Wert(manchmal)=Preis (These 7)

Nutzer wissen, wer die Urheber digitaler Leistungen sind und respektieren deren Rechte. Sie erweisen Urhebern Respekt, indem sie für deren Leistungen zahlen oder diese sonstwie honorieren, wenn Urheber das einfordern.

Nutzer als Motivatoren (These 8)

Pronliner, produzierende Onliner, stellen interessante, innovative Qualitätsgüter ins Netz. Von diesen Gütern können alle profitieren. Und wenn auch die Pronliner selbst von ihren Uploads und Postings profitieren wollen, etwa durch positive Kommentare oder Geldeinheiten, sollten Nutzer solchen Wünschen nachkommen, allein schon um ihre Lieblingspronliner zu weiteren hochwertigen Kreationen zu motivieren.

Nachhaltig nutzen (These 9)

Konsumierende Nutzer wählen gezielt und strategisch aus, von wem sie welche Online-Leistungen beziehen. Bewusste und onlinekompetente Nutzer beschaffen sich ihre Leistungen (gegen Vergütung) von den Anbietern, die sie langfristig stärken wollen, um auch künftig von deren Angeboten zu profitieren. Sie konsumieren nicht immer nur bei (Marken-)Anbietern, die Monopole im Web aufbauen. So tragen sie zur Nachhaltigkeit im Netz bei und fördern Vielfalt.

Mikro- statt Monopolmärkte statt Flatrate (These 10)

Uploadende Onliner können Händler werden, wenn sie wollen. Sie können untereinander Mikromärkte erschaffen, um sich darüber gegenseitig für ihre Leistungen zu entlohnen. Das kann jenseits der Plattformen und der Kontrolle großer Onlinekonzerne/Onlinemakler erfolgen, die als verteuernde Profiteure (Provisionsverdiener) auftreten. Preise oder Nullpreise für die begrenzte oder unbegrenzte Rechteübertragung sind direkt zwischen Up- und Downloader verhandelbar: Die Technologien, um Mikromärkte einzurichten (Plattformen, Paymentsysteme), gibt es längst. Wem  das Selberhandeltreiben seiner digitalen Güter zu umständlich ist, kann aber seine Güter auch verschenken oder kann mit Plattformbetreibern (iTunes Store, Amazon, GettyImages oder Spezialanbietern) zusammenarbeiten. Der Vorteil ist, diese Unternehmen übernehmen die Abwicklung gegen Kosten. Wichtig für Produzenten geistiger Güter ist es, ihre Distributionsoptionen inkl. der Vor- und Nachteile zu kennen und bewusst eine davon (oder mehrere parallel) wahrzunehmen. Wichtig ist es auch, faire Shares auszuhandeln.

Flatratemodelle sind schwer implementierbar, und sie egalisieren jedes Contentgut, statt es als Individualgut aufzufassen (das unterschiedliche Kunden und Preise kennen darf). Außerdem können Pauschalzahlungen pro User so hoch gar nicht sein, dass all die Uploader, die wollten, tatsächlich vom Flatratemodell profitieren könnten. Jeder Nutzer müsste eine Unsumme pro Monat in den Flatratetopf zahlen. Es sei denn, man schaffte verschiedene Töpfe, einen für klassische Musik, einen für Fotos von Mallorca, einen für künstlerische Kurzfilme etc., und ließe die Nutzer auswählen, in welche Töpfe sie einzahlen wollen. Fraglich ist bei einem oder vielen Töpfen, wer wie regelt, wann wieviel aus dem Topf wer erhalten sollte. Kein Wunder, dass noch keiner eine Idee dazu hat. Auch Flatratebefürworter wissen nicht, wie  ein Flatratemodell aussehen könnte, das alle Urheber von allen (oder nur nichtkommerziellen oder nur qualitätsvollen ?!?) Inhalten zufriedenstellte. Es gibt dazu 16 offene Fragen zur Flatrate, die der Börsenverein des Deutschen Buchhandels Ende Juli 2009 sinnvollerweise stellt – und viele mehr.

