche argumentieren, Daten zu sammeln, um Bürger zu schützen. Doch wovor sollen deutsche Bürger geschützt werden? Vor Kriminalität hört man von (Noch-)Regierungsseite und gibt wertvolle Steuergelder für unsinnige und freiheitsbeschränkende Überwachungstechnologien und –strukturen aus. Macht man das, weil die Amerikaner das mit dem Speichern auch machen? Versucht man, mit ähnlicher Angstmacherei vor Terroristen, anderen Fremden und noch ungeahnten Übeln wie sie die US-Regierung unter Bush betrieb, die Deutschen einzuschüchtern, damit sie ihre Daten von selbst ausliefern? Wieso sollten Bürger, daran interessiert sein, ausspioniert zu werden? Vielleicht sollten Polizei, Geheimdienste, Militär und Politik mal genauer arbeiten und gezielt identifizieren, von wem es sich lohnt, Daten zu haben. Willkürliche, flächendeckende Vorratsdatenspeicherung braucht nicht nur Deutschland nicht.

Kulturflatrate: Thomas Brussig, Monika Griefahn, Sascha Lobo, Hans-Joachim Otto und Gisela Schmalz diskutieren

Der Berliner Autor Thomas Brussig, der sich vor allem mit dem Drehbuch für den Film „Sonnenallee“ einen Namen gemacht hat, hat eine Lanze für die derzeit heiß diskutierte Kulturflatrate gebrochen. Allerdings sieht der Schriftsteller in dem Modell weniger ein Mittel zur Legalisierung von Filesharing geschützter Werke. Mit der Einführung der neuen Pauschalgebühr „zahlen wir für ein qualitativ hochwertiges Internet“, sagte Brussig bei einer Podiumsdiskussion am Mittwochabend beim Börsenverein des Deutschen Buchhandels in Berlin. Die ihn weniger überzeugende Alternative sei ein Medium voller Mautstationen, in dem der Nutzer vor fast allen Inhalten zur Kasse gebeten werde….. mehr bei Heise.de

Champagnerblogger

Das Bloggerecho, das die konventionelle Vodafone-Kampagne von Scholz&Friends hervorruft, spricht nicht für die Szene. Haben die deutschen Blogger nichts Besseres zu tun und keine interessanteren Blogthemen? In welcher Welt leben wir denn, dass Populisten wie die Heidi Klum der Netzwelt, Sascha Lobo, und sein Geschäftsmodell (Werbemodell!) so eine Beachtung finden? Ist es Neid, weil Lobo sich als Blogger traut, Geld zu verdienen? Ist es Faulheit, weil einer, der sich zeigt wie Lobo, angreifbar ist und man ihn bequem angreifen kann? Ist es Langeweile oder gar Arbeitslosigkeit? Wer so etwas zum „Lobo-Spot“ als Kommentar bei YouTube einstellt, ist vielleicht gefährlich, auf  jeden Fall ist der Text aber des Netzes unwürdig: „Scheiß Kommerzgandalf, den sollte man direkt Erschießen zusammen mit den Bastarden von Vodafon“.

Vodaphone-Kampagne 7-9

Wenn andere Blogger sich freiwillig kasteien, offline oder in dunklen Räumen jenseits von Filmbeleuchtung leben und arbeiten, ist das genauso ihre Sache, wie es Lobos Sache ist, als „Blogger, Autor und Strategieberater“ (Zitat: Lobo im Vodafone-Spot) oder im BVG-Bus fahrend seine Brötchen zu verdienen. Sind die darbenden die besseren Blogger oder was? Vermissen die Blogger eine souveränere, öffentliche Vertreterin, als Lobo sie abgibt, in der Öffentlichkeit, und beschimpfen sie Lobo deshalb? Bei der Umfrage von Internetworld.de stimmten am 28. Juli 2009 64% der Frage zu, ob Blogger „ihre Authentizität“ durch Werbeverträge auf Spiel setzten. Nur 36% stimmten dagegen. Lobo im Vodafone-Bus ist für viele also nicht mehr derselbe Lobo, der bloggt? Nun ja, für mich schon.

