NO ECONOMY

No Economy Cover G. Schmalz

 

 

 

 

 

 

 

 

Eichborn Verlag, 2009.
EU 16,95 (D) / sFr 29,95
224 Seiten
ISBN: 9783821857077
Weltrechte: Gisela Schmalz

 

 

Im World Wide Web gibt es immer noch keinen zuverlässigen Markt für digitale Güter wie Texte, Töne, Bilder oder Bewegtbilder. Onlineunternehmer verschenken Content oder Infrastrukturleistungen, um sich bei den Nutzern mit dem Ziel einzuschmeicheln, über hohe Trafficraten Werbekunden anzuziehen. Für sie ist das WWW kein Marktplatz, sondern ein Marketingplatz. Wer allein auf Werbung und andere Querfinanziers als Online-Geschäftsmodell setzt und die Webgüter, die Dritte freiwillig oder unfreiwillig ins Netz stellen, missbraucht, zum Beispiel um in deren Umfeld Wer­bung zu schalten, ohne die Rechtebesitzer zu vergüten, handelt nicht nur illegal, sondern auch fahrlässig. Nullpreise arbeiten Online­monopolisten in die Hände, die eines Tages das Schicksal des Web beherrschen und in ihrem Sinne definieren können.

Gratisfixierte Webanbieter und -nutzer verspielen gerade die einmalige Chance, einen fairen Markt im Web aufzubauen. Sie gefährden den dauerhaften Nachschub an kreativen Innovationen und den freien (was nicht unbedingt heißt: kostenfreien) Zugang zu Online-Qualitätsleistungen. Außerdem rauben sie bislang aus dem globalen Wirtschaftssystem ausgeschlossenen Menschen aller Erdteile die Chance, vom Handel im WWW zu profitieren. Nach der Überwindung des Gratiswahns aber könnte im Web ein gerechter, transparenter und dauerhafter Markt entstehen.

Die Medienökonomin Gisela Schmalz warnt vor einer NO ECONOMY, vor Datenkollaps und Monopolbildung sowie vor einer Kannibalisierung zahlpflichtiger Offlineprodukte. Sie fordert digitale Nachhaltigkeit und den Aufbruch in eine YES ECONOMY. Gisela Schmalz erklärt, was mit der NO ECONOMY schief gelaufen ist – und was sich für eine YES ECONOMY ändern muss. NO ECONOMY ist ein Grundlagen- aber auch ein Thesenwerk. Es stellt die Zusammenhänge verständlich dar, übt Kritik am Gratishandel im Web und erörtert Lösungsvorschläge vor dem Hintergrund der Vision fairer Onlinemärkte im Sinne der Nutzer.

 

——————————————————————————–

——————————————————————————–

Vorwort (Auszug)

 

 

Lassen Sie uns von einem System sprechen, das alle sozialen Organismen in ein Kunstwerk verwandelt, in dem der gesamte Arbeitsprozess eingeschlossen ist, … etwas, in dem das Prinzip von Produktion und Konsumtion eine Form von Qualität annimmt. Es ist ein gigantisches Projekt.

(Joseph Beuys)

 

Das Internet vernetzt Menschen weltweit. Es ermöglicht ihnen, von fast jedem Ort aus rund um die Uhr miteinander zu kommunizieren oder Handel zu treiben. Über 1,5 Milliarden Menschen besaßen 2008 einen Internetzugang, mehr und mehr gehen täglich online und transferieren immer größere Datenmengen. Pro Jahr soll sich die Menge an digitalen Daten ab 2008 um 60% vergrößern. Das gesamte Datenvolumen soll bis 2011 auf 1,8 Billionen Gigabyte angewachsen sein – das wäre das Zehnfache der Menge von 2006.

Diese Transfers spiegeln den Aktivismus der Onlinegemeinde. Normalbürger werden mit den Onlinetechnologien zunehmend besser vertraut. Sie vernetzen sich nicht nur über das Web und konsumieren Informations- und Unterhaltungsinhalte aus dem Web, sondern wickeln hier zunehmend mehr Geschäfte mit digitalen und physischen Gütern ab. Doch erscheinen den meisten die Zusammenhänge von Ursachen und Wirkungen ähnlich schleierhaft wie die der globalen Finanzwirtschaft. Wieso sonst handeln die Onliner am liebsten alles zu Nullpreisen, ohne die Folgen zu bedenken?

