Spielplatz oder Marktplatz – Bonustext

We live in an amazing time! The world is getting flatter, the tail longer, and everything is free.
Amerikanischer Blogger, 2008

Von der Geburt des Internet an begleiten es Fragen zu dessen Kommerzialisierung. Seit das Internet, das WWW und andere digitale Errungenschaften von staatlich finanzierten Wissenschaftlern aus den USA und Europa geschaffen und der Öffentlichkeit zur freien Verfügung gestellt wurden, profitieren Menschen aus aller Welt von ihnen. Einig sind sich bis jetzt alle vor allem darin, dass die Digitalisierung ehemals analoger Prozesse Zeit und Kosten spart. Dank E-Procurement, E-Supply Chain Management, E-Customer Relationship Management, E-Marketing, Online-Konferenzen, E-Training, E-Mailing und E-Commerce können Unternehmen der Old und New Economy hohe Kosten sparen. Das Web dient ihnen vor allem als Aufwandsvermeider. Doch wenige sehen im Web auch einen Wertegenerator. Die digitalen Texte, Töne, Bilder, Filme und Games, die das WWW neben den Infrastrukturen und Online-Diensten für seine Nutzer bereithält, werden konsumiert wie Regen, der vom Himmel fällt, was sich auch darin zeigt, dass dafür in der Regel nicht bezahlt wird. Mit der ständigen Verfügbarkeit und der Gelegenheit zum kostenfreien, legalen oder illegalen Downloaden, Kopieren und Weiterbearbeiten, verliert sich die Beziehung zur Werthaltigkeit digitaler Leistungen. Damit sinken für all diejenigen die Chancen, über das WWW erfolgreiche Geschäftsmodelle aufzubauen.
Warum das WWW noch immer mehr einem Spiel- als einem Marktplatz gleicht, hat mit seinen Wurzeln zu tun. Das Internet und das World Wide Web sind zwar nicht gerade spielerisch entstanden und schon gar nicht zum Zweck der Unterhaltung, jedoch unter der paradiesischen Prämisse, sich nicht rechnen zu müssen. Waren es anfangs staatliche Einrichtungen wie das US-Verteidigungsministerium, US-Hochschulen oder europäischen Forschungsinstitutionen, so sind es heute außer dem Staat auch Stiftungen, Finanzinvestoren und werbetreibende Unternehmen, die für die Reichtümer des Web aufkommen. Die Notwendigkeit, für digitale Infrastrukturen oder Produkte wie digitale Texte, Töne, Bilder oder Bewegtbilder einen Markt zu schaffen, hat es aufgrund großzügiger Querfinanziers bisher nicht gegeben.

Weiterlesen? Zum Download des vollständigen Textes: „Spielplatz oder Marktplatz“ von Prof. Dr. Gisela Schmalz.

US-Regierung arbeitet mit Google- und Microsoft-Strategen

Am 28.4.9 verkündet US-Präsident Barack Obama, dass unter den 20 Beratern seines President’s Council of Advisors on Science and Technology der Google-CEO Eric Schmidt und der Strategie-Leiter von Microsoft, Craig Mundie, seien. Schmidt hatte Obama im Wahlkampf 2008 beraten und galt zeitweise als Kandidat für die Stelle des Chief Technology Officers (CTO) der US-Regierung. Offenbar wollen Schmidt und Mundie sich ihre Unabhängigkeit bewahren und doppelgleisig fahren – für ihr Land und für ihre Konzerne.

Bürgerrechtler fordern in einem Brief an Obama eine Balance bei der Beraterbesetzung und sprechen sich gegen die Benennung von IT-Managern aus. Stimmen aus der US-Unterhaltungsindustrie zeugen davon, dass man mit der Postenvergabe hier zufrieden ist.

Im Netz muss eine Yes Economy entstehen (These 1)

If you are good at something, never do it for free.
Joker im Film “Dark Knight”, USA 2008

In ihrem eigenen (langfristigen) Interesse sollten alle Nutzer dafür sorgen, dass im WWW ein fairer Markt auch für immaterielle Leistungen entsteht.

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