Klar können nur öffentlich bekannte Leute wie die Netz-Klums ihre Gedanken (Blogtexte) oder Aktionen (Spots) evtl. zu Geld machen. Nur „Stars“ wie Cory Doctorow und Chris Anderson (zu seinem irreleitenden Buch FREE s. u.), die ihre Bücher gegen Geld verkaufen und für Vorträge hohe Honorare einsacken, können es sich auch erlauben, Gratisdownloads ihrer Bücher gewinnbringend bereitzustellen und auf Konferenzen kurzsichtige, bzw. blinde These zu verzapfen wie die, Content müsse stets gratis sein. Erkennt der Bloggermittelbau nicht, dass diese Jungs sie (pardon) verarschen? Die Klums à la Doctorow und Anderson läßt man ungeschoren das eine erzählen und das andere machen, also einerseits predigen, gratis sei geil, aber andererseits mit solchen Thesen auf Vorträgen und mit Verkaufscontent reich werden. Im Eichborn-Verlag erschien gerade mein Buch zum Thema: „No Economy – Wie der Gratiswahn das Internet zerstört“. Doch meine Idee, aus der Community heraus jenseits von Monopolisten wie Google, Amazon, Ebay etc. Peer2Peer-Märkte für Content im Netz zu erschaffen, ist noch zu wenig populär – in 1-2 Jahren aber bestimmt. Noch schwimmen alle auf der Downsizing-Welle, was auch o.k. ist. Aber wieso muss man so intolerant sein und Andersdenkende/-handelnde angreifen? Soll Sascha Lobo doch jahrelang für Vodaphone Bus fahren und sich danach mit Champagner sowie mit Girls und/oder Games im Ritz Carlton einmieten oder gleich nach Monaco auswandern, falls die Gage das hergäbe…. Wer bitte hat was warum dagegen? Sascha Lobo sagt ja nicht mal, dass er für Gratiskultur sei, er betreibt keine Augenwischerei wie Chris Anderson. Lobo ist eigentlich ein guter Blogger.

PS: Die Verlierer von Lobos Vodafone-Busfahrerei sind Vodafone, Scholz&Friends, und alle, die ihre Zeit (Es ist Deine Zeit) mit Kommentaren zu diesem Spot verplempern. Lobo verliert nicht. Man spricht über ihn, und seine Tagesgagen steigen.

Wikipedia bremst eigenen Autor und befreit New York Times-Autor

Zusammen mit der New York Times haben Jimmy Wales und seine Wikipediagenossen dazu beigetragen, dem Times-Autor David S. Rhode das Leben zu retten. Rhode war im November 2008 von den Taliban als Geisel genommen worden. Um seinen Wert für die Taliban niedrig zu halten, klammerten New York Times und Wikipedia die Entführung aus ihren Publikationen sieben Monate lang komplett aus. Erst Ende Juni 2009, nachdem der Reporter frei war, gelangte der Fall an die Öffentlichkeit. Nun findet sich der Wikipedia-Eintrag mit den Informationen zur Entführung in der Online-Enzyklopädie.
Für Wales und die Seinen muss die Herausforderung immens gewesen sein, den anonymen Schreiberling aus Florida immer wieder davon abzuhalten, den Fall Rhodes auf den Wikipediaseiten publik zu machen. Die Wikipedia-Betreiber waren permanent damit beschäftigt, News zur Rhodes-Sache zu unterdrücken. Da der willige Verfasser aus Florida seine Identität verbarg, konnte man ihn nicht kontaktieren und bremsen. So setzte ein Teufelskreis ein, als der wütende Schreiber immer wieder dieselben Fakten publizieren wollte, Wikipedia sie jedoch immer wieder aus dem Netz nahm. Die konzertierte Aktion von New York Times und Wikipedia ging auf, trotz der Anonymität des Wikipedianers und der Popularität von Rhodes.

