Techno-perfide Machtausübung

(…). Der Kontrollbegriff, den Deleuze sich 1990 von dem amerikanischen Schriftsteller William Burroughs borgte, ist unter den Kritikern der mächtigen Konzerne aus Silicon Valley sehr populär. Gern wird er in Kombination mit dem Begriff der Überwachung verwendet. Doch »Überwachung« und »Kontrolle« sowie der Verweis auf ökonomische oder kapitalistische Ziele besagen wenig mehr, als dass Konzerne Informationen sammeln, die sie dazu befähigen, Menschen aus wirtschaftlichen Gründen zu manipulieren. Beide Begriffe erfassen nur ansatzweise die gesamte Perfidität des technologischen Machtapparates, der Menschen als seine Verlängerungen integriert.

Wer dabei lediglich von Kontrolle spricht und diese als bloß ökonomisch motiviert ansieht, unterschätzt die Raffinesse, den Umfang und die strategische Weitsicht, mit denen seine Schöpfer ihre Technologien auf die Menschheit loslassen. In der westlichen Welt geht es längst nicht mehr nur um eine wirtschaftliche Machtverschiebung zugunsten eines Oligopols in Silicon Valley. Es geht um die Bemächtigung des Denkens und freien Willens der Individuen und um die Steuerung ganzer Gesellschaften durch techno-soziologische Vordenker, die derweil toter Mann spielen.

Zur Erfassung der Techno-Perfidität kalifornischer und Washingtoner Provenienz sind die Denkinstrumente von Michel Foucault bestens geeignet. Es ist frappierend, wie klar der Philosoph das Wirken der Macht heutiger Hirne und Körper erobernder Technologien mit seinem Konzept der verinnerlichten Disziplin vorausgedacht hat. In Surveiller et punir schreibt Foucault über »die Mittel der guten Abrichtung«. Eines davon ist das Wissen der Gefangenen, im Gefängnis ständig unter Beobachtung zu stehen, auch wenn sie die Beobachter gar nicht sehen. (…).

 

Plan of -Millbank Prison- (constructed 1812) on land purchased by Jeremy Bentham (1799) for the construction of his panopticon. (Sources: disphotic.com, wikipedia.com).

 

Soziale Medien funktionieren genau wie das »Strafsystem der Norm«. Um nicht mit schlechten Bewertungen abgestraft zu werden, sondern von den Mitgliedern der Gruppe anerkannt zu werden, passt der/die Einzelne sich den Gruppennormen an. Der normierende Mechanismus perfektioniert sich im Zuge der Anwendung von selbst. Dass dabei das Agens der Machtausübung für das Individuum diffus bleibt, steigert ihren Effekt. (…).

 

In: Schmalz, Gisela (2020): Mein fremder Wille – Wie wir uns freiwillig unterwerfen und die Tech-Elite kassiert. Frankfurt am Main: Campus Verlag, S. 245f.

 

 

 

„Ich verlasse mich lieber auf Adidas, als auf Trump“

Professorin zu Tech-Giganten: Die Macht der Nutzer über Facebook & Co.

 

Prof. Dr. Gisela Schmalz im Interview mit Katja Bigalke und Martin Böttcher

c/o Deutschlandfunk Kultur „Breitband“ – Sendung vom 04.07.2020

 

Interview/Auszug:

(…)

Katja Bigalke: Viele große Firmen haben zuletzt angekündigt, keine Werbung bei Facebook zu schalten. Lässt sich Facebook dadurch überhaupt wirtschaftlich unter Druck setzen? Oder geht es hier um eine Art PR-Gesichtsverlust für Facebook?

Gisela Schmalz: Facebook ist von der Gunst der Masse abhängig. Sie sind im wahrsten Sinne populistisch: Sie laufen der öffentlichen Meinung hinterher. Sie möchten beliebt bei möglichst vielen Nutzenden sein, gerade in der jungen Generation. Ich glaube nicht, dass sich die Tech-Firmen von ein paar Unternehmen, die kurzzeitig keine Werbung schalten, unter Druck setzen lassen. Zumal diese Wirtschaftsfirmen durchaus von den plattformbetreibenden Firmen abhängig sind – die müssen sich darüber an ihre Endkunden wenden – die Tech-Firmen sind immer noch am längeren Hebel.

Bigalke: Wenn man davon ausgeht, der Druck der werbetreibenden Unternahmen habe tatsächlich Einfluss: Ist das adäquat, um die Plattformen in ihre Schranken zu weisen?

Schmalz: Durchaus. Wirtschaftlicher Druck ist eine Methode, mit diesen Technologiefirmen zu sprechen. Die sind wahnsinnig mächtig und auch reicher, als die werbetreibenden Kunden. Natürlich sind sie abhängig von den werbezahlenden Konzernen. Wenn diese drohen, sich zurückzuziehen, ist das zumindest ein Aufbäumen dagegen und ein Signal – auch in die Öffentlichkeit.

Es gibt also Hoffnung, dass auf einmal eine Vielstimmigkeit da ist und nicht nur nach dem Gesetzgeber gerufen wird. Es ist gut, dass die Konzerne das selbst regeln. Und: dass ethische und demokratische Werte über wirtschaftlichen Druck in die plattformbetreibenden Firmen gesetzt werden.

 

Water Vertigo © Gisela Schmalz  – giselaschmalzphotography.com

 

 

Martin Böttcher: Ist es nicht trotzdem problematisch, dass auf einmal Firmen eine so gesellschaftliche Rolle bekommen? Das, was eigentlich der Gesetzgeber oder die Zivilgesellschaft aufbauen müsste, wird in die Hände von privaten Firmen gegeben.

Gisela Schmalz: Die Plattformen haben wirtschaftliche Macht. Sie haben technologische Macht, Wissensmacht und psychologische Macht über die Endnutzenden, über die sie alles wissen. Auf einmal schiebt man ihnen noch politische oder ethische Macht zu. Auf einmal fordern Konzerne oder auch Bürgerinnen und Bürger über solche Kampagnen, dass die Tech-Konzerne selbst tätig werden in Sachen Werten und Ethik. Das ist höchst problematisch.

Wenn in den USA vor allem der Gesetzgeber und der Präsident als Wertbeschützende ausfallen, dann bleibt der Öffentlichkeit und den Konzernen nichts anderes übrig. Ich verlasse mich lieber auf Adidas, dass Werte bei Plattformen wie Facebook, Twitter, etc. umgesetzt werden, als auf Trump.

Man kann daraus lernen, dass man als Bürger und Bürgerin durchaus die Macht hat, tätig zu werden. Ich habe mich in meinem Buch „Mein fremder Wille“ damit auseinandergesetzt. Man muss sich am besten mit Kampagnen an die Konzerne wenden. Das ist ein Druck der Öffentlichkeit, der sie zum Einlenken bringen kann, gerade dann, wenn wir uns nicht mehr auf Politiker und Politikerinnen verlassen können.

(…)

Fortsetzung / vollständiges Interview c/o Deutschlandfunkkultur.de

“Technologische Quarantäne”: OR1/ORF-Interview mit Gisela Schmalz

 

“Während wir aus der Epidemie-bedingten Quarantäne relativ schnell herauskommen, werden wir aus der technologischen Quarantäne nicht so schnell herauskommen.”

Gisela Schmalz im Heimstudio-Gespräch mit Wolfgang Ritschl am 29. Mai 2020.

Technological Quarantine © Gisela Schmalz – giselaschmalzphotography.com

 

 

 

 

 

 

 

ÖSTERREICHISCHER RUNDFUNK, ORF

Radio Österreich 1

Diktatoren, Füchse, Chinesen und die US-Tech-Elite

Kontext – Sachbücher und Themen

 

“Mein fremder Wille”: Gisela Schmalz über unseren Umgang mit Apps und die Profite der Tech-Elite
(Buch: Campus Verlag)

Redaktion und Moderation: Wolfgang Ritschl

 

Interview (14 Minuten): ÖR1 Kontext-Interview -Mein fremder Wille- G. Schmalz 29.5.2020

Die Sexpartys des Silicon Valley

In Silicon Valley wurden regelmäßig Orgien gefeiert. Dann legte SARS-CoV-2 derlei Gepflogenheiten lahm. In ihren Labors, geheimen X- oder Visions-Abteilungen überschreiten die Vertreter der Tech-Szene immer wieder gedankliche Grenzen. Ihre körperlichen Grenzen testen sie in Gefährten auf der Straße, auf dem Meer oder im All sowie bei den jährlichen „Burning Man“-Events. Die Grenzen des Körpers, der Keuschheit und des Anstands erproben sie bei exklusiven Sexpartys. Hier loten die Männer allerdings weniger ihre eigenen Grenzen aus als vielmehr die der weiblichen Teilnehmer. Bei ihren sexuellen Grenzüberschreitungen folgen sie strikten Mustern, die so ähnlich für die ganze Industrie gelten. Männliche, weiße, junge, erfolgreiche und wohlhabende Branchenvertreter bestimmen die Einladungslisten für die Partys und welche Varianten von Sex hier zugelassen sind. Die Gastgeber sind in der Regel männlich, genau wie ihre wichtigsten Gäste, darunter Manager, Gründer und Kapitalgeber. In einer Zeit, in der Polyamorie Trend ist, zeigt sich die Tech-Elite Konzepten wie der offenen Beziehung, Gruppensex oder BDSM gegenüber aufgeschlossen. Sie gibt sich experimentierfreudig  – aber nur bis zu einem gewissen Grad.