Selbst Onlineunternehmer und Wirtschaftswissenschaftler, die Handel treibend oder forschend ins Detail gehen und an Erklärungsansätzen für dieses Verhalten basteln, haben das System der Webwirtschaft nicht zu Ende gedacht. Dass sie hier im Dunkeln stochern, ist allerdings nicht verwunderlich: Die Digitalisierung verändert dramatisch bekannte, ökonomische Grundkonstanten, nicht wenige lösen sich sogar auf:

 

  • Unternehmen werden zu flexiblen und zeitlich begrenzten Kooperationseinheiten.
  • Das Management weicht flexiblen Leitungsteams.
  • Mitarbeiter werden zu Mitverantwortlichen und Anteilseignern.
  • Kunden werden zu Netzwerkern, Mitarbeitern, Produzenten
  • und Unternehmern.
  • Produkte werden zu maßgeschneiderten und änderbaren Leistungen.
  • Produktionsprozesse öffnen sich via Crowdsourcing oder Open Innovation.
  • Preise sinken oder verschwinden ganz.
  • Arbeitsplätze sind überall und nirgends.
  • „9 to 5“- werden zu „24/7“-Arbeitszeiten.
  • Arbeitsverträge werden zu Projektaufträgen.
  • Märkte ändern sich rasant, konvergieren und werden global.

 

Womöglich entzieht sich ein dynamisches, komplexes und globales Gebilde wie die Onlinewirtschaft jeglicher Darstellung. Dennoch möchte ich in diesem Buch den Versuch wagen, ein Modell zu entwerfen, das die Transaktionen im Web abbildet. Dabei wird der Frage nachgegangen, wieso die meisten Onlineinfrastrukturen, -dienste und -inhalte wie Texte, Töne, Bilder, Filme oder Spiele gratis angeboten und gratis nachgefragt werden (können). Zentrales Thema des Buchs sind die immateriellen Güter des Web, Infrastrukturen wie Communityplattformen, Dienste wie E-Mail-Systeme und Inhalte (Content) wie Blogtexte, Wetterinformationen oder Musikdownloads.

 

——————————————————————————–

——————————————————————————–

 

Zur Aktualität des Buches „No Economy“

 

Ralf Keuper bei ECONLITERA (19.12. 2015): …. Dennoch täuscht der Eindruck, die Gratisökonomie sei ihrem Wesen nach kostenlos. Facebook, Google und andere Internetkonzerne stellen ihre Dienstleistungen nicht aus altruistischen Motiven unentgeltlich zur Verfügung, sondern aus knallhartem ökonomischen Kalkül. Ziel ist es, die Nutzer von den Gratisangeboten so abhängig zu machen, dass ihr Verlangen nach alternativen Angeboten, die zwar qualitativ hochwertiger sind, versiegt, zumal diese Angebote nicht umsonst sind. Schon der geringste Preis weckt in dem Nutzer den Ehrgeiz, im Netz nach einem kostenlosen Ersatz zu suchen. Folge davon ist die Monopolisierung des Internet, oder wie es inzwischen auch heisst, die Errichtung des Plattformkapitalismus.

All diese Entwicklungen und Phänomene fasst die Medienökonomin Gisela Schmalz in ihrem Buch No Economy. Wie der Gratiswahn das Internet zerstört als, wie der Titel schon sagt, No Economy zusammen. Erst gegen Mitte des Buches liefert die Autorin eine präzise Definition der No Economy:

Eine Ökonomie, in der Anbieter die meisten Güter verschenken und Konsumenten die Geschenke ohne Gegenleistung annehmen oder das Eigentum anderer stehlen, ist keine. Sie ist eine No Economy. Ein einseitiges System, das dauerhaft nur die Liefernden zugunsten der Nehmenden belastet, ist zum Scheitern verurteilt. Da, wo das Leistungs-Gegenleistungs-Prinzip nicht funktioniert, kann auf Dauer keine für alle Teilnehmer zufriedenstellende Umverteilung stattfinden. In einem solchen Wirtschaftssystem sind Werte kaum bestimmbar oder lösen sich langfristig auf.

Während die Autorin in der ersten Hälfte ihres Buches die Defizite der No Economy bis ins Detail schildert, geht sie im zweiten Teil dazu über, Lösungsalternativen vorzustellen. Als Antwort auf die Herausforderung der No Economy formuliert Schmalz konsequenterweise die Grundlinien der Yes Economy. In dieser “realen” Ökonomie werden sich die smarten Nutzer ihrer Nachfragemacht bewusst und Plattformen bzw. Online-Marktpläzte in Eigenregie betreiben:

Die zunehmende Onlinekompetenz kann Nutzer schließlich dazu bringen, eigene Handelsplattformen zu eröffnen, über die sie ihre P2P-Geschäfte eigenständig durchführen, legale Inhalte und Dienste austauschen oder gegen Geld handeln. In Produktionsgemeinschaften könnten sie die Güter des WWW, ähnlich wie in der Software- oder Gamesbranche praktiziert, kooperativ entwickeln, die dann für alle nutzbringend untereinander verteilt würden. … Es geht darum, die No Economy in eine Yes Economy zu überführen, mit der sich die größtmögliche Zahl der Teilnehmer einverstanden erklärt.