Michael Jackson lebt

Michael Jackson ist jetzt vielleicht im Himmel, wir wissen es nicht. Sicher ist nur, dass er im Netz weiterlebt. Wer glaubt, der Thriller-King sei diese Woche gestorben und tot, braucht nur online zu gehen. Twitter, Facebook, Wikipedia, iTunes, YouTube, Flickr, die Blogs, die Online-Presse und so weiter beweisen, dass Jackson nicht bloß in den Träumen oder in der Phantasie der Leute lebt, sondern über das ganze Netz verteilt.

M.J. 1984 Wikimedia Commons

Dass er in Los Angeles physisch zu Tode gekommen sein soll, mag sein, aber das Netz akzeptiert das nicht. Da gibt es keinen Tod, nur das Leben, die Musik, die Fotos, die Videos, die Songtexte des großen Künstlers und viele Texte über ihn. Für seine Angehörigen, Freunde und alle, die regelmäßig mit ihm umgingen, ist er erstmal weg und tot. Aber zum Glück gibt es das Internet. Das ist viel besser als der Himmel, weil ihn dort auch lebendige Surfer besuchen können. Dass er im Netz jederzeit greifbar lebt, erleichtert das Trauern. Und je nachdem, was alte und neue Datenträger und Internetserver so taugen, lebt der King of Pop ewig weiter, so wie Farrah Fawcett-Majors, David Carradine und alle anderen auch, von denen behauptet wird, sie seien mal gestorben. Wer virtuelle oder sogar virtuelle und reale Spuren hinterläßt, lebt.

Jimmy Wales hört genau zu?

Jimmy Wales ist entspannt, beim Essen, beim lobenden Kurzvortrag über den Fleiß der deutschen Wikipedianer und danach im Zwiegespräch. Bei dem Fest in Düsseldorf Mitte Mai lächelt er viel und hört genau zu. Offenbar fasziniert ihn die Ernsthaftigkeit, mit der Deutsche verkünden, dass sie auf Inhalte und auf Werte wie Bildung oder Fortschritt setzen. In seiner Kurzrede schwärmt er von den deutschen, weltweit fleißigsten und genauesten Wikipedia-Autoren.

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Vielleicht lauscht Wales anderen auch deswegen so genau, weil er selbst gelobt werden will. Wales hat Lob verdient und er kriegt es. Wikipedia stellt eine Jahrtausendinnovation, da sie nicht bloß neu war und sich, anders als andere Netzerscheinungen, etabliert hat, sondern weil sie (hoffentlich so wie sie ist) bleiben wird. Drohender Konkurrenz jedenfalls hat sie bislang erfolgreich getrotzt. Außerdem verdient Wales´ Schachzug, zweigleisig zu fahren, mit der marktunabhängigen Wikipedia und der marktorientierten Wikia Inc., Anerkennung. Denn Wales verbindet ein Spielfeld (Wikipedia), das Neugier und Experimente zulässt, mit einem Marktplatz (Wikia Inc.), der Geld für modifizierte Experimente abwirft. Wales ist Visionär, Macher und jemand, der sich Konkurrenten vom Hals halten kann. Dass er darüber das Zuhören nicht vergisst, erfuhr ich, als er dem Journalisten, der ihn in Düsseldorf interviewte, mein Buch „No Economy“ empfahl. Neugier als Lebenshaltung ist toll. Doch wieso stoppte Wales das Wikipedia-kritische Projekt Wikipediaart.org der Künstler Scott Kildall und Nathaniel Stern, die etwas machen wollten wie „art that anyone can edit“.  Man erfährt doch auch aus Kritik und kritiknahen Aktionen Einiges.