 

Werden die exklusiven Einladungen zu Sexpartys an wechselnden Orten in und um San Francisco verschickt, folgen sie einem Motto, etwa „Edge of the earth“ oder „Bondage“. Das berichtet die Bloomberg-Journalistin Emily Chang in ihrem Buch „Brotopia: Breaking Up the Boys’ Club of Silicon Valley“ von 2018. Darin klärt sie zudem darüber auf, dass eingeladene Männer so viele Frauen, wie sie möchten, mitbringen könnten, während eingeladene Frauen nur in Begleitung anderer Frauen, nicht aber von (womöglich szenefremden) Männern, kommen dürften. So entsteht ein Verhältnis zwischen Männern und Frauen von 1 zu 2. Das hat System. Hätten drei Leute miteinander Sex, so sei immer nur ein Mann mit zwei Frauen zugange, schreibt Chang. Ein Dreier mit einer Frau und zwei Männern sei bei den Valley-Orgien genauso tabu wie Sex unter Männern. Nicht tabu sei es jedoch, wenn Ehemänner und Familienväter sich mit irgendwelchen Frauen vergnügten oder Ehepaare für einen Dreier eine Frau hinzuzögen.

 

Chang hält fest, dass Sexorgien häufig zwischen Gründer-Teams und deren Haupt-Risikokapitalgebern stattfinden. Anscheinend betreiben die Männer des Silicon Valley ihre Partys so wie ihre Businesses: unter- und füreinander. Frauen sind dabei Nebensache und haben eher dienende Funktion. Viele von Changs Gesprächspartnern, Männer und Frauen, hätten berichtet, dass bei Orgien Geschäfte eingefädelt würden. Es sei also für Männer und Frauen wichtig, daran teilzunehmen. Wer bei Sexpartys fehle, sei schnell außen vor. Doch für Frauen wird diese Körper-Kopf-Business-Vermengung offenbar zur heiklen Gratwanderung. Bei diesen nächtlichen Geschäftsterminen befinden sich die Tech-Frauen meist in der schlechteren Verhandlungsposition, so wie tagsüber auch. Zu den Motto-Orgien werden sie weniger als Geschäftspartnerinnen eingeladen als primär in der Funktion von Lustobjekten für die männlichen Szenemitglieder.

Viele männliche Partygäste hielten den Großteil der anwesenden Frauen sowieso für „founder hounder“, für „Gründer-Jägerinnen“, die nichts anderes wollten, als mit einem Gründer Sex zu haben oder sich ihn als boyfriend oder als Ehemann zu angeln. Das konstatiert Emily Chang in „Brotopia“. Frauen, die von den männlichen Gästen nicht ernst genommen werden, betäube man mit Alkohol oder mit Molly (MDMA). Dadurch könnten die Männer mit ihnen für paar Stunden oder einige Tage am Stück unter Ausschluss der Nicht-Szenewelt Orgien feiern, ohne selbst die Kontrolle abgeben zu müssen.

 

 

Frauen aus der Tech-Szene, die solchen Partys beigewohnt haben, vertrauten der Journalistin Chang an, dass Männer sich untereinander bezüglich der Frauen abgesprochen hätten – mit Folgen für ihre weitere Karrieren. Bei einigen Frauen habe die Teilnahme an einer Orgie dazu geführt, dass sie im beruflichen Umfeld von Fremden sexuell angemacht worden seien. Andere Frauen hätten im Berufsalltag Probleme bekommen. Offenbar sind die männlichen Szenevertreter nicht in der Lage, Rollenmuster oder die „Biologie“ im Kopf zu überwinden. Das Schriftstück eines ehemaligen Google-Ingenieurs belegt, dass in der Tech-Szene hanebüchene Stereotypen herumgeistern: „2017 kritisierte James Damore die offene Kultur und die Diversitäts-Bemühungen bei seiner Arbeitgeberin Google. Nachdem er bei Google ein Diversitätsprogramm durchlaufen hatte, notierte Damore: `Die Verteilung der Präferenzen und Fähigkeiten von Männern und Frauen unterscheidet sich zum Teil aufgrund biologischer Ursachen, und diese Unterschiede können erklären, warum wir Frauen in Technologie und Management nicht im gleichen Ausmaß vertreten sehen.´ (…). Man sollte seine Bemerkungen nicht zu ernst nehmen, selbst wenn die Google-Geschäftsführung sie ernst genommen und den Mann entlassen hat. Doch was verleitet einen Ingenieur zu einer unbelegten Aussage? Und warum fanden sich dafür erstaunlich viele Unterstützer in der Szene? Damores verunglückte Auskünfte und die Vielzahl von deren Fürsprechern signalisieren, dass es in der Tech-Szene offenbar vielfach für `normal´ oder `biologisch´ gehalten wird, dass die Norm männlich ist. Diese Haltung wirkt sich auf die Personalauswahl und diese sich wiederum auf die Ergebnisse der Arbeit in und von Tech-Firmen aus. Dann programmieren hier Männer Code für Männer, und es entstehen Produkte und Services von Männern für Männer.“ (Quelle: „Mein fremder Wille“ von Gisela Schmalz, Campus Verlag, 2020, S. 103). Auch die Sexorgien im Valley veranstalten Männern für Männer. Diese beleben das Business unter ihnen, aber be- oder verhindern gleichzeitig Geschäftsbeziehungen zwischen Männern und Frauen.

 

 

Spiele, darunter Rollenspiele, gestehen Männer nur einander zu. Frauen werden aus der Zuschreibung der Unterlegenen nicht nur nicht entlassen, sondern darin eingepfercht. Dabei müssen sich männliche genauso wie weibliche Gründer prostituieren, um an das Geld mächtiger und reicher Kapitalgeber zu gelangen. Versuchen Männer, möglichen Investoren die nötigen Summen für ihre Geschäfte zu entlocken, ist das auch eine Form von Prostitution. Sie wird nur nicht als solche bezeichnet.

In der Tech-Welt, in der normalerweise alles möglich ist, dürfen während des virusbedingten Shutdowns keine Orgien stattfinden. Das bedeutet nicht, dass die kalifornischen Tech-Manager anderen Menschen Sexpartys, Datings oder Speed Datings vorenthielten. Mit ihren smarten und extra für die Viruskrise (auch eine Kennenlern- und Sex-mit-Fremden-Krise) hochgerüsteten Live-Streaming-, Messaging-, Video-Chat- und Video-Conferencing-Diensten heizen sie das Partyleben an. Während der Pandemie sind Körperkontakte weltweit tabu, selbst die in San Francisco so beliebten Kuschelpartys. Dennoch gelingt es der Tech-Elite, Nähe, Liebe oder Sex suchenden Menschen Befriedigung zu verschaffen. Für Interessierte, oft sortiert nach Altersgruppen, sexuellen Vorlieben oder Hautfarben, schalten Matching-Dienstleister virtuelle Räume frei.

 

Innerhalb strikt definierter Zeitfenster können Menschen hier zu allem virtuell Machbaren zusammenfinden. Für die Veranstaltung SAN FRANCISCO VIRTUAL SPEED DATING 20s-40s (ON ZOOM) wird per Eventbrite so geworben: „Mix, meet & mingle with singles from the safety and comfort of your own home! You may be single and stuck at home but that doesn’t mean you can’t meet other singles and have fun! Grab a cocktail and your favorite snacks because we’re bringing a singles party directly to your home.” Wer Zutritt zu den einzelnen 4- bis 6-minütigen Dating-Gesprächen mit bis zu 20 lokalen Singles erhalten will, muss ein Bewerbungsformular ausfüllen und je nach Anmeldetermin einen Preis ab 20 US-Dollar zahlen.

Das vorläufige Ende der Sexorgien in der Tech-Szene markiert den Anfang der virtuellen Sexpartys für Normalos. Es entstehen neue, interaktive Geschäftsmodelle, die die Nutzenden dankend und zahlend annehmen. Auch ohne Intimität und Körpereinsatz florieren die Geschäfte der Silicon Valley-Konzerne – gerade ohne Intimität und ohne Körpereinsatz. Deren Managern sowie findigen Online-Dienstleistern gelingt es, ihre sterilen Anwendungen an die berührungshungrige Party Crowd zu verkaufen.

 

 

Für Frauen und Schwächere haben Online-Partys allerdings einen großen Vorteil gegenüber Live-Sexorgien. Der virtuelle Raum bietet ihnen Schutz, Chancen des Schaltens und Waltens sowie des Rückzugs. Hier behalten sie die Kontrolle und können gewisse Macht ausspielen. Doch das gesamte Spiel dominieren weiterhin die Manager der Tech-Konzerne. Sie stellen die Infrastrukturen für die auf Datenbasis individuell zugeschneiderten Services bereit. Sie setzen die Regeln für das geschlossene Ökosystem, das aus ihnen selbst besteht, den Dienstleitern, die Technologien einsetzen, und den Endkunden. Aus diesem System kommen Letztere weniger leicht heraus, als nach dem Shutdown aus ihren Wohnungen, zumal sie sich den Vorgaben der Tech-Elite freiwillig unterwerfen.