Individuell, gemeinsam, offen (These 15)

Nichts geht in einer YES ECONOMY ohne die Nutzer/Anwender/Konsumenten. Sie bestimmern nicht länger bloß die Konsum- sondern zunehmend auch die Produktions- und Distributionsprozesse. Open Innovation, Mass Customization und Crowdsourcing prägen das WWW von heute und der Zukunft, weshalb Unternehmen/Onlineunternehmen/Onlineanbieter ihre Strukturen mehr und mehr für (onlinekompetente) Nutzer und Pronliner mit eigenen Geschäftsmodellen öffnen müssen. Nutzer und Anbieter werden künftig zu Partnern, wenn sie nicht schon, wie die Pronliner, beides in Userunion sind.

Berlinkaraoke ©gs

Im Netz herrscht eine No (go) Economy (These 1)

“We live in an amazing time! The world is getting flatter, the tail longer, and everything is free”, Blogger im Blog von Chris Anderson, 2008 (http://www.thelongtail.com/)

Stimmt eigentlich – doch wenn alle Webleistungen weiterhin vorwiegend gratis und illegal kursieren, wird das Webgeschehen nicht länger amazing/amusing bleiben. Wenn das Web nicht bald verlässliche Marktregeln kennenlernt, werden hier Oligopole oder Monopole bestimmen, was geht und nicht geht.

Dem Netzgeschehen fehlen die grundlegenden Rahmenbedingungen für einen Markt:

  • Preise für digitale Infrastrukturen und Inhalte
  • ein eindeutiges Eigentumsrecht
  • eine ausgewogene Wettbewerbssituation.

NO ECONOMY bezeichnet eine (Online-)wirtschaft, bei der genau diese Elemente einer Marktwirtschaft fehlen. Ohne Marktstrukturen und Preise wird das Netz der Zukunft von Qualitätsmängeln, Redundanz und unfairer ökonomischer Verteilung geprägt sein.

© gsc

Gratiswahn (These 2)

Digitale Infrastrukturen, etwa Communityplattformen und Content wie Texte, Töne, Bilder, Bewegtbilder oder Spiele sind Nutzern selten Geld wert. Außerdem scheren sich viele Nutzer, ob sie als Privatnutzer oder als kommerzielle Anbieter auftreten, wenig um Urheberrechte, so dass es im Web außer zu Gratiskonsum auch zu illegalem Konsum immaterieller Güter kommt.

Verantwortungsvakuum (These 3)

Absichtlich oder unabsichtlich werden Postings oder Uploads anonymisiert online gestellt. Dann fehlen den Nutzern jedoch die Kriterien zur Einschätzung von deren Qualität und/oder Hinweise zu deren Herkunft, Aktualität und Relevanz. Wer anonymisiert postet oder hochlädt, entzieht sich der Verantwortung für seine Uploads und der Kommunikation mit anderen Nutzern – und trägt so nicht gerade zu mehr Transparenz im WWW bei.

Gratis hat seinen Preis (These 4)

Im Gegenzug für ihre Umsonstangebote im Web speichern kommerzielle Onlineunternehmer die Suchhistorien und Datenprofile ihrer Homepagebesucher. Sie sammeln, analysieren und synthetisieren sie, um damit Werbekunden anzuwerben, Datenhandelsgeschäfte zu treiben oder sie an Dritte mit sonstigen Interessen weiterzugeben. Die Nutzer zahlen also doch Preise, wenn sie gratis Webleistungen beziehen: sie zahlen mit der Preisgabe ihrer persönlichen Daten.

Asymmetrien (These 5)

Einige Onlineunternehmer verwenden fremderstellte Webtechnologien und Inhalte als Werbeumfelder, ohne die Urheber an den Umsätzen zu beteiligen, wobei die Urheber das aber auch oft nicht einfordern.

© gsc

Alle Macht den Filtern (These 7)

Der Wunsch nach und die Abhängigkeit von Ordnungskriterien und/oder Filtersystemen (wie Suchmaschinen) im WWW steigt und damit die Macht von Anbietern, die Informations- und Datenverteilmaschinen anbieten.