Jimmy Wales; Gisela Schmalz. 5-2009 ©Peter Badge

Ich fragte Jimmy Wales. Er erklärte, die Wikipedia-Community habe den Wikipedia-Artikel der Künstler gestrichen, da dieser nichts mit „Enzyklopädie“ zu tun habe. Aber man habe die Künstler und deren Seite Wikipediaart.org keinesfalls gerichtlich gebremst. Das sei falsch berichtet worden. Er hat wohl recht, denn die Seite der Künstler gibt es ja noch mit allen Informationen zum „Fall“.

Unter Geeks

Am Wochenende besuchte ich die SIGINT, aka „Konferenz zu den Diskursen im digitalen Zeitalter, veranstaltet vom Chaos Computer Club“, und in der Woche die Weblinale 09, aka „the holistic webconference“. Die Impulse auf beiden Veranstaltungen fühlten sich tatsächlich holistischer an als auf anderen, z. B. (Medien)-Konferenzen,… und optimistischer, crazier, intelligenter, selbstkritischer, mutiger, weitsichtiger, offener, lustiger. Die Redner und Panelisten hier sind als Programmierer ja meist auch die Umsetzer ihrer Ideen. Sie kennen ihre virtuelle Welt und bewegen sich darin sicher, also vertraut man irgendwie. Die Gedanken ihrer Vorträge zum Ende der Privatheit im Netz, zu digitalen Drogen und 3D-Andoids, zu Hochzeiten zwischen Social Network- und Game-Welten, zu virtueller Politik, zu Onlinegeschäftsmodellen, zu Webcam basiertem Einloggen, zu Wikitubes, internetgesteuerten Kaffeemaschinen und Datenturbogeschwindigkeiten etc. etc. klangen daher trotz ihrer Abgehobenheit plausibel. Die Geeks wirkten, als setzten sie solche Ideen alsbald persönlich um, wenn es kein anderer macht, Ideen, die andere nicht denken wollen und nicht zu denken wagen. Erfrischend, hirnlüftend!

Spielplatz oder Marktplatz – Bonustext

We live in an amazing time! The world is getting flatter, the tail longer, and everything is free.
Amerikanischer Blogger, 2008

Von der Geburt des Internet an begleiten es Fragen zu dessen Kommerzialisierung. Seit das Internet, das WWW und andere digitale Errungenschaften von staatlich finanzierten Wissenschaftlern aus den USA und Europa geschaffen und der Öffentlichkeit zur freien Verfügung gestellt wurden, profitieren Menschen aus aller Welt von ihnen. Einig sind sich bis jetzt alle vor allem darin, dass die Digitalisierung ehemals analoger Prozesse Zeit und Kosten spart. Dank E-Procurement, E-Supply Chain Management, E-Customer Relationship Management, E-Marketing, Online-Konferenzen, E-Training, E-Mailing und E-Commerce können Unternehmen der Old und New Economy hohe Kosten sparen. Das Web dient ihnen vor allem als Aufwandsvermeider. Doch wenige sehen im Web auch einen Wertegenerator. Die digitalen Texte, Töne, Bilder, Filme und Games, die das WWW neben den Infrastrukturen und Online-Diensten für seine Nutzer bereithält, werden konsumiert wie Regen, der vom Himmel fällt, was sich auch darin zeigt, dass dafür in der Regel nicht bezahlt wird. Mit der ständigen Verfügbarkeit und der Gelegenheit zum kostenfreien, legalen oder illegalen Downloaden, Kopieren und Weiterbearbeiten, verliert sich die Beziehung zur Werthaltigkeit digitaler Leistungen. Damit sinken für all diejenigen die Chancen, über das WWW erfolgreiche Geschäftsmodelle aufzubauen.
Warum das WWW noch immer mehr einem Spiel- als einem Marktplatz gleicht, hat mit seinen Wurzeln zu tun. Das Internet und das World Wide Web sind zwar nicht gerade spielerisch entstanden und schon gar nicht zum Zweck der Unterhaltung, jedoch unter der paradiesischen Prämisse, sich nicht rechnen zu müssen. Waren es anfangs staatliche Einrichtungen wie das US-Verteidigungsministerium, US-Hochschulen oder europäischen Forschungsinstitutionen, so sind es heute außer dem Staat auch Stiftungen, Finanzinvestoren und werbetreibende Unternehmen, die für die Reichtümer des Web aufkommen. Die Notwendigkeit, für digitale Infrastrukturen oder Produkte wie digitale Texte, Töne, Bilder oder Bewegtbilder einen Markt zu schaffen, hat es aufgrund großzügiger Querfinanziers bisher nicht gegeben.