Nach der Viruskrise werden die Partys der Tech-Clique weitergehen – im Valley und online. Und die mächtigsten Mitglieder werden die Gästeliste, das Motto und den Zugangspreis vorgeben.

 

 

Der Text basiert auf einem Abschnitt, der nicht in das Buch von Gisela Schmalz „Mein fremder Wille – Wie wir uns freiwillig unterwerfen und die Tech-Elite kassiert“ (Campus Verlag, 2020) gefunden hat. Erstmals erschienen ist er hier: Carta.info: http://carta.info/die-sexpartys-des-silicon-valley/ (12.5.2020).

Recommended Citation/Empfohlene Zitierweise:

Schmalz, Gisela: “ Die Sexpartys des Silicon Valley” (2020). Gisela Schmalz: https://www.giselaschmalz.com/die-sexpartys-des-silicon-valley/?preview_id=4699&preview_nonce=a7ee7cd8bd&_thumbnail_id=-1&preview=true

 

© Gisela Schmalz

Podcast: So klingt Wirtschaft (Handelsblatt)

Gisela Schmalz: „Unsere Werte müssen mehr in Technologien einfließen“

Der Gesellschaft gehen die Individualisten aus, sagt Wirtschaftswissenschaftlerin und Philosophin Gisela Schmalz.  Sie fordert im Business-Talk der Solutions by Handelsblatt mehr Mut zum freien und Andersdenken.

Interview mit Thorsten Giersch  (Chefredakteur Business bei der Verlagsgruppe Handelsblatt, 08.04.2020).
Hier hören:

Oder hier (HANDELSBLATT) hören.

Forscher und Unternehmen gieren im Kampf gegen das Coronavirus nach verwertbaren Daten. Ihre Hoffnung: Informationen über Verbreitung und Vorkommen der neuartigen Viruserkrankung Covid-19 gewinnen. Wirtschaftswissenschaftlerin Gisela Schmalz sieht das kritisch. Sie plädiert für einen wertbasierten und achtsamen Umgang mit Daten – nach europäischen Werten. Start-ups und Tech-Riesen müssten umdenken. Wie und in welche Richtung, das verrät sie im Podcast.

Globale Körper und Antikörper

Was irgendein Tier im zentralchinesischen Wuhan freigesetzt hat, mündete in eine weltweite Katastrophe. Das Virus Sars-CoV-19 macht auf einmal alle Menschen gleich – sterblich. Es wirft sie auf ihre Körper und ihre Angst um die Zukunft zurück. Könnte das Virus statt die Menschen bloß zu vereinheitlichen, auch vereinen? Die erste Pandemie des 21. Jahrtausends böte dazu die Chance. Sie besteht darin, auf der Grundlage des technologischen Fortschritts einen moralischen Fortschritt zu wagen.

Biologische Wesen haben begrenzte Anlagen und Fähigkeiten, um sich gegen ein neues schädliches und tödliches Virus zu wehren. Das Virus A/H1N1 verursachte 1918 die Spanische Grippe, die bis 1920 zwischen 50 und 100 Millionen Menschenleben gefordert hat. Vom US-amerikanischen Kansas aus, wo heute die meisten Forscher seinen Ursprung vermuten, breitete sich das gefährlichste Virus des 20. Jahrhunderts in der ganzen Welt aus. In Europa traf es auf kriegsbedingt geschwächte Menschen und in Indien auf Menschen, die inmitten einer Hungersnot steckten. Allein in den USA sollen 675.000 durch die Spanische Grippe gestorben sein. Insgesamt kamen 3 bis 5 Prozent der Weltbevölkerung um.

 

 

Es gab kein Anti-A/H1N1-Medikament. Gegen das Virus und die Grippe setzten die Gesundheitsbehörden nach dem 1. Weltkrieg auf ein Mischpaket aus verschiedenen Maßnahmen und Heilmethoden. Quarantäne wurde angeordnet. Mancherorts in den USA herrschte Mundschutz-Zwang. Weltweit wurden Bürger dazu angehalten, Ansammlungen zu meiden, ihre Wohnungen zu lüften, saubere, luftige Kleidung zu tragen, ihre Körper sauber zu halten und ihre Hände vor und nach den Mahlzeiten zu waschen. Hausmittel wie Schwitzkuren, heiße Bäder, Umschläge oder Heißluft kamen zum Einsatz. Diverse Arzneien, vor allem Acetylsalicylsäure (Aspirin), wurden angewandt. Gegen Schmerzen verabreichte man Opiate, Heroin oder Kokain. Nichts wirkte durchschlagend gegen die Influenza, die auch Blauer Tod genannt wurde.

 

 

Unter den vermutlich mindestens 50 Millionen Opfern der Spanischen Grippe waren der französische Schriftsteller Guillaume Apollinaire, der österreichische Maler Egon Schiele, der britische Politiker Mark Sykes oder der deutsche Soziologe Max Weber. Laut der Trump-Biographin Gwenda Blair soll im Alter von 49 Jahren auch der im rheinland-pfälzischen Kallstadt geborene Frederick Trump in den USA an der Spanischen Grippe gestorben sein. Dessen Enkel Donald Trump, als US-Präsident Hauptverantwortlicher für die Sars-CoV-19-Bekämpfung in seinem Land, tat im März 2020, als sich das neue Virus bereits US-weit eingenistet hatte, dennoch öffentlich kund: “When I was hearing the amount of people that died with the flu, I was shocked to hear it.” Ignorante und geschockte Führungspersönlichkeiten sind in Krisenzeiten keine Hilfe. Sie behindern Hilfsbereite vielmehr und stellen so eine Gefahr für die Allgemeinheit dar.

 

 

Mit dem Abklingen der Spanischen Grippe sind nicht gleichzeitig die menschlichen Schwächen und Unzulänglichkeiten verschwunden. Doch blitzte und blitzt in den letzten 100 Jahren hier und da ein bestimmter Typus menschlicher Intelligenz auf. Vor allem an der US-Westküste und in China entwickelten naturwissenschaftlich, technisch, ökonomisch und strategisch beschlagene Personen bahnbrechende neue Technologien. Ihnen ist es zu verdanken, dass Menschen heute, anders als nach dem 1. Weltkrieg, vernetzte Instrumente besitzen, die sie zusätzlich zu medizinischen Therapien zur Eindämmung einer Pandemie einsetzen können.

 

 

Die vielfältigen Möglichkeiten, Technologien zur Virus-Eindämmung zu nutzen, fordern Verantwortlichen im Gesundheitssektor, in Wissenschaft, Politik und Wirtschaft allerdings Kenntnisse und moralische Stärke ab. Unter Zeitdruck müssen Entscheidungen getroffen, Maßnahmen ausgewählt, eingeleitet und neue Regeln formuliert werden, um Leben zu retten ohne dabei gesellschaftliche und wirtschaftliche Grundstrukturen zu schädigen. Zur Beobachtung und Bekämpfung der derzeitigen Pandemie bietet die globale, technologische Vernetzung gleich auf mehreren Ebenen (lebens-)entscheidende Chancen. Das Internet transportiert permanent aktuelle Erkenntnisse rund um Sars-CoV-19 in alle Welt, über das Virus selbst, seine Verbreitung, seine Wirkung oder die Effektivität von Gegenstrategien.

Vom Wissen und von den Erfahrungen früh vom Virus betroffener Länder können die Regierenden von später heimgesuchten Nationen profitieren. Tech-Werkzeuge erleichtern die Zusammenarbeit von politisch Verantwortlichen genauso wie von internationalen Wissenschaftlern, die epidemiologische Langzeit-Forschung betreiben. Auf der Basis von Daten, Soft- und Hardware lassen sich nicht bloß Informationen austauschen, sondern außerdem regionale, nationale oder globale Sofortmaßnahmen einleiten. Dazu zählen:

  • die Bedarfsermittlung und Koordination von Krankenhauspersonal und intensivmedizinischen Betten,
  • die Bedarfsermittlung, Produktion und Verteilung von Hilfsmitteln wie Schutzkleidung, Beatmungsgeräten, Mundschutz und Arzneien.
  • die Bedarfsermittlung, Bereitstellung und Verteilung von wirtschaftlichen Soforthilfen
  • die Datenerhebung zur akuten Epidemie-Bekämpfung.

 

 

Die Notlage einer Pandemie rechtfertigt die zentralistisch organisierte Verwaltung und Verteilung von Daten, Sachen und Personal mittels neuer Technologien. Der Schutz der Allgemeinheit kann überdies kurzfristig auch die Ausweitung der Datenerhebung begründen. Doch wie bei jeder so ist auch bei der Sars-CoV-19-bezogenen Verwendung von Daten auf deren Anonymisierung zu achten, auf die personelle, räumliche und zeitliche Begrenzung von deren Nutzung sowie auf transparentes Vorgehen. Soweit möglich, ist auch das Einverständnis der Betroffenen einzuholen. Erhöht der besonnene Einsatz von Technologien und Daten kurz- und mittelfristig die Chancen, Menschenleben zu retten, ist er nicht nur moralisch geboten, sondern moralisch verpflichtend. Dem würden utilitaristisch genauso wie deontologisch ausgerichtete Moralphilosophen zustimmen.