Diese Vorschläge fallen noch recht vage aus, was vielleicht auch daran liegt, dass das Buch 2009 erschien, zu einer Zeit, als die Gratisökonomie sich auf ihrem Höhepunkt befand.

Was hat sich seitdem verändert? Da wäre zum einen der Siegeszug der Streaming-Dienste wie Netflix oder Spotify zu nennen, die in gewisser Weise belegen, dass sich für digitale Güter durchaus Geld verlangen lässt, die ein profitables Geschäft ermöglichen. Allerdings sind nicht alle von diesem Modell in derselben Weise überzeugt, wie z.B. die zahlreichen Künstler, die von ungerechten Vergütungssystemen berichten. Sie würden nur einen Bruchteil der Einnahmen erhalten; der Großteil ginge, wie bereits in der Vergangenheit, in die Kassen der großen Medienunternehmen und der Streaming-Anbieter. Es sei sogar noch schlimmer als vorher.

Weiterhin nehmen die Projekte und Initiativen zu, die versuchen die Blockchain für die Musikindustrie fruchtbar zu machen….

 

——————————————————————————–

 

Pressestimmen

 

HEADSHOCK auf http://twitter.com: Awesome book about the possible future of the internet: „No Economy“ by Gisela Schmalz.

 

Manager Magazin (7. Mai 2009): ”Gisela Schmalz plädiert in ihrer scharfen Analyse der Medienwirklichkeit für digitale Nachhaltigkeit: Relevanz statt Beliebigkeit, Qualität statt Quantität, freier Markt statt Gratiskultur. Anders gesagt: Wenn wir als Nutzer die Zukunft des Internets nicht Big Playern wie Google, Amazon oder Ebay überlassen wollen, müssen wir die Urheber von digitalem Content direkt vergüten.“

 

Florian Michl bei Zeitpunkt. ch (2009): „«… das Paradies ist bedroht», sagt die Medienökonomin Gisela Schmalz in ihrem aufschlussreichen Buch «No Economy. Wie der Gratiswahn das Internet zerstört». Darin kritisiert sie die ökonomische Entwicklung im Internet, in der anscheinend nur die Werbefinanzierung als Geschäftsmodell funktioniert. Mit «fairen» und «beständigen» Märkten hat das aber nur wenig zu tun, kritisiert Schmalz. Denn damit fehlen dem Web «die grundlegenden Rahmenbedingungen für einen Markt», sagt sie: Ausser den Preisen für digitale Leistungen und Produkte mangele es der Online-Welt auch an dem Eigentumsrecht und einer ausgewogenen Wettbewerbssituation. Die Folge dieser No Economy: ein ungerechtes Wirtschaftssystem, das wenige Online-Player zu ihren Gunsten nutzen können. Vielfalt,  der Nachschub an innovativen, digitalen Qualitätsgütern bleibe dabei auf der Strecke.“

 

Florian Michl „Yes, Weconomy“ bei changex.de (06.04.09):  „Free Downloads, free Music, free Software, all for free. Doch funktioniert das wirklich? Eine Medienökonomin hat nachgerechnet. Und sagt: Der Gratiswahn zerstört das Internet. Denn Free funktioniert nur für die Großen, die mit hoher Reichweite hohe Werbeerlöse erzielen. Die Kleinen aber müssen ihre Ökonomie im Web anders organisieren. Als Weconomy. Dazu gehört auch, dass qualitativer Content eben auch was kostet. Dafür aber gibt es nie gesehene Vielfalt. (…) Ein informatives Buch zu einer wichtigen Debatte.“

 

Ralph Krüger bei kulturbuchtipps.de: „Die Autorin hebt in „No Economy“ nicht nur warnend den Zeigefinger sondern zeigt auch alternative Lösungswege auf und regt mit ihrem ausführlichen Report zur Lage des Internets zu einer öffentlichen Diskussion an. Noch ist es Zeit, sich Gedanken über ein neues Verständnis von „Fair Trade“ in der Online-Welt zu machen. Das Buch „No Economy“ von Gisela Schmalz liefert eine solide Grundlage für einen solchen Gedankenaustausch.“

 

Jan Neidhardt bei leser-welt.de: „Das Buch ist sprachlich gelungen und auch für Laien gut verständlich. Es ist leicht verständlich geschrieben, auch wenn es in Teilbereiche der Ökonomie hineingeht…

