Champagnerblogger

Das Bloggerecho, das die konventionelle Vodafone-Kampagne von Scholz&Friends hervorruft, spricht nicht für die Szene. Haben die deutschen Blogger nichts Besseres zu tun und keine interessanteren Blogthemen? In welcher Welt leben wir denn, dass Populisten wie die Heidi Klum der Netzwelt, Sascha Lobo, und sein Geschäftsmodell (Werbemodell!) so eine Beachtung finden? Ist es Neid, weil Lobo sich als Blogger traut, Geld zu verdienen? Ist es Faulheit, weil einer, der sich zeigt wie Lobo, angreifbar ist und man ihn bequem angreifen kann? Ist es Langeweile oder gar Arbeitslosigkeit? Wer so etwas zum „Lobo-Spot“ als Kommentar bei YouTube einstellt, ist vielleicht gefährlich, auf  jeden Fall ist der Text aber des Netzes unwürdig: „Scheiß Kommerzgandalf, den sollte man direkt Erschießen zusammen mit den Bastarden von Vodafon“.

Vodaphone-Kampagne 7-9

Wenn andere Blogger sich freiwillig kasteien, offline oder in dunklen Räumen jenseits von Filmbeleuchtung leben und arbeiten, ist das genauso ihre Sache, wie es Lobos Sache ist, als „Blogger, Autor und Strategieberater“ (Zitat: Lobo im Vodafone-Spot) oder im BVG-Bus fahrend seine Brötchen zu verdienen. Sind die darbenden die besseren Blogger oder was? Vermissen die Blogger eine souveränere, öffentliche Vertreterin, als Lobo sie abgibt, in der Öffentlichkeit, und beschimpfen sie Lobo deshalb? Bei der Umfrage von Internetworld.de stimmten am 28. Juli 2009 64% der Frage zu, ob Blogger „ihre Authentizität“ durch Werbeverträge auf Spiel setzten. Nur 36% stimmten dagegen. Lobo im Vodafone-Bus ist für viele also nicht mehr derselbe Lobo, der bloggt? Nun ja, für mich schon.

Klar können nur öffentlich bekannte Leute wie die Netz-Klums ihre Gedanken (Blogtexte) oder Aktionen (Spots) evtl. zu Geld machen. Nur „Stars“ wie Cory Doctorow und Chris Anderson (zu seinem irreleitenden Buch FREE s. u.), die ihre Bücher gegen Geld verkaufen und für Vorträge hohe Honorare einsacken, können es sich auch erlauben, Gratisdownloads ihrer Bücher gewinnbringend bereitzustellen und auf Konferenzen kurzsichtige, bzw. blinde These zu verzapfen wie die, Content müsse stets gratis sein. Erkennt der Bloggermittelbau nicht, dass diese Jungs sie (pardon) verarschen? Die Klums à la Doctorow und Anderson läßt man ungeschoren das eine erzählen und das andere machen, also einerseits predigen, gratis sei geil, aber andererseits mit solchen Thesen auf Vorträgen und mit Verkaufscontent reich werden. Im Eichborn-Verlag erschien gerade mein Buch zum Thema: „No Economy – Wie der Gratiswahn das Internet zerstört“. Doch meine Idee, aus der Community heraus jenseits von Monopolisten wie Google, Amazon, Ebay etc. Peer2Peer-Märkte für Content im Netz zu erschaffen, ist noch zu wenig populär – in 1-2 Jahren aber bestimmt. Noch schwimmen alle auf der Downsizing-Welle, was auch o.k. ist. Aber wieso muss man so intolerant sein und Andersdenkende/-handelnde angreifen? Soll Sascha Lobo doch jahrelang für Vodaphone Bus fahren und sich danach mit Champagner sowie mit Girls und/oder Games im Ritz Carlton einmieten oder gleich nach Monaco auswandern, falls die Gage das hergäbe…. Wer bitte hat was warum dagegen? Sascha Lobo sagt ja nicht mal, dass er für Gratiskultur sei, er betreibt keine Augenwischerei wie Chris Anderson. Lobo ist eigentlich ein guter Blogger.

PS: Die Verlierer von Lobos Vodafone-Busfahrerei sind Vodafone, Scholz&Friends, und alle, die ihre Zeit (Es ist Deine Zeit) mit Kommentaren zu diesem Spot verplempern. Lobo verliert nicht. Man spricht über ihn, und seine Tagesgagen steigen.

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