Doch könnten Regierungsvertreter sich dazu verführt sehen, die Notsituation ausnutzen. Sie könnten Personen tracken lassen und breitangelegt und dauerhaft (Gesundheits-)Daten erheben, um auf dieser Basis „Sondermaßnahmen“ einzuleiten. Mithilfe neuer Technologien könnte ein Regime generelle oder personalisierte Vorschriften erlassen, Restriktionen und Sanktionen einführen, um darüber unerwünschte Personen oder Personengruppen zu diskreditieren und die eigene Machtposition zu stabilisieren. Ob, wie, von wem, aus welchem Grund und zu welchen Zwecken Sars-CoV-19-bezogene Daten kurz- und langfristig erhoben, gespeichert und von Autoritäten verwendet werden, ist deshalb rechtzeitig und jederzeit zu prüfen. Werden im Zusammenhang mit der Pandemie Gesundheits- oder Bewegungsdaten für die Forschung erhoben, gespeichert und von Wissenschaftlern in aller Welt geteilt, was richtig und wichtig ist, müssen auch dabei die Verhältnismäßigkeit gewahrt und Datenschutzrichtlinien eingehalten werden.

 

 

Der akute Zweck (Lebensrettung) mag im Moment Ausnahme-Aktionen, darunter die Verwendung einiger technologischer Mittel heiligen, jedoch keineswegs zwingend in der Zukunft. Notstandsregeln dürfen nach der Pandemie nicht in dauerhafte Gesetzesänderungen münden. Notstandsregeln müssen Notstandsregeln, und Verfassungen müssen Verfassungen bleiben. Die Kunst der politischen Führung liegt jetzt darin, auf Sicht und zugleich mit Weitblick zu agieren – Notstandsregeln schnell, aber dabei stets verfassungsbewahrend zu erlassen. Weise Regierungschefs missbrauchen die Krise weder zur Selbst- oder Parteiprofilierung, noch zu grundlegenden Verfassungsbrüchen. Sie setzen neue Technologien zur Analyse und Eindämmung der Viruskrise ein, nicht aber zu systematischen Verstößen gegen Gesetze und die Moral.

 

 

Seit der Zeit nach der Spanischen Grippe verzeichnen wir auf dem Sektor der vernetzten und lernenden Systeme technologische Fortschritte. Gibt es seither auch einen moralischen Fortschritt? Darüber könnte die Bewältigung der 2020´er-Viruskrise Aufschluss geben. Doch wie ließe sich moralischer Fortschritt feststellen? Anders als technologische Fortschritte lassen sich moralische Fortschritte nicht einmal in der jetzigen Daten- Zahlen- und Fakten-dominierten Ära messen. Utilitaristisch könnte man immerhin argumentieren, dass geringe Infektions- oder Todeszahlen im Rahmen der Covid-19-Eindämmung Ausweis ethisch korrekten Handelns seien. Schließlich geht es ja um das Ziel der Lebensrettung. Dabei könnte die Logik gelten, dass je mehr Überlebende eine Handlung hervorbringt, sie desto moralisch höherwertiger anzusehen wäre. Daraus ließe sich noch zweierlei ableiten, einmal dass es daher auch moralisch geboten sei, Überlebenszahlen zu maximieren und Todeszahlen zu minimieren und zum anderen, dass zur Erreichung dieser Maxi-Min-Ziele alle Mittel eingesetzt werden dürften. Beim Utilitarismus, einer konsequenzialistischen Ethik, zählt nur der Effekt, messbar zum Beispiel in geringen Todeszahlen. Doch so ein Kalkül ist problematisch.

Die utilitaristische Formel vom „maximalen Glück und minimalen Leid für eine maximale Zahl“ und dessen Bewertung in Zahlen, Größenmaßen oder Geldeinheiten mag in der Wirtschaftspolitik handlungsleitend sein können. Sie versagt aber kläglich, wenn es um die Gesundheit und das Leben von Menschen geht. Das würden jedenfalls Vertreter der deontologischen Philosophie sagen, unter ihnen Immanuel Kant. Für Kant ist ein Menschenleben ein Wert an sich selbst. Nach Kant wäre es unzulässig, den moralischen Erfolg etwa eines Regierungsteams während oder nach einer Pandemie danach zu bemessen, wie viele Menschenleben es gerettet hat. Die Frage nach Lebens- oder Sterbezahlen erübrigt sich für Kant, da für ihn die Rettung jeden Menschenlebens eine Selbstverständlichkeit ist – egal, wer die zu rettende Person ist und egal, wer die Rettungsanstrengungen unternimmt. Der Mensch ist „Zweck an sich selbst“. Er ist „niemals bloß als Mittel“ anzusehen, auch nicht als Mittel zum Zweck der Messung der Moral von Regierenden, Wirtschaftsmanagern oder anderen. Aus demselben Grund ist der Vergleich von Sterberaten zwischen einzelnen Nationen, zu dem die Covid-19-Statistiken der Johns Hopkins-Universität und anderer Institutionen einzuladen scheinen, moralisch inakzeptabel. Rankings führen in die Irre, wenn es um die Erfüllung der moralischen Pflicht des Lebenserhaltes geht.

 

Durchaus bewerten und vergleichen lässt sich hingegen die Effektivität von Maßnahmen, Tools oder Technologien bei der Pandemie-Bekämpfung. Geringe Infektions- und Sterberaten können etwas über die Wirksamkeit von Mitteln aussagen, nicht aber über die Moralität derer, die diese einsetzen. Jemand, der während der Viruskrise gar nichts tut, und genauso jemand, der blind gegenüber Fakten, Voraussetzungen und Nebenwirkungen sowie aus purem Selbstinteresse handelt, könnte Menschenleben retten. Und eine Person, die Leben retten will und dabei nach bestem Wissen und Gewissen, regelgetreu und unter persönlichen Opfern vorgeht, könnte scheitern. Der Effekt liefert kein passendes Maß für moralisches Verhalten.

Wie auch immer die Problemlage aussieht, die zu moralischen Entscheidungen zwingt, und wie auch immer sie gelöst wird – die moralische Verantwortung hört nach der Rettung einer gewissen Personenanzahl nicht plötzlich auf. Sie ist weder auf eine Influenza, noch auf Personen, Zeiträume oder geographische Räume beschränkt. Moralität macht eben nicht an Grundstücks- oder Ländergrenzen halt. Sobald ein Privathaushalt, eine Region oder Nation die eigene, unmittelbare (Gesundheits-)Versorgung im Griff hat, beginnt die Mitverantwortung eines Politikers, einer Unternehmerin, eines Wissenschaftlers, einer Ärztin oder einer Privatperson für Menschen anderer Haushalte, Regionen oder Staaten, deren Versorgung noch nicht gesichert ist. Ein globales Virus sollte global und im Blick auf das, was nach ihm kommt, kooperativ eingefangen werden. Dazu muss der Kompass des Denkens und des Handelns selbst moralisch– genauer globalsolidarisch, zeitlich unbefristet und ergebnisoffen – sein.

 

 

 

Es geht um alle oder keinen. Wer anfängt, Menschen zu zählen, blamiert sich. Gemäß der deontologischen Theorie, ist das Erforderliche, δέον (deon), zu denken und zu tun. Ethisches Handeln ist dabei zunächst unabhängig von konkreten möglichen oder aktualisierten Folgewirkungen. Ergebnisse sind zweitrangig. Die deontologische Haltung stellt einen Prozess aus Analyse, Abwägung und Akt dar. Sie ist ebenso dynamisch wie die Folgen des daraus hervorgehenden Handelns. Moralität erweist sich im Vollzug. Theoretisch konvergiert die moralische Verantwortung des Menschen gegen Unendlich. Praktisch setzt ihr die Realität enge Grenzen. Jeder und jede ist ein moralischer Agent mit begrenzten Kapazitäten. Doch die moralische Herausforderung besteht gerade darin, sich in der Beschränkung, unter den Bedingungen der unvollständigen Information und der Unsicherheit (darüber, wie ein erwartetes oder beabsichtigtes Ergebnis tatsächlich ausfällt), für das „Gute“, ethisch Richtige, zu entscheiden. Am um- und weitsichtigen, empathisch-altruistischen Denken und Handeln jedes Individuums während der aktuellen Pandemie zeigt es sich, ob außer technologischem auch moralischer Fortschritt existiert oder dabei ist zu entstehen – oder eben nicht. Fällen Menschen derzeit moralisch bessere Entscheidungen als im bisherigen Verlauf der Geschichte? Falls ja, wäre moralischer Fortschritt zu verzeichnen. Und hier kommen erneut Technologien ins Spiel. Diese helfen nicht nur bei der pragmatischen Einhegung der Pandemie. Sie können auch dazu beitragen, dass Menschen moralisch besser als noch vor 100 Jahren handeln. Neue Technologien erleichtern es, das Schwierige zu wagen und moralische Verantwortung zu übernehmen.