Weiterlesen? Zum Download des vollständigen Textes: „Spielplatz oder Marktplatz“ von Prof. Dr. Gisela Schmalz.

Micropayments beim „Wall Street Journal“

Das Wall Street Journal wird noch in diesem Jahr damit beginnen, Gebühren für einen Teil des Angebots der eigenen Webseite einzuheben. Wie Robert Thomson, Managing Editor der US-Finanztageszeitung, gegenüber der Financial Times erklärte, soll im Herbst 2009 ein „ausgeklügeltes Micropayment-System“ eingeführt werden, das den Nutzern gegen einen kleinen Geldbetrag Zugang zu einzelnen Artikeln verschaffen soll.

„Es steht noch nicht genau fest, wie diese Preise für einzelne Beiträge aussehen werden“, erklärte Thomson. Ihre Höhe werde aber „angemessen und gerecht“ sein. Die aktuelle Ankündigung ist ein wichtiger Schritt für die angeschlagene US-Nachrichtenbranche. Setzt das Wall Street Journal seine Pläne in die Tat um, wäre sie die erste größere Tageszeitung in den Vereinigten Staaten, die auf ein derartiges Bezahlmodell für Online-Inhalte setzt.
Das WSJ gehört zu den wenigen Zeitungstiteln der USA, die ihre Inhalte im Internet schon heute fast ausschließlich kostenpflichtig verbreitet. Laut WSJ-Managing-Editor Thomson stelle das geplante Micropayment-Modell dabei eine sinnvolle Ergänzung zum bestehenden Abonnement-System der Tageszeitung dar. „Die Micropayments sind vor allem für Gelegenheitsleser gedacht, die nicht bereit sind, mehr als 100 Dollar für ein Jahres-Abonnement auszugeben“, sagte der WSJ-Managing-Editor.

Für Rupert Murdoch, Mehrheitseigentümer des Medienkonzerns News Corporation, der das Finanzblatt im August 2007 übernommen hat, ist Bezahl-Content der einzige Weg, um die Nachrichtenbranche aus der gegenwärtigen Misere zu lotsen. „Die Konsumenten werden Nachrichten in Zukunft nicht mehr kostenlos abrufen können“, hatte Murdoch Anfang April erklärt.

Quelle: mediadb.eu

Mikromärkte – neugebaute und eingestürzte Idee?

Die Berliner Band Einstürzende Neubauten finanzierte sich ab 2002 über das „Supporter-Modell“. Unter Ausschluss der Musikindustrie mobilisierten die Neubauten ihre internationale Fangemeinde. Ab 35 Euro erhielten die Fans exklusive CDs, DVDs, Downloads, eigene Email-Adressen sowie Zugang zu einem Live-Stream. Über den Stream waren die Fans mit im Studio, als die Band ihr neues Album aufnahm. „Das haben wir von der Pornoindustrie abgeschaut“, erläuterte Bassist Alexander Hacke 2007 dem ORF.

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Kein schlechtes Vorbild – denn das 2003´er Album konnte komplett über die Community finanziert werden. Hacke erklärte dem ORF auch, er glaube, dass das Supporter-Modell auch für andere Bands funktionieren könnte.

