Michael Jackson lebt

Michael Jackson ist jetzt vielleicht im Himmel, wir wissen es nicht. Sicher ist nur, dass er im Netz weiterlebt. Wer glaubt, der Thriller-King sei diese Woche gestorben und tot, braucht nur online zu gehen. Twitter, Facebook, Wikipedia, iTunes, YouTube, Flickr, die Blogs, die Online-Presse und so weiter beweisen, dass Jackson nicht bloß in den Träumen oder in der Phantasie der Leute lebt, sondern über das ganze Netz verteilt.

M.J. 1984 Wikimedia Commons

Dass er in Los Angeles physisch zu Tode gekommen sein soll, mag sein, aber das Netz akzeptiert das nicht. Da gibt es keinen Tod, nur das Leben, die Musik, die Fotos, die Videos, die Songtexte des großen Künstlers und viele Texte über ihn. Für seine Angehörigen, Freunde und alle, die regelmäßig mit ihm umgingen, ist er erstmal weg und tot. Aber zum Glück gibt es das Internet. Das ist viel besser als der Himmel, weil ihn dort auch lebendige Surfer besuchen können. Dass er im Netz jederzeit greifbar lebt, erleichtert das Trauern. Und je nachdem, was alte und neue Datenträger und Internetserver so taugen, lebt der King of Pop ewig weiter, so wie Farrah Fawcett-Majors, David Carradine und alle anderen auch, von denen behauptet wird, sie seien mal gestorben. Wer virtuelle oder sogar virtuelle und reale Spuren hinterläßt, lebt.

Jimmy Wales hört genau zu?

Jimmy Wales ist entspannt, beim Essen, beim lobenden Kurzvortrag über den Fleiß der deutschen Wikipedianer und danach im Zwiegespräch. Bei dem Fest in Düsseldorf Mitte Mai lächelt er viel und hört genau zu. Offenbar fasziniert ihn die Ernsthaftigkeit, mit der Deutsche verkünden, dass sie auf Inhalte und auf Werte wie Bildung oder Fortschritt setzen. In seiner Kurzrede schwärmt er von den deutschen, weltweit fleißigsten und genauesten Wikipedia-Autoren.

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Vielleicht lauscht Wales anderen auch deswegen so genau, weil er selbst gelobt werden will. Wales hat Lob verdient und er kriegt es. Wikipedia stellt eine Jahrtausendinnovation, da sie nicht bloß neu war und sich, anders als andere Netzerscheinungen, etabliert hat, sondern weil sie (hoffentlich so wie sie ist) bleiben wird. Drohender Konkurrenz jedenfalls hat sie bislang erfolgreich getrotzt. Außerdem verdient Wales´ Schachzug, zweigleisig zu fahren, mit der marktunabhängigen Wikipedia und der marktorientierten Wikia Inc., Anerkennung. Denn Wales verbindet ein Spielfeld (Wikipedia), das Neugier und Experimente zulässt, mit einem Marktplatz (Wikia Inc.), der Geld für modifizierte Experimente abwirft. Wales ist Visionär, Macher und jemand, der sich Konkurrenten vom Hals halten kann. Dass er darüber das Zuhören nicht vergisst, erfuhr ich, als er dem Journalisten, der ihn in Düsseldorf interviewte, mein Buch „No Economy“ empfahl. Neugier als Lebenshaltung ist toll. Doch wieso stoppte Wales das Wikipedia-kritische Projekt Wikipediaart.org der Künstler Scott Kildall und Nathaniel Stern, die etwas machen wollten wie „art that anyone can edit“.  Man erfährt doch auch aus Kritik und kritiknahen Aktionen Einiges.