 

 

Sie versorgen gewählte Volksrepräsentanten, andere Krisenverantwortliche oder auch die Manager von Tech-Konzernen mit Fakten, Daten und Handwerkszeugen, dank derer sie zusammen oder getrennt voneinander Schutzmaterialien organisieren, Tracking-Werkzeuge implementieren oder Virus-Tests und Auswertungsverfahren bereitstellen können. Nicht nur Vertreter von öffentlichen Institutionen und Unternehmen, sondern alle, die Zugang zum Internet haben, erhalten die Gelegenheit, sich auszutauschen, komplexe Zusammenhänge zu analysieren und aktiv zu werden. Vor dem Internet konnten die Menschen sich aus der Verantwortlichkeit mit Unwissenheit herausreden. Dank der Informierbarkeit (nicht zwingend Informiertheit) und vielfältiger, technologischer Aktionsmöglichkeiten kann eine ethische Haltung entwickelt und diese unmittelbar in eine gemeinsame Praxis übersetzt werden.

In Zeiten der Pandemie ist es ein passiv-sozialer Akt, soziale Körperkontakte einzuschränken. Aktives, soziales Vorgehen besteht darin, technologische Errungenschaften mit Bedacht und Weitsicht zur Lösung pandemie-bezogener Probleme einzusetzen. Trotz Abstandsetiketten und -pflichten muss niemand mit seinen Gedanken und Ängsten, bei seinen Entscheidungen und Vorhaben alleine bleiben. Internet, Apps und Plattformen erlauben lokal oder weltweit einen Gedanken- und Gefühlsaustausch zwischen Menschen über das Virus, die Influenza und damit verbundene gesundheitliche, wirtschaftliche und technologie-bedingte Sorgen und Probleme. Vernetzte Instrumente können obendrein dazu dienen, gemeinschaftliche Lösungen zu finden, beispielsweise zu Therapieformen, zu Verhaltensfragen, zu technik-ethischen Fragen wie dem Personentracking oder zu moralischen Dilemmata wie der Triage. Außer Gesprächen erleichtern technologische Werkzeuge die Planung, Organisation und Umsetzung der von vielen erarbeiteten und unterstützten Ideen. Neue Technologien setzen solidarische Aktionen frei. Sie erweisen sich als wertvolle Werkzeuge im Dienste der Moral.

 

 

Begreifen die Menschen, dass Sars-CoV-19 jedes Individuum betrifft und damit Sache der Weltgemeinschaft ist, kann ihr moralisches Verantwortungsgefühl nicht hinter dem eigenen Bildschirm oder der eigenen Türschwelle aufhören. Moralisch fortschrittlich wäre es, dieses Gefühl geographisch auszudehnen und ihm auch zeitlich keine Grenzen zu setzen. Schließlich wird die Moralität auch nach der Krise weiter beansprucht werden – genauso wie die daraus folgenden solidarischen Aktionen. Nur in globaler Solidarität und langfristig kann eine Pandemie eingehegt, ihre Folgeschäden abgemildert und Vorsorge für weitere Katastrophen getroffen werden. Will die Weltbevölkerung nach dem Wüten des Schreckensviruses nicht vor einem Desaster stehen, sollte sie ab sofort kooperativ vorgehen. Außerdem sollte sie sich gemeinsam auf die Zukunft vorbereiten, um den nächsten Gefahren nicht schon wieder unvorbereitet ausgeliefert zu sein. Das nächste Virus kommt bestimmt, in welcher Form auch immer – und viele andere Probleme sind längst da und werden verdrängt, etwa Kriege, Hunger- und Klimakatastrophen.

Die Chance, die in der aktuellen Pandemie liegt, konstruktiv zu nutzen, fordert den Verantwortlichen und denen, die sie unterstützen, aber auch kritisch beobachten, Umsicht, Mut und Tatkraft ab. Es ist einfacher, die aktuelle Chance zu verspielen oder sie zu destruktiven Zwecken auszuschlachten, als sich auf das Neue, das Sars-CoV-19 in die Welt bringt, einzulassen. Das Virus verlangt jedem die Neuerfindung der eigenen Haltung zum Leben ab. Dieser Anstrengung auszuweichen und dem Neuen nicht neu, sondern so wie immer zu begegnen, ist simpel. Ängstlich-vorgestrig denkende Führungspersonen reagieren auf das Neue mit altbekannten Mustern, mit persönlichem oder nationalistischem Egoismus, top down-Management und hierarchisch-diktatorischen Strukturen. Die geeignetere Antwort auf die globale und neuartige Herausforderung Virus ist jedoch die Innovation, darunter die Selbstinnovation – auch und gerade auf moralischer Ebene.

Innovationsbedürftig sind auch die neuen Technologien. Ihre Entwicklung und ihr Einsatz sollten ethischen Standards entsprechen. Beispielsweise wären nicht-diskriminierende Algorithmen zu programmieren sowie bei der Programmierung Menschenrechts-, Privatsphäre- oder Datenschutz-Prinzipien zu berücksichtigen. Der gleichberechtigte Zugang zu und die freie Teilnahme an demokratischen Debatten  wären technisch genauso wie politisch zu unterstützen. Führungskräfte in Wirtschaft und Politik, die den leichten Weg wählen und Diskussionen  abwürgen, statt zu stimulieren, und mit unterkomplexen, reaktionären und autoritären Rezepten wedeln, sollten kritisier- oder abwählbar sein – erst recht während einer über Leben und Tod entscheidenden Krise.

 

 

Nach dem Abklingen der Pandemie wird die Welt eine andere sein. Es wird weniger Menschen auf der Erde geben. Unter den Davongekommenen wird es mehr Leid und Armut als zuvor geben. Die ungerechte Verteilung von Gesundheit, Gütern und Geld wird eklatanter als bereits vor dem Schicksalsjahr 2020 hervortreten. Ohne kollegiales Nachdenken und Wirken werden Regierungen zum Nationalismus zurückkehren. Durch mentale und physische Grenzen voneinander isoliert, werden Staaten in ihre je eigenen sozialen und ökonomischen Krisen schlittern. Einige werden bald wieder herauskommen. Andere werden in Krisen rasen, statt hineinzuschlittern, und sie werden dauerhaft darin verweilen. Womöglich gibt es nach Sars-CoV-19 weniger verfassungstreue Regierungen und stattdessen mehr mächtige Krisengewinnler-Regenten, rigide Staatschefs oder neue Regenten wie zum Beispiel Manager von datenkontrollierenden Technologie-Konzernen. Werden bestimmte Akteure während der Notsituation nicht aufmerksam beobachtet und gegebenenfalls ausgebremst, könnten sie den Bürgern die Privatsphäre geraubt haben, um sie zentral über Daten regieren und kontrollieren zu können. Der technologische Fortschritt kann moralischen Fortschritt begünstigen. Doch nur mutige, innovative und moralisch gefestigte Führungspersönlichkeiten lassen sich auf derlei Schritte ein und gestalten die gemeinsame Zukunft auch gemeinsam. Verängstigte, reaktionäre Persönlichkeiten klammern sich an hergebrachte Machtkonzepte. Sie setzen Technologien dazu ein, um ihre Autorität zu zementieren und stoppen damit nicht nur den Fortschritt, sondern leiten den moralischen Rückschritt ein.

Technologien verlocken Staats- oder Konzernchefs während Krisen- und Umbruchszeiten zu deren Missbrauch. Doch die vielen, kleinen technologischen Disruptionen öffnen derzeit gleichzeitig einen Raum für eine große und echte Disruption – für einen moralischen Paradigmenwechsel auf globalem Niveau. Wie neue Technologien während und nach der Virus-Pandemie eingesetzt werden, wird die Zukunft der Menschen und ihres Lebensraums für lange Zeit prägen.

 

© Gisela Schmalz

Empfohlene Zitierweise/Recommended Citation: Schmalz, Gisela: “Globale Körper und Antikörper” (2020). Gisela Schmalz  https://www.giselaschmalz.com/globale-koerper-und-antikoerper-technologien-als-moralische-chance-waehrend-und-nach-der-pandemie/

Fragen zu lösen, ist eine gemeinsame Arbeit. (Joseph Beuys)

 

Ausschnitt aus dem Film  “400 m IFF” (1969) von Lutz Mommartz.

 

Joseph Beuys war einer der größeren Fragesteller unter den Künstlern. In seinen Werken, Reden, Schriften und Aktionen widmete er sich den Sinnfragen. Vor allem fragte er danach, welche Rolle der Kunst und den Künstler/inne/n in der Industriegesellschaft zukommen könnte. Er fragte auch, wie eine bessere Gesellschaft aussehen könnte. Seine Fragen veranlassten ihn dazu, sich politisch zu engagieren. 1979 kandidierte er für das Europaparlament als Direktkandidat für „Die Grünen“, und er war 1980 beim Gründungsparteitag der „Grünen“ dabei.  Doch lange hielt Beuys es unter den Politikerinnen und Politikern nicht aus – und diese nicht mit ihm.

Die Fragen von Joseph Beuys müssen ziemlich dringlich gewesen sein, dass er sich freiwillig von der Kunst in die Politik begab. Doch dieses Heraustreten zu (großen Gruppen von) Menschen war sein Programm. Die Fragen der Menschen interessierten ihn.