Danke an Tim Renner für den Hinweis auf das Experiment, das mich erst hoffnungsvoll stimmte und das ja in abgewandelter Form auch Bands wie Angelika Express oder der britische Musiker Patrick Wolf durchführen. Doch nun finde ich das hier: “Thank you for your interest and support, but the five year, three phase experiment known as the neubauten.org supporter project is now over.” Aus und Schluß mit dem Supportsystem! Wo ist die Fangemeinde und deren Geld geblieben? Reicht deren Begeisterung nur für eine Saison, um danach ihre Lieblingskünstler im Stich zu lassen und sich eine neue zu suchen? Funktioniert der Handel über Mikromärkte etwa doch nur bei unkopierbaren, handgestrickten Waren wie bei Etsy oder DaWanda? Muss doch eine Flatrate für Content her?

US-Regierung arbeitet mit Google- und Microsoft-Strategen

Am 28.4.9 verkündet US-Präsident Barack Obama, dass unter den 20 Beratern seines President’s Council of Advisors on Science and Technology der Google-CEO Eric Schmidt und der Strategie-Leiter von Microsoft, Craig Mundie, seien. Schmidt hatte Obama im Wahlkampf 2008 beraten und galt zeitweise als Kandidat für die Stelle des Chief Technology Officers (CTO) der US-Regierung. Offenbar wollen Schmidt und Mundie sich ihre Unabhängigkeit bewahren und doppelgleisig fahren – für ihr Land und für ihre Konzerne.

Bürgerrechtler fordern in einem Brief an Obama eine Balance bei der Beraterbesetzung und sprechen sich gegen die Benennung von IT-Managern aus. Stimmen aus der US-Unterhaltungsindustrie zeugen davon, dass man mit der Postenvergabe hier zufrieden ist.

Im Netz muss eine Yes Economy entstehen (These 1)

If you are good at something, never do it for free.
Joker im Film “Dark Knight”, USA 2008

In ihrem eigenen (langfristigen) Interesse sollten alle Nutzer dafür sorgen, dass im WWW ein fairer Markt auch für immaterielle Leistungen entsteht.

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User Generated Markets (These 2)

YES ECONOMY ist die Onlinewirtschaft, in der die Nutzer die Märkte im WWW, über die sie weltweit Handel treiben, selbst gestalten. YES ECONOMY steht für „user generated markets“.

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Vielfalt statt Einfalt (These 3)

YES ECONOMY ist die Chance, Märkte mit einer Angebotsvielfalt im WWW zu schaffen, an denen Nutzer zu fairen Konditionen als Konsumenten, Produzenten oder Händler teilnehmen können.

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Onlinekompetenz (These 4)

In einer YES ECONOMY sind Nutzer webtechnisch, -rechtlich und -wirtschaftlich versiert. Sie sind onlinekompetent und setzen ihre Kompetenz bewusst und zu ökonomischen Zwecken ein. Die Onlinetechnologien und Anwendungen werden kooperativ weiterentwickelt, sind nutzerfreundlich, einfach bedienbar und individualisierbar.

Smarte Pronliner (These 5)

In einer YES ECONOMY sinkt die Zahl rein konsumierender Nutzer. Hier treten Nutzer zunehmend als aktive Onliner auf, als Pronliner, die eigene Leistungen online stellen, auch um damit Handel zu treiben. Schon jetzt gibt es Personen, die über das Web ihren Lebensunterhalt finanzieren (etwa als eBay-Händler, über Paid Content, Onlineberatung, Webseitenhandel oder Onlinewerbeinstrumente). Sie nutzen das WWW als weltweite Handlungs- und Handelsfläche.

Respektsbekundung (These 6)

Digitale Infrastrukturen und Inhalte wie Texte, Töne, Bilder, Bewegtbilder und Games haben in einer YES ECONOMY für Nutzer einen Wert. Den Respekt vor immateriellen Werten im Netz äußern Nutzer, indem sie Urheberrechte und Handelsregeln beachten, wenn sie diese in Anspruch nehmen.