Jimmy Wales; Gisela Schmalz. 5-2009 ©Peter Badge

Ich fragte Jimmy Wales. Er erklärte, die Wikipedia-Community habe den Wikipedia-Artikel der Künstler gestrichen, da dieser nichts mit „Enzyklopädie“ zu tun habe. Aber man habe die Künstler und deren Seite Wikipediaart.org keinesfalls gerichtlich gebremst. Das sei falsch berichtet worden. Er hat wohl recht, denn die Seite der Künstler gibt es ja noch mit allen Informationen zum „Fall“.

Unter Geeks

Am Wochenende besuchte ich die SIGINT, aka „Konferenz zu den Diskursen im digitalen Zeitalter, veranstaltet vom Chaos Computer Club“, und in der Woche die Weblinale 09, aka „the holistic webconference“. Die Impulse auf beiden Veranstaltungen fühlten sich tatsächlich holistischer an als auf anderen, z. B. (Medien)-Konferenzen,… und optimistischer, crazier, intelligenter, selbstkritischer, mutiger, weitsichtiger, offener, lustiger. Die Redner und Panelisten hier sind als Programmierer ja meist auch die Umsetzer ihrer Ideen. Sie kennen ihre virtuelle Welt und bewegen sich darin sicher, also vertraut man irgendwie. Die Gedanken ihrer Vorträge zum Ende der Privatheit im Netz, zu digitalen Drogen und 3D-Andoids, zu Hochzeiten zwischen Social Network- und Game-Welten, zu virtueller Politik, zu Onlinegeschäftsmodellen, zu Webcam basiertem Einloggen, zu Wikitubes, internetgesteuerten Kaffeemaschinen und Datenturbogeschwindigkeiten etc. etc. klangen daher trotz ihrer Abgehobenheit plausibel. Die Geeks wirkten, als setzten sie solche Ideen alsbald persönlich um, wenn es kein anderer macht, Ideen, die andere nicht denken wollen und nicht zu denken wagen. Erfrischend, hirnlüftend!

Spielplatz oder Marktplatz – Bonustext

We live in an amazing time! The world is getting flatter, the tail longer, and everything is free.
Amerikanischer Blogger, 2008

Von der Geburt des Internet an begleiten es Fragen zu dessen Kommerzialisierung. Seit das Internet, das WWW und andere digitale Errungenschaften von staatlich finanzierten Wissenschaftlern aus den USA und Europa geschaffen und der Öffentlichkeit zur freien Verfügung gestellt wurden, profitieren Menschen aus aller Welt von ihnen. Einig sind sich bis jetzt alle vor allem darin, dass die Digitalisierung ehemals analoger Prozesse Zeit und Kosten spart. Dank E-Procurement, E-Supply Chain Management, E-Customer Relationship Management, E-Marketing, Online-Konferenzen, E-Training, E-Mailing und E-Commerce können Unternehmen der Old und New Economy hohe Kosten sparen. Das Web dient ihnen vor allem als Aufwandsvermeider. Doch wenige sehen im Web auch einen Wertegenerator. Die digitalen Texte, Töne, Bilder, Filme und Games, die das WWW neben den Infrastrukturen und Online-Diensten für seine Nutzer bereithält, werden konsumiert wie Regen, der vom Himmel fällt, was sich auch darin zeigt, dass dafür in der Regel nicht bezahlt wird. Mit der ständigen Verfügbarkeit und der Gelegenheit zum kostenfreien, legalen oder illegalen Downloaden, Kopieren und Weiterbearbeiten, verliert sich die Beziehung zur Werthaltigkeit digitaler Leistungen. Damit sinken für all diejenigen die Chancen, über das WWW erfolgreiche Geschäftsmodelle aufzubauen.
Warum das WWW noch immer mehr einem Spiel- als einem Marktplatz gleicht, hat mit seinen Wurzeln zu tun. Das Internet und das World Wide Web sind zwar nicht gerade spielerisch entstanden und schon gar nicht zum Zweck der Unterhaltung, jedoch unter der paradiesischen Prämisse, sich nicht rechnen zu müssen. Waren es anfangs staatliche Einrichtungen wie das US-Verteidigungsministerium, US-Hochschulen oder europäischen Forschungsinstitutionen, so sind es heute außer dem Staat auch Stiftungen, Finanzinvestoren und werbetreibende Unternehmen, die für die Reichtümer des Web aufkommen. Die Notwendigkeit, für digitale Infrastrukturen oder Produkte wie digitale Texte, Töne, Bilder oder Bewegtbilder einen Markt zu schaffen, hat es aufgrund großzügiger Querfinanziers bisher nicht gegeben.