 

Gruppennarzissmus

“When all think alike, then no one is thinking.”
Walter Lippmann

 

 

Das Projekt „Ich“ der narzisstischen Gesellschaft entpuppt sich als Sackgasse: Ein schwaches Selbst erfährt auch durch strikte Selbstkontrolle keine Stärkung. Der delphische Spruch „erkenne dich selbst“ und Pindars Satz „werde, der du bist“ haben das Individuum nicht weitergebracht. Die freie Selbstverwirklichung ist keine. Die Verheißung der Freiheit, alles haben und sein zu können, hat den Einzelnen unfrei gemacht.

Narziss_Benczur-narcissus_II_-commons.wikimedia.org
Die Marketingindustrie hat die Freiheit für ihre Zwecke instrumentalisiert. Ihre Opfer sind alle, die Werbeversprechen à la „just do it“ (NIKE, 1987) gefolgt sind. In „The Malaise of Modernity“ von 1991 bemerkte der kanadische Philosoph Charles Taylor, der „Individualismus der Selbstverwirklichung“ mache blind für Probleme jenseits des Selbst. Menschen fehle das moralische Fundament, um Werturteile zu fällen. Tatsächlich kann Subjektivismus in einen Werterelativismus münden. Auch wird er zur Belastung, weil er zur Vereinzelung und zu Beziehungsstörungen führt. Einzelgänger mit fragilem Wertegerüst sind nicht fähig, ihre Freiheit selbstbestimmt zu nutzen und ihr Leben aktiv zu gestalten. Sie suchen Orientierung und Halt außerhalb ihrer selbst – und werden verführbar.

Der Narziss des 21. Jahrhunderts begnügt sich nicht länger mit Selbstbespiegelung. Er will raus. Er will mehr als bloß Bild und Hirngespinst für sich und andere sein. Er will sich spüren, einen Körper haben und die Wärme der Gruppe empfinden. Der Schritt hinaus ist eine Bewegung zu Anderen und zu etwas Anderem, zum Konkreten, zum Physischen. Das Individuum will nicht länger einsam sein. Es schließt sich Weggefährten an, die ihm Sinn und Bestätigung verschaffen und nebenbei sein schwaches Selbstbild aufpäppeln.

 

1024px-HK_Causeway_Bay_Kai_Chiu_Road_3_male_model_outdoor_photography_Haysan_Place_fans_Aug-2012 Von Natalitiameom CC BY-SA 3.0, commons.wikimedia.org

 

 

 

Models Araceli_Angielle_Jimenez Von Instinc models CC BY-SA 3.0, commons.wikimedia.org

 

 

 

 

 

 

 

 

Bei ihrer Orientierungssuche folgen die Erben der narzisstischen Gesellschaft größtenteils nicht der Leitidee der Kommunitaristen. Sie organisieren sich nicht, um auf Basis gemeinschaftlicher Werte „das Gute“ in die Welt zu bringen. Es bricht kein Zeitalter des Gemeinsinns an. Dazu sitzen die Vereinzelungserfahrungen, das Misstrauen gegenüber anderen und die Verantwortungsscheu zu tief. Die kulturelle Prägung der narzisstischen Wirtschaftsgesellschaft lässt sich nicht so einfach abstreifen. Das Talent, sich zu nährenden Gemeinschaften zusammenzuschließen, fällt nicht vom Himmel.
Verunsichert über ihre Position im komplizierten Weltgefüge werden Einzelne vielmehr anfällig für Gruppen mit ausgeprägtem Image und eindrucksvollen Führungspersönlichkeiten. Moralisch haltlose Individuen sind bereit, ihre alte gegen eine neue Form von Fremdbestimmung einzutauschen. Ihnen fehlt die Unterscheidungsfähigkeit zwischen guten und schlechten Gruppen. Also orientieren sie sich an der Popularität des Angebots. Cool, tough oder moralisch überlegen wirkende Gemeinschaften sind besonders attraktiv. Da wollen sie dazugehören. Doch wer sich aus einer Ohnmacht heraus einer vom Gruppennarzissmus erfassten Gemeinschaft anschließt, begibt sich in Gefahr. Ein schwaches Individuum bleibt auch hier schwach und wird oft weiter geschwächt. Das liegt an der Mechanik des Gruppennarzissmus.

Army Les_'Aito_du_511_ème_régiment_du_train By Sebdicam, Sébastien Joly -CC BY-SA 3.0, commons.wikimedia.org

Hier überlagern kollektive Gefühle von Sicherheit, Stärke und Gruppenstolz das individuelle Ohnmachtsempfinden. Der und die Einzelne lassen sich von den Gefühlen und Meinungen der Gruppe mitreißen und betäuben. Im Kreis der Anderen erleben sie sich als mächtig. Doch tiefsitzende Ängste bleiben. Die Gruppe wird übermächtig, das Individuum von ihr abhängig und manipulierbar. Gruppennarzissmus vernebelt das Denken. Er unterminiert die rationale Wahrnehmung und Kritikfähigkeit des Einzelnen. Das Individuum übernimmt die Wahrheiten der Gruppe. Es unterliegt einer neuen Fremdbestimmung.
Der 24-jährige Hauptschüler Nils D. war schon mit 15 Vater geworden und flüchtete sich in Drogen und Alkohol. Dann schloss er sich der Salafistengemeinschaft in seinem Heimatort Dinslaken an. Mit seiner neuen Clique „Lohberger Brigade“, reiste er nach Syrien, um hier für die Terrororganisation IS zu kämpfen. Im Netz postete Nils D. martialische Fotos von sich und seiner Brigade. Die Bilder zeigen, dass Nils D. sein Losergefühl gegen den gefährlichen Gruppennarzissmus beim IS eingetauscht hat.

 

Was bedeutet Gruppennarzissmus? Wie wirkt er? Gruppennarzissmus ist die irrationale Überzeugung von der Großartigkeit der Gruppe, der man selbst angehört. Was beim individuellen Narzissmus die überzogene Selbstliebe ist, stellt beim Gruppennarzissmus die übertriebene Liebe zur Gruppe dar. Im Kollektiv entsteht ein moralisches Überlegenheitsgefühl, das jedes Mitglied ansteckt. Gruppenteilnehmende glauben daran, dass die eigene Gruppe besser, wichtiger oder mächtiger als andere Gruppen sei. Sie fühlen sich als Avantgarde und wollen die Außenwelt davon in Kenntnis setzen. Gruppennarzissmus motiviert jedes Mitglied zur Hingabe an die Gruppe. Wenn aber der innere Gruppenzusammenhalt fragil ist, bedarf die Gruppe der Stärkung von außen – über gemeinsame Symbole und Slogans oder aber über ein gemeinsames Feindbild. Die Aufwertung der eigenen Gruppe geht oft mit der Abwertung anderer einher.

 

Verschiedene Porträtaufnahmen von Charakterköpfen, gesammelt im Rassepolitischen Amt der NSDAP
Verschiedene Porträtaufnahmen von Charakterköpfen, gesammelt im Rassepolitischen Amt der NSDAP

 

Gruppennarzissmus schürt Aggressionen gegen Dritte. Er kann zum Wettbewerb mit anderen Mannschaften, Unternehmen oder Marken führen, aber auch zur Feindschaft gegenüber anderen Parteien oder Bevölkerungsgruppen. In der Gruppe verstärken sich alle Eigenschaften des individuellen Narzissmus. Stärker werden positive Gefühle wie Begeisterung und auch negative Gefühle wie Hass. Der narzisstische Drang zur Außendarstellung kann zu Werbezwecken dienen, etwa wenn ein Unternehmen neues Personal sucht. Er kann aber auch in aggressive Propaganda gegen andere Gruppen umschlagen.

Gruppennarzissmus kann überall ausbrechen – in Parteien, in Unternehmen, in Vereinen, in Glaubensgemeinschaften, in Universitäten, in Forschungsgruppen, in Künstlervereinigungen, in Sportmannschaften oder beim Militär. Er kann temporär auflodern und dann nachlassen oder langfristig bestehen.

 

 

 

 

Erich_Fromm_1974 Müller-May, Rainer Funk, via Wikimedia CommonsDer Begriff Gruppennarzissmus (auch kollektiver oder sozialer Narzissmus) wurde dennoch bislang kaum beleuchtet. Den Begriff „collective narcissism“ führte Erich Fromm 1973 ein. In „The Anatomy of Human Destructiveness“ betrachtete der Sozialpsychologe den Gruppennarzissmus im Zusammenhang mit der übersteigerten Liebe zur eigenen Nation. Leider entging ihm dabei der Unterschied zwischen Gruppennarzissmus und Ethnozentrismus. Fromm argumentierte aus seiner Erfahrung des deutschen Faschismus heraus. „Gruppennarzissmus ist eine der wichtigsten Ursachen für menschliche Aggression,“ schrieb Fromm. Er nannte den Gruppennarzissmus „semipathologisch“ und erkannte im Gruppennarzissmus den Nährboden für destruktive Kräfte.