Im Buch wird eine Netzökonomie entworfen, in der erklärt wird, wie das Internet zurzeit überhaupt wirtschaftlich funktioniert und in welche Richtung das ganze einmal gehen könnte. Es werden Ideen vorgestellt, wie man für die Zukunft eine Netzkultur entwickeln kann, die sich wirtschaftlich tatsächlich selbst trägt und nicht in die Abhängigkeit einzelner Monopolisten gerät…

Das Buch ist auf jeden Fall eine Bereicherung für den Diskurs zum Thema Internet und Wirtschaft auch in Hinblick auf das Web 2.0, das ja zurzeit in aller Munde ist. Es liefert viele wertvolle Anregungen zum Weiterdenken und macht einem Problemstellungen deutlich, über die man als Normal-User oft achselzuckend hinwegsieht.“

 

Michael Klein bei webregard.de (BLOG): „Abwechselnd wird die Sicht des Nutzers und des Service-Anbieters durchleuchtet. So wird beispielsweise der beliebte Web-Narzissmuss von Usern oder mögliche Ambitionen Open-Source Software zu entwickeln mit seinen Hintergründen aufgegriffen. Es wird unterschieden zwischen Web-Beobachter und Power-User. Es gibt eine Erfolgsanalyse für Unternehmen im E-Commerce auf Basis des Gratismarktes in Form von Überpunkten wie Netzerkeffekte, Gesetz der grossen Zahl, Lock-in-Effekt und Markenaufbau.

Es wird zum Teil anhand von Beispielen gezeigt wie sich Unternehmen ungeschickt in der „No-Economy“ verhalten und wie sie es besser machen könnten. Es werden Problematiken angesprochen, welche so nicht unbedingt offen auf dem Tisch liegen und nicht jedem Bewusst sind.

Dennoch lässt das Buch meinem Empfinden nach so viel, sich seine eigene Meinung aufgrund verschiedener Tatsachen zu bilden.  Zuletzt gibt es noch ein Resümee sowie zwei mögliche Aussichten. Ein Ausblick erklärt, was zukünftig an Wert gewinnen könnte und wie sich die No Economy zur Yes Economy entwickeln kann.

 

Florian Dieckmann bei derdieckmann.de : „Die Streitschrift von Gisela Schmalz ist keineswegs etwas für Internetpessimisten, wie Schwenk (2009) meint. Schmalz springt in die Bresche, indem sie dem aufmerksamkeitsökonomischen Denken der werbemittelgetriebenen Geschäftsmodelle und der damit aufs engste verknüpften Begeisterung für die Kostenlosigkeit von Gütern und Leistungen im Netz eine Absage erteilt. Entgegen dem Trend, der erst jüngst durch das Erscheinen des Buchs “Free – Kostenlos: Geschäftsmodelle für die Herausforderungen des Internets” von Chris Anderson neue Nahrung erhalten hat (siehe hierzu u.a. Schmalz 2009b), stellt sie die Frage nach der Möglichkeit internetgestützter Märkte. Damit tritt sie den von mir an anderer Stelle identifzierten Gründen mangelnder Marktinnovationen entgegen: Sie offenbart die Ökonomie als blinden Fleck der derzeit nicht nur in Akademikerkreisen geführten Diskussion, bricht mit der inkrementellen Weiterentwicklung dominanter “Geschäftsmodelle” und ermutigt zur Entwicklung neuer Formate.“

 

Angelika Luderschmidt bei Merkur.de: „Die Professorin für Medienökonomie in Köln wird nicht müde, in einzelnen klar untergliederten und gut recherchierten Kapiteln über Strategen, Nutzer, Ökonomie und Zukunft der Nullpreispolitik im Netz wiederholt ihre These herauszuarbeiten: Die Verwendung des Internets darf nicht kostenlos bleiben. Einen freien Markt und somit eine für den User erstrebenswerte Vielfalt kann es nur ohne Monopolisierung geben. Denn mit der Stärkung einzelner Anbieter, die durch Querfinanzierung andere vom Markt drängen, verschwinden laut Schmalz „nicht nur Online-, sondern auch Offlineunternehmen“. Statt Gratisangeboten könnten konkurrenzlose Unternehmen wie Google daher bald hohe Preise verlangen. Eine düstere Aussicht.

Am Ende überrascht Schmalz mit der Relativierung ihres Lösungsansatzes: Die „Yes Economy“, also das Mitgestalten und Mithandeln der Nutzer und somit das Eingreifen in die Produktpolitik der Unternehmen, setzt voraus, „dass die Teilnehmer dazu in der Lage sind und eine solche Ökonomie auch wollen“.