Wert(manchmal)=Preis (These 7)

Nutzer wissen, wer die Urheber digitaler Leistungen sind und respektieren deren Rechte. Sie erweisen Urhebern Respekt, indem sie für deren Leistungen zahlen oder diese sonstwie honorieren, wenn Urheber das einfordern.

Nutzer als Motivatoren (These 8)

Pronliner, produzierende Onliner, stellen interessante, innovative Qualitätsgüter ins Netz. Von diesen Gütern können alle profitieren. Und wenn auch die Pronliner selbst von ihren Uploads und Postings profitieren wollen, etwa durch positive Kommentare oder Geldeinheiten, sollten Nutzer solchen Wünschen nachkommen, allein schon um ihre Lieblingspronliner zu weiteren hochwertigen Kreationen zu motivieren.

Nachhaltig nutzen (These 9)

Konsumierende Nutzer wählen gezielt und strategisch aus, von wem sie welche Online-Leistungen beziehen. Bewusste und onlinekompetente Nutzer beschaffen sich ihre Leistungen (gegen Vergütung) von den Anbietern, die sie langfristig stärken wollen, um auch künftig von deren Angeboten zu profitieren. Sie konsumieren nicht immer nur bei (Marken-)Anbietern, die Monopole im Web aufbauen. So tragen sie zur Nachhaltigkeit im Netz bei und fördern Vielfalt.

Mikro- statt Monopolmärkte statt Flatrate (These 10)

Uploadende Onliner können Händler werden, wenn sie wollen. Sie können untereinander Mikromärkte erschaffen, um sich darüber gegenseitig für ihre Leistungen zu entlohnen. Das kann jenseits der Plattformen und der Kontrolle großer Onlinekonzerne/Onlinemakler erfolgen, die als verteuernde Profiteure (Provisionsverdiener) auftreten. Preise oder Nullpreise für die begrenzte oder unbegrenzte Rechteübertragung sind direkt zwischen Up- und Downloader verhandelbar: Die Technologien, um Mikromärkte einzurichten (Plattformen, Paymentsysteme), gibt es längst. Wem  das Selberhandeltreiben seiner digitalen Güter zu umständlich ist, kann aber seine Güter auch verschenken oder kann mit Plattformbetreibern (iTunes Store, Amazon, GettyImages oder Spezialanbietern) zusammenarbeiten. Der Vorteil ist, diese Unternehmen übernehmen die Abwicklung gegen Kosten. Wichtig für Produzenten geistiger Güter ist es, ihre Distributionsoptionen inkl. der Vor- und Nachteile zu kennen und bewusst eine davon (oder mehrere parallel) wahrzunehmen. Wichtig ist es auch, faire Shares auszuhandeln.

Flatratemodelle sind schwer implementierbar, und sie egalisieren jedes Contentgut, statt es als Individualgut aufzufassen (das unterschiedliche Kunden und Preise kennen darf). Außerdem können Pauschalzahlungen pro User so hoch gar nicht sein, dass all die Uploader, die wollten, tatsächlich vom Flatratemodell profitieren könnten. Jeder Nutzer müsste eine Unsumme pro Monat in den Flatratetopf zahlen. Es sei denn, man schaffte verschiedene Töpfe, einen für klassische Musik, einen für Fotos von Mallorca, einen für künstlerische Kurzfilme etc., und ließe die Nutzer auswählen, in welche Töpfe sie einzahlen wollen. Fraglich ist bei einem oder vielen Töpfen, wer wie regelt, wann wieviel aus dem Topf wer erhalten sollte. Kein Wunder, dass noch keiner eine Idee dazu hat. Auch Flatratebefürworter wissen nicht, wie  ein Flatratemodell aussehen könnte, das alle Urheber von allen (oder nur nichtkommerziellen oder nur qualitätsvollen ?!?) Inhalten zufriedenstellte. Es gibt dazu 16 offene Fragen zur Flatrate, die der Börsenverein des Deutschen Buchhandels Ende Juli 2009 sinnvollerweise stellt – und viele mehr.