 

Zum echten Problem werde Gruppennarzissmus, sobald „zwei narzisstische Gruppen in Konflikt geraten.“ Tatsächlich neigen Gruppennarzissten dazu, sich Feinde zu suchen. Ein starkes Feindbild stärkt den Zusammenhalt der eigenen Gruppe. Belege dafür liefern die  Dinslakener Salafisten, die NSU um Beate Zschäpe, die RAF oder die Weathermen. Problematisch beim destruktiven Gruppennarzissmus ist die Manipulation der Meinung und der Gefühle der Mitglieder durch die Gruppe. Todd Strassers Roman „The Wave“ von 1981 und seine Verfilmungen behandeln das Gruppenexperiment in einer Schulklasse. Ein Lehrer beeinflusst seine Schüler, bis sie unter Selbstverleugnung nur noch als Gruppenmitglieder fühlen, denken und handeln. Der Versuch setzt einen brutalen Gruppennarzissmus frei. Er bringt Schüler dazu, die Gruppe mit Gewalt gegen Außenseiter zu verteidigen.

 

Der westliche Kapitalismus eröffnete Freiräume. Er lieferte den Menschen jedoch keine brauchbaren Instrumente dafür mit, um mit dieser Freiheit sinnvoll umzugehen. Parallel zur Ausweitung des Liberalismus erodierten alte Verlässlichkeiten. Glaube, Heimat, Ehe, Familie oder ein fester Arbeitsplatz sind keine Selbstverständlichkeit mehr. Wenn Individuen eine existentielle Verunsicherung erleben und von Zukunftsängsten geplagt sind, zeigt das auch das Versagen von Wirtschafts-, Sozial- und Bildungspolitik.

 

Die hochkomplexe, hochdynamische Weltwirtschaft überfordert die Menschen. Ein fehlendes Wertefundament und fehlende äußere Sicherheiten brachten in der Zeit des Ausatmens nach dem Zweiten Weltkrieg verunsicherte und konsumfixierte Einzelgänger hervor. Den Mangel an Vertrauen in ihre Mitmenschen und in eine sie tragende Gesellschaft kompensierten sie mit narzisstischer Selbstoptimierung. Wer dabei nicht depressiv wird, wird aggressiv und sucht sich aggressive Kumpanen. Die vermeintlich starke Gruppe dient dazu, die individuelle Ohnmacht zu betäuben.
In Gesellschaften, aus denen Bürger ausbrechen, um sich radikalen Gruppen in West oder Ost anzuschließen, erblüht ein neuer Narzissmus, der Narzissmus der Gruppe. Sobald destruktiver Gruppennarzissmus seine Blüten treiben kann, stehen die Errungenschaften der Zivilisation und die Werte der Aufklärung zur Disposition.

Die Ursachen für destruktiven Gruppennarzissmus liegen beim Individuum und in der Gesellschaft. Problemlösungen müssen bei der Wechselwirkung von Individuum und Gesellschaft ansetzen. Freiheit verlangt jedem Einzelnen ein hohes Maß an Integrität ab. Mit Freiheit umzugehen, erfordert ethisches Urteilsvermögen, kritisches Denken, Eigenverantwortlichkeit, Empathie, Selbstvertrauen und Mut. Solche Fähigkeiten lassen sich nicht einsam vor dem Spiegel oder am Tablet erlernen. Sie müssen mit anderen eingeübt werden – im Idealfall in einer Umgebung, die annähernd multikulturell wie die globale Welt strukturiert ist.
Integration gelingt nur zwischen Menschen, die einander respektieren. Gruppenbildungen und Streitereien sind dabei wichtige Faktoren. Doch nicht der Kampf gegeneinander, sondern der demokratische Austausch zwischen Einzelnen und zwischen Gruppen garantiert Frieden und Freiheit. Damit ein Krieg zwischen Gruppen wie im Nahen Osten nicht auch den Westen erfasst, müssen die Wurzeln für destruktiven Gruppennarzissmus erkannt und gekappt werden.

 

© Gisela Schmalz

2.8.2016

Augenwischerei-Pads – die überflüssige Renaissance des Physischen

Apple bringt also dieses glatte Ding, erst Tablet, jetzt Pad genannt, für 499 bis 699 $ (EU wie $) auf den Markt, das aussieht wie ein iPhone mit der Lupe betrachtet. Es kann digitale Fotos, Videos, Musik, Spiele und E-Books verarbeiten. Man sollte jedoch nicht versuchen, es ans Ohr zu halten oder es anzureden, um zu telefonieren, bevor man nicht selbst zuvor Skype aufgespielt hat.

iPad-Quelle: Apple

Der Witz ist sowieso nicht das Gerät selbst, jedenfalls nicht lange, da Apple gewiss schon ein iPad nano, iPad pro oder iPad power oder wie die Apple-Nachsilben alle heißen, in petto hat. Der Witz ist das eingebaute Geschäftsmodell. Mit dem vermeintlich coolen Tisch- und Traggerät pflanzt Apple sich einen eingemauerten Garten, einen Walled Garden, bei dem digitale Inhalte an ein physisches Gerät gebunden werden. Mit den Software-Hardware-Paketen iTunes-iPod, iTunes-iPhone und App-Store-iPhone bestellt Apple bereits florierende Gärten mit Musik, Videos und Apps, die nicht nur direkte Wettbewerber von der Inhalte-Wertschöpfung ausschließen.

Der aus dem Hardwaregeschäft kommende Konzern Apple erschließt sich mit dem iPad nun auch den Buchmarkt und grätscht dabei zunächst in den Kindle-Garten von Amazon. Während Amazon digitale Bücher zum Preis von maximal 9,99 $ anbietet und beträchtliche Provisionen einbehält, lockt Apple Autoren und Verleger mit Preisen von bis zu 14,99 $ pro Buchdownload und verspricht 70-prozentige Abgaben für Urheber. Zieht Apple die Inhaltelieferanten damit in seinen iPad-Garten, könnte das den Kindle-Garten von Amazon dauerhaft vergiften. Apple würde blühen und blühen und eines Tages in anderen Gärten (Onlineplattformen) nicht mal mehr Gras wachsen.

Genau vor einem Jahr machte ich mit dem Text „Spielplatz oder Marktplatz“ bereits auf das Problem der Höherbewertung physischer Güter im Vergleich zu immateriellen Gütern aufmerksam. Menschen bezahlen eher für Gimmicks wie den Nindendo DS, die Xbox 360, das Kindle, das iPod, iPhone oder iPad, statt für digitale Texte, Bilder, Töne oder Filme. Wer die Urheber von Webinhalten überhaupt entlohnt, zahlt bloß winzige Preise, deren Hauptanteile aber schon heute meist großen Downloadplattformen wie Apple oder Paymentanbietern wie eBay (Paypal) zufließen. Als Softwarebereitsteller, Geräteproduzenten und Gartenwächter verdienen sie weit mehr als Urheber, die immaterielle Informations- und Unterhaltungsarbeit leisten.

Dabei ermöglicht das WWW doch weit innovativere und urheberfreundlichere Handelsstrukturen als die Offlinewelt sie kennt, darunter das Ausklinken der Zwischenhändler. Das WWW und die hier verfügbare Vermarktungs- und Bezahlsoftware bietet Journalisten und Künstlern direkten Zugang nicht nur zu Lesern, Hörern und Zuschauern, sondern auch zu Kunden. Doch leider ist ihnen das WWW als direkter Distributionskanal verstellt, da sie, sobald es ums Zahlen geht, auf die Ignoranz der Nutzer stoßen. Wer als Künstler nicht im iTunes-Store vertreten ist, ist von der digitalen Nahrungskette und vom Geld der Nutzer weitgehend abgeschnitten. Viele geistige Arbeiter sind daher gezwungen, sich jenseits des eigentlich offenen Gartens WWW in der physischen Welt abzustrampeln, auf Konzerttouren oder iPad (ehemals Buch-)Lesungen oder in berufungssfernen Feldern, beispielsweise als Verkäufer in Geschäften, die iPods oder iPads feilbieten.

In „Spielplatz statt Marktplatz: Gratisweb“ schrieb ich bereits über die Folgen dieser Augenwischerei-Pads für die Urheber und die Nutzer, die sich mit ihrem kurzsichtigen Gratis- oder iTunes-Konsum selbst vom freien Datenzugang im WWW abschneiden:

In seinem Buch „The Future of the Internet and how to stop it“ warnt der amerikanische Rechtsprofessor und Anwalt Jonathan Zittrain vor solchen ummauerten Gärten. Spielzeuge wie das iPhone, der BlackBerry, die PlayStation und fest zu diesen Geräten gehörige Applikationen, verhinderten, dass Nutzer Software und Content selbst aktiv mit gestalteten und verbesserten. Er spricht in dem Zusammenhang vom Tod des Internet. Das kreative Chaos, das im Web herrsche, würde durch feste Installationen auf Geräten abgetötet. Die Renaissance des Physischen stellt einen Rück- und keinen Fortschritt dar. Gratisanbieter und Gratisnutzer verspielen die wertvolle Gelegenheit, sich für die Chancen einer Web-Ökonomie zu öffnen. Sie arbeiten der Entwicklung zu einer mobilen, globalen Zukunftsgesellschaft entgegen, wenn sie bloß für materielle Güter oder daran gekoppelte Produkte Preise tolerieren, für Web-Leistungen jedoch nicht.