Macht durch Marke (These 8)

Umsatzstarke Onlineplayer investieren in Markenbildung. Sie sorgen dafür, dass ihre Marken bekannt werden und sich leicht finden lassen. Sie wissen, dass Nutzer sich bei zunehmendem Datenwust eher an den bekannten, großen Webmarken orienteren, als das Netz nach Kleinanbietern oder Webneulingen zu durchforsten. Die (nur wenigen) starken Marken im Netz dienen Nutzern als bewährte Wegweiser, als Filter und Qualitätsgaranten.

Qualitätsmonopolisten (These 9)

Umsatzstarke Onlineplayer, oft zugleich Markenanbieter, können in Qualitätsleistungen investieren. Sie kaufen für er Nutzer wertvolle Dienste, Strukturen und Inhalte vom Markt auf und vertreiben sie gratis oder gegen Preise. Damit schwingen sie sich zu Garanten für die Qualität im WWW auf, die die Nutzer wünschen und die sie mit hoher Nachfrage/Traffic belohnen. Eine hohe Beliebtheit ihrer Angebote steigert die Markenmacht und Macht reicher Markenanbieter noch mehr und hält ihnen die Konkurrenz vom Hals.

Netz der Monopole (These 10)

Eine NO ECONOMY begünstigt die Entstehung von Monopolen: in einem Web ohne Regeln, ohne Preise und ohne Urheberschutz können umsatzstarke Onlineunternehmer auf Basis der Gratisleistungen Dritter, etwa  kreativer Hobbyuploader, oder durch den Kauf professioneller Onlineleistungen starke Marken schaffen. Diese wirken dann im Web wie Filter und ziehen nicht nur die Aufmerksamkeit von Endnutzern auf sich, sondern auch die von Werbekunden und anderen Investoren.

Monopoly (These 11)

Markenanbieter ziehen die meisten Nutzer und Werbekunden oder Kapitalinvestoren auf ihre Webseiten, generieren höhere (Werbe-)Umsätze, kaufen mehr digitale Qualitätsleistungen ein (Technologien, Content), investieren noch mehr in Markenbildung, ziehen noch mehr Nutzer und Werbekunden an und verdrängen konsequent unbekannte Kleinanbieter. In dieser Aufwärtsspirale entwickeln sich Webmonopolisten.

Amateure statt Redakteure (These 12)

Immer mehr Amateure nutzen die Onlinetechnologien, um ihre Ergüsse von mal mehr, mal weniger hoher Qualität gratis ins Netz zu stellen. Selbst wenn usergenerierte Texte, Photos, Podcasts oder Filme mindere Qualität haben, vertreiben Contentprovider und andere Onlineanbieter sie über ihre Webseiten. So kommen so an Gratisinhalte und sparen die Zeit und das Geld, das es sie kosten würde, wenn sie Profi-Texter, -Photographen, -Journalisten etc. beauftragen würden. In der NO ECONOMY bedienen sich Anbieter, sobald das Kapital für Investitionen in Qualitätsgüter knapp wird, der gratisverfügbaren Werke von Amateuren.  Da diese frei verfügbar sind, werden sie immer wieder unverändert/unverbessert kopiert, ob sie fehlerhaft oder alt sind oder nicht. Denn Onlineanbieter brauchen Futter für ihre Homepages. Auf diese Weise gelangen immer mehr immaterielle Güter minderer Qualität ins Netz.

Ausgeschenkt (These 13)

Wenn umsatzstarke Onlineunternehmen durch starke Marken, großzügige Gratisangebote und den Erwerb immer neuer Qualitätsleistungen eine bestimmte Macht im Web gewonnen haben, und wenn sie die Nutzer an ihre Infrastrukturdienste oder Inhalte gewöhnt oder diese über Geschenke und Nullpreise von ihnen abhängig gemacht haben (LockIn), können sie es sich als Monopolisten erlauben, nicht länger nur den Werbekunden, sondern auch den Endnutzern Preise für ihre Leistungen abzuverlangen. Nutzer, die die Leistungen (glauben zu) brauchen, werden bereitwillig an die Großunternehmer zahlen. Große Onlineplayer können in bessere, neuere und userfreundlichere Güter investieren als kleinere Player. Die Kleinen müssen weiterhin gratis liefern, um überhaupt wahrgenommen zu werden. Doch wie lange können die dann noch existieren?