Weiterlesen? Zum Download des vollständigen Textes: „Spielplatz oder Marktplatz“ von Prof. Dr. Gisela Schmalz.

Micropayments beim „Wall Street Journal“

Das Wall Street Journal wird noch in diesem Jahr damit beginnen, Gebühren für einen Teil des Angebots der eigenen Webseite einzuheben. Wie Robert Thomson, Managing Editor der US-Finanztageszeitung, gegenüber der Financial Times erklärte, soll im Herbst 2009 ein „ausgeklügeltes Micropayment-System“ eingeführt werden, das den Nutzern gegen einen kleinen Geldbetrag Zugang zu einzelnen Artikeln verschaffen soll.

„Es steht noch nicht genau fest, wie diese Preise für einzelne Beiträge aussehen werden“, erklärte Thomson. Ihre Höhe werde aber „angemessen und gerecht“ sein. Die aktuelle Ankündigung ist ein wichtiger Schritt für die angeschlagene US-Nachrichtenbranche. Setzt das Wall Street Journal seine Pläne in die Tat um, wäre sie die erste größere Tageszeitung in den Vereinigten Staaten, die auf ein derartiges Bezahlmodell für Online-Inhalte setzt.
Das WSJ gehört zu den wenigen Zeitungstiteln der USA, die ihre Inhalte im Internet schon heute fast ausschließlich kostenpflichtig verbreitet. Laut WSJ-Managing-Editor Thomson stelle das geplante Micropayment-Modell dabei eine sinnvolle Ergänzung zum bestehenden Abonnement-System der Tageszeitung dar. „Die Micropayments sind vor allem für Gelegenheitsleser gedacht, die nicht bereit sind, mehr als 100 Dollar für ein Jahres-Abonnement auszugeben“, sagte der WSJ-Managing-Editor.

Für Rupert Murdoch, Mehrheitseigentümer des Medienkonzerns News Corporation, der das Finanzblatt im August 2007 übernommen hat, ist Bezahl-Content der einzige Weg, um die Nachrichtenbranche aus der gegenwärtigen Misere zu lotsen. „Die Konsumenten werden Nachrichten in Zukunft nicht mehr kostenlos abrufen können“, hatte Murdoch Anfang April erklärt.

Quelle: mediadb.eu

Mikromärkte – neugebaute und eingestürzte Idee?

Die Berliner Band Einstürzende Neubauten finanzierte sich ab 2002 über das „Supporter-Modell“. Unter Ausschluss der Musikindustrie mobilisierten die Neubauten ihre internationale Fangemeinde. Ab 35 Euro erhielten die Fans exklusive CDs, DVDs, Downloads, eigene Email-Adressen sowie Zugang zu einem Live-Stream. Über den Stream waren die Fans mit im Studio, als die Band ihr neues Album aufnahm. „Das haben wir von der Pornoindustrie abgeschaut“, erläuterte Bassist Alexander Hacke 2007 dem ORF.

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Kein schlechtes Vorbild – denn das 2003´er Album konnte komplett über die Community finanziert werden. Hacke erklärte dem ORF auch, er glaube, dass das Supporter-Modell auch für andere Bands funktionieren könnte.