Eine neue Gesellschaft entledigt sich des physischen Ballasts und vermeidet es, unter hohem Ressourcenaufwand technische Apparate zu produzieren, die eines Tages verschrottet werden, um neue Produktionen anzukurbeln. Das WWW ist die umweltfreundlichere, schlankere und elegantere Alternative zur Geräteherstellung. Insbesondere, wenn es darum geht, informierende und unterhaltende Inhalte zu transportieren, ist das WWW unschlagbar in seiner Schnelligkeit, Kostengünstigkeit und Speicherkapazität. Wer braucht noch Festplatten, DVDs oder CDs, wenn das WWW alles von überall und jederzeit abrufbar bereithält. Ein festes oder ein mobiles Gerät mit Online-Zugang reichen aus, um digitale Güter zu transportieren. Datenträger sind nur überflüssige Zwischenspeicher. Wer geschlossene Gärten, also Software-Hardware-Gefängnisse, propagiert, verrät außerdem die Tugenden des WWW, Flexibilität, Offenheit, Vernetzung, Interaktivität. Wer nicht auch für digitale Leistungen zu zahlen bereit ist, beraubt sich langfristig der Möglichkeit unkompliziert über das Web auf sie zugreifen zu können. Christian Stöcker /Der Spiegel verweist darauf, dass “Torwächter”-Unternehmen für die mobile, digitale Welt bereits gelernt haben, wovon ja deren App-Politik zeugt.

Die Netzgesellschaft

Frankfurt, LPR

Statt rückwärts zu blicken, feierte die LPR Hessen ihr 20jähriges Bestehen am 4. November 2009 mit einem Blick in die Zukunft. Keynotespeaker Peter Kruse, Psychologieprofessor und Unternehmensberater aus Bremen, sprach davon, dass die Netzwerkkompetenz künftig die Medienkompetenz ablöse. Darin, dass man dem Internet und selbst seinen teils negativen Auswüchsen mit den Werkzeugen der Rundfunkaufsicht nicht beizukommen vermag, waren sich die Teilnehmer der anschließenden Debatte einig. Zum Thema „Revolution 2.0“ diskutierten die Medienökonomin Gisela Schmalz, die Kommunikationswissenschaftlerin Ingrid Paus-Hasebrink, Ulrike Reinhard, Mitinitiatorin der Plattform DNAdigital, Ibrahim Evsan, Mitbegründer der Videoplattform sevenload und LPR-Direktor Wolfgang Thaenert. Auch Ministerpräsident Roland Koch äußerte in seiner abschließenden Rede, dass die Kontrolle durch die Landesmedienanstalten schwieriger werde. Er schrieb ihnen jedoch während der Übergangszeit eine wichtige Vermittlerrolle zu.

In den Einzelinterviews mit Peter Kruse (ab Min. 1,30), Wolfgang Thaenert (ab Min. 8), Roland Koch (ab Min. 19), Gisela Schmalz (ab Min. 20,30) oder Ibrahim Evsan (ab Min. 22) kommen die unterschiedlichen Standpunkte der Podiumsteilnehmer deutlich heraus.

Hände weg, Vater Staat

Einige deutsche Medienkonzernlenker wehren sich gegen die Restrukturierung ihrer Geschäfte und ihrer Geschäftsmodelle. Sie fordern alternierend neue Gemas, Leistungsschutzrechte, Steuererleichterungen für den Medienkonsum oder erwägen gar die Kulturflatrate. Mit  ihrem Widerstand gegen die Netzlogik und ihrem Griff nach Instrumenten aus uralter Zeit gefährden sie ihre Unternehmen und ihre Mitarbeiter, statt sie zu schützen, indem sie sie digital sattelfest machen. Die digitale Technologie und deren Nutzer, die einst ihre Kunden waren, laufen ihnen davon. Das liegt aber nicht an der Technologie, sondern an ihrer Ignoranz gegenüber der Nutzergemeinde und ihrer Zeitschinderei durch den Ruf nach Vater Staat.

© gsc

Medienunternehmer sollten die Nutzer und die neuen Technologien herzlich umarmen, End- und Werbekunden als Partner einbinden, Abendschulkurse im Programmieren belegen und mit Entwicklern oder Technikunternehmen kooperieren. Medien- und Onlineunternehmen, die mit zeitgemäßen Produkten, Plattformen und Preismodellen experimentieren, wären dabei taugliche Vorbilder. Während das Wallstreet Journal mit fachspezifischen Inhalten Geld einnimmt, bieten USA Today, Burda und seine US-Partner mit Glam oder die WAZ-Gruppe mit Der Westen ihren Abonnenten und anderen Interessenten Plattformen an, die es erlauben, Artikel, Kommentare und Bewertungen zu verwalten und mit anderen Nutzern in Kontakt zu treten. Die New York Times mutiert zum Technologieentwickler, erfindet Inhalte-Aggregatoren und testet sie zusammen mit ihrer Leserschaft. Paid Content funktioniert bei so manchen Film- und Musikportalen. Konkurrenz und zugleich Vorbilder für Medienunternehmen sind nicht nur Projekte aus den eigenen Branchen, sondern auch originär digitale Phänomene wie huffingtonpost.com, iBrattleboro.com, ohmynews.com oder GoogleNews, die Qualitätsinhalte liefern oder Inhalte zu Appetithäppchen bündeln. Auch Gamepublisher und Onlinespiele-Anbieter gehören zu den Wettbewerbern, von denen sich lernen läßt. Ihnen gelingt es mittels eigener Ideen und Ideen aus ihrer Zielgruppe, nicht nur die (zahlende) Zielgruppe selbst, sondern auch Werbekunden oder Sponsoren an sich zu binden.

Inhalteanbieter müssen sich zu den Nutzern vorbewegen. Sie haben die dringende Hausaufgabe auf dem Tisch, ihre Produkte an Onlinetechnologien, Plattformen und Bezahlsysteme anzudocken, sowie Widgets, Apps oder Items zu implementieren. Auch hier ist die Einbeziehung der Nutzer wieder die wichtigste Erfolgsvoraussetzung. Erstens können im Dialog die Bedürfnisse der Nutzer ausgemacht werden, zweitens von ihnen Ideen oder Technologien eingesammelt werden, und drittens richtet sich die Entwicklung von Anfang an auf die Nutzer aus. So kann bei der Definition von Produkten und Preisen optimal auf die Kundenbedürfnisse eingegangen werden, was langfristige Beziehungen aufbauen hilft. Unternehmen sollten Fangemeinden um sich scharen und Kunden nicht mit Gesetzesdrohungen oder Zwangsgebühren verschrecken. Warum den Staat zwischen sich und den Nutzer stellen, wenn man ihn mal eben über das Netz kontaktieren kann?

Einfach wird es für Medienunternehmer nicht, originelle Mixmodelle zu zimmern, mit denen sich aus Content, Kontext und Nutzern größtmöglicher Wert schöpfen lässt. Wer aber an den Zielgruppen vorbei operiert, schaufelt sich sein Grab. Das dürfte bekannt sein, seit der Satz “Der Kunde ist König” jedes Marketingbuch veredelt. Beim Abfassen aller Geschäftspläne muss die Sinnhaftigkeit für die Nutzer federführend sein.

Kultur? Flatrate? Eine 3sat-Diskussion

Das Internet und die Kulturflatrate: Im Buchmesse-“Studio” von 3sat begrüßte Cécile Schortmann am 16.10.2009 vier Gäste, die sich intensiv mit den Vor- und Nachteilen der Idee auseinandersetzen: die Medienökonomin Gisela Schmalz, den Schriftsteller Burkhard Spinnen, den Verleger Günter Berg, Geschäftsführer von Hoffmann und Campe und den Journalisten Wolfgang Michal.

Gespräch Teil 1: hier herunterladen.

Gespräch Teil 2: hier herunterladen.

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Freiheit statt Angst – Demonstration in Berlin

Jede Woche ist das Nadelöhr zwischen Philharmonie und Bundestag, also das Areal Potsdamer Platz in Berlin, mindestens zweimal gesperrt. Am Samstag, dem 12.9.9 ist die Straße wieder zu. Diesmal fährt kein Staatsgast hindurch und auch kein wichtiger deutscher Politiker, sondern Bürgervertreter beanspruchen diesen heiligen, straßengesperrten Ort mit allen Polizeikräften drum herum, die sonst nur Politikern vergönnt sind. Bürgerrechtler aus Deutschland und anderen Ländern sowie Mitglieder von Verbänden und diverser Parteien, darunter von den Grünen, der FDP und der Piratenpartei demonstrieren gegen die Überwachung und Datenspeicherung durch den Staat und Unternehmen. Ihr Motto heißt etwas pathetisch „Freiheit statt Angst“, was für Nichtsahnende vielleicht verwirrend ist.

Von fern am kenntlichsten sind die orangefarbenen Fahnen der Piratenpartei. Das liegt gewiss daran, dass diese auffallend oft schwarz tragenden und (für Parteifunktionäre) auffallend jungen Fahnenschwenker