Danke an Tim Renner für den Hinweis auf das Experiment, das mich erst hoffnungsvoll stimmte und das ja in abgewandelter Form auch Bands wie Angelika Express oder der britische Musiker Patrick Wolf durchführen. Doch nun finde ich das hier: “Thank you for your interest and support, but the five year, three phase experiment known as the neubauten.org supporter project is now over.” Aus und Schluß mit dem Supportsystem! Wo ist die Fangemeinde und deren Geld geblieben? Reicht deren Begeisterung nur für eine Saison, um danach ihre Lieblingskünstler im Stich zu lassen und sich eine neue zu suchen? Funktioniert der Handel über Mikromärkte etwa doch nur bei unkopierbaren, handgestrickten Waren wie bei Etsy oder DaWanda? Muss doch eine Flatrate für Content her?

US-Regierung arbeitet mit Google- und Microsoft-Strategen

Am 28.4.9 verkündet US-Präsident Barack Obama, dass unter den 20 Beratern seines President’s Council of Advisors on Science and Technology der Google-CEO Eric Schmidt und der Strategie-Leiter von Microsoft, Craig Mundie, seien. Schmidt hatte Obama im Wahlkampf 2008 beraten und galt zeitweise als Kandidat für die Stelle des Chief Technology Officers (CTO) der US-Regierung. Offenbar wollen Schmidt und Mundie sich ihre Unabhängigkeit bewahren und doppelgleisig fahren – für ihr Land und für ihre Konzerne.

Bürgerrechtler fordern in einem Brief an Obama eine Balance bei der Beraterbesetzung und sprechen sich gegen die Benennung von IT-Managern aus. Stimmen aus der US-Unterhaltungsindustrie zeugen davon, dass man mit der Postenvergabe hier zufrieden ist.

Im Netz muss eine Yes Economy entstehen (These 1)

If you are good at something, never do it for free.
Joker im Film “Dark Knight”, USA 2008

In ihrem eigenen (langfristigen) Interesse sollten alle Nutzer dafür sorgen, dass im WWW ein fairer Markt auch für immaterielle Leistungen entsteht.

© gsc

User Generated Markets (These 2)

YES ECONOMY ist die Onlinewirtschaft, in der die Nutzer die Märkte im WWW, über die sie weltweit Handel treiben, selbst gestalten. YES ECONOMY steht für „user generated markets“.

© gsc

Vielfalt statt Einfalt (These 3)

YES ECONOMY ist die Chance, Märkte mit einer Angebotsvielfalt im WWW zu schaffen, an denen Nutzer zu fairen Konditionen als Konsumenten, Produzenten oder Händler teilnehmen können.

© gsc

Onlinekompetenz (These 4)

In einer YES ECONOMY sind Nutzer webtechnisch, -rechtlich und -wirtschaftlich versiert. Sie sind onlinekompetent und setzen ihre Kompetenz bewusst und zu ökonomischen Zwecken ein. Die Onlinetechnologien und Anwendungen werden kooperativ weiterentwickelt, sind nutzerfreundlich, einfach bedienbar und individualisierbar.

Smarte Pronliner (These 5)

In einer YES ECONOMY sinkt die Zahl rein konsumierender Nutzer. Hier treten Nutzer zunehmend als aktive Onliner auf, als Pronliner, die eigene Leistungen online stellen, auch um damit Handel zu treiben. Schon jetzt gibt es Personen, die über das Web ihren Lebensunterhalt finanzieren (etwa als eBay-Händler, über Paid Content, Onlineberatung, Webseitenhandel oder Onlinewerbeinstrumente). Sie nutzen das WWW als weltweite Handlungs- und Handelsfläche.

Respektsbekundung (These 6)

Digitale Infrastrukturen und Inhalte wie Texte, Töne, Bilder, Bewegtbilder und Games haben in einer YES ECONOMY für Nutzer einen Wert. Den Respekt vor immateriellen Werten im Netz äußern Nutzer, indem sie Urheberrechte und Handelsregeln beachten, wenn sie diese in Anspruch nehmen.

Wert(manchmal)=Preis (These 7)

Nutzer wissen, wer die Urheber digitaler Leistungen sind und respektieren deren Rechte. Sie erweisen Urhebern Respekt, indem sie für deren Leistungen zahlen oder diese sonstwie honorieren, wenn Urheber das einfordern.

Nutzer als Motivatoren (These 8)

Pronliner, produzierende Onliner, stellen interessante, innovative Qualitätsgüter ins Netz. Von diesen Gütern können alle profitieren. Und wenn auch die Pronliner selbst von ihren Uploads und Postings profitieren wollen, etwa durch positive Kommentare oder Geldeinheiten, sollten Nutzer solchen Wünschen nachkommen, allein schon um ihre Lieblingspronliner zu weiteren hochwertigen Kreationen zu motivieren.

Nachhaltig nutzen (These 9)

Konsumierende Nutzer wählen gezielt und strategisch aus, von wem sie welche Online-Leistungen beziehen. Bewusste und onlinekompetente Nutzer beschaffen sich ihre Leistungen (gegen Vergütung) von den Anbietern, die sie langfristig stärken wollen, um auch künftig von deren Angeboten zu profitieren. Sie konsumieren nicht immer nur bei (Marken-)Anbietern, die Monopole im Web aufbauen. So tragen sie zur Nachhaltigkeit im Netz bei und fördern Vielfalt.

Mikro- statt Monopolmärkte statt Flatrate (These 10)

Uploadende Onliner können Händler werden, wenn sie wollen. Sie können untereinander Mikromärkte erschaffen, um sich darüber gegenseitig für ihre Leistungen zu entlohnen. Das kann jenseits der Plattformen und der Kontrolle großer Onlinekonzerne/Onlinemakler erfolgen, die als verteuernde Profiteure (Provisionsverdiener) auftreten. Preise oder Nullpreise für die begrenzte oder unbegrenzte Rechteübertragung sind direkt zwischen Up- und Downloader verhandelbar: Die Technologien, um Mikromärkte einzurichten (Plattformen, Paymentsysteme), gibt es längst. Wem  das Selberhandeltreiben seiner digitalen Güter zu umständlich ist, kann aber seine Güter auch verschenken oder kann mit Plattformbetreibern (iTunes Store, Amazon, GettyImages oder Spezialanbietern) zusammenarbeiten. Der Vorteil ist, diese Unternehmen übernehmen die Abwicklung gegen Kosten. Wichtig für Produzenten geistiger Güter ist es, ihre Distributionsoptionen inkl. der Vor- und Nachteile zu kennen und bewusst eine davon (oder mehrere parallel) wahrzunehmen. Wichtig ist es auch, faire Shares auszuhandeln.

Flatratemodelle sind schwer implementierbar, und sie egalisieren jedes Contentgut, statt es als Individualgut aufzufassen (das unterschiedliche Kunden und Preise kennen darf). Außerdem können Pauschalzahlungen pro User so hoch gar nicht sein, dass all die Uploader, die wollten, tatsächlich vom Flatratemodell profitieren könnten. Jeder Nutzer müsste eine Unsumme pro Monat in den Flatratetopf zahlen. Es sei denn, man schaffte verschiedene Töpfe, einen für klassische Musik, einen für Fotos von Mallorca, einen für künstlerische Kurzfilme etc., und ließe die Nutzer auswählen, in welche Töpfe sie einzahlen wollen. Fraglich ist bei einem oder vielen Töpfen, wer wie regelt, wann wieviel aus dem Topf wer erhalten sollte. Kein Wunder, dass noch keiner eine Idee dazu hat. Auch Flatratebefürworter wissen nicht, wie  ein Flatratemodell aussehen könnte, das alle Urheber von allen (oder nur nichtkommerziellen oder nur qualitätsvollen ?!?) Inhalten zufriedenstellte. Es gibt dazu 16 offene Fragen zur Flatrate, die der Börsenverein des Deutschen Buchhandels Ende Juli 2009 sinnvollerweise stellt – und viele mehr.

Markt als Tugend (These 13)

Nutzer aus aller Welt werden dazu motiviert und vertrauen darauf, im Netz mit ihren Leistungen fairen Handel treiben zu können…

  1. So schaffen sie individuelle, originelle Geschäftsmodelle.
  2. Der Handel im Netz eröffnet neue Erlösquellen.
  3. Der Handel im Netz befördert Kommunikation.
  4. Der Handel im Netz fördert Kreativität und Innovation.

Nutzermarkt (These 14)

Die Nutzer bestimmen durch ihre Art des Umgangs mit Webleistungen selbst, was Qualität bedeutet und welche Leistungen in Zukunft noch im Web bereitgestellt werden sollen und welche nicht. Das Web wird mehr ein Nachfrager- oder Nutzermarkt als ein Anbietermarkt, sobald Nutzer mit Onlineleistungen bewußt umgehen. Dazu gehört auch, die Lieferanten zu respektieren und sie gegebenenfalls zu honorieren.

Individuell, gemeinsam, offen (These 15)

Nichts geht in einer YES ECONOMY ohne die Nutzer/Anwender/Konsumenten. Sie bestimmern nicht länger bloß die Konsum- sondern zunehmend auch die Produktions- und Distributionsprozesse. Open Innovation, Mass Customization und Crowdsourcing prägen das WWW von heute und der Zukunft, weshalb Unternehmen/Onlineunternehmen/Onlineanbieter ihre Strukturen mehr und mehr für (onlinekompetente) Nutzer und Pronliner mit eigenen Geschäftsmodellen öffnen müssen. Nutzer und Anbieter werden künftig zu Partnern, wenn sie nicht schon, wie die Pronliner, beides in Userunion sind.

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Im Netz herrscht eine No (go) Economy (These 1)

“We live in an amazing time! The world is getting flatter, the tail longer, and everything is free”, Blogger im Blog von Chris Anderson, 2008 (http://www.thelongtail.com/)

Stimmt eigentlich – doch wenn alle Webleistungen weiterhin vorwiegend gratis und illegal kursieren, wird das Webgeschehen nicht länger amazing/amusing bleiben. Wenn das Web nicht bald verlässliche Marktregeln kennenlernt, werden hier Oligopole oder Monopole bestimmen, was geht und nicht geht.

Dem Netzgeschehen fehlen die grundlegenden Rahmenbedingungen für einen Markt:

  • Preise für digitale Infrastrukturen und Inhalte
  • ein eindeutiges Eigentumsrecht
  • eine ausgewogene Wettbewerbssituation.

NO ECONOMY bezeichnet eine (Online-)wirtschaft, bei der genau diese Elemente einer Marktwirtschaft fehlen. Ohne Marktstrukturen und Preise wird das Netz der Zukunft von Qualitätsmängeln, Redundanz und unfairer ökonomischer Verteilung geprägt sein.

© gsc

Gratiswahn (These 2)

Digitale Infrastrukturen, etwa Communityplattformen und Content wie Texte, Töne, Bilder, Bewegtbilder oder Spiele sind Nutzern selten Geld wert. Außerdem scheren sich viele Nutzer, ob sie als Privatnutzer oder als kommerzielle Anbieter auftreten, wenig um Urheberrechte, so dass es im Web außer zu Gratiskonsum auch zu illegalem Konsum immaterieller Güter kommt.

Verantwortungsvakuum (These 3)

Absichtlich oder unabsichtlich werden Postings oder Uploads anonymisiert online gestellt. Dann fehlen den Nutzern jedoch die Kriterien zur Einschätzung von deren Qualität und/oder Hinweise zu deren Herkunft, Aktualität und Relevanz. Wer anonymisiert postet oder hochlädt, entzieht sich der Verantwortung für seine Uploads und der Kommunikation mit anderen Nutzern – und trägt so nicht gerade zu mehr Transparenz im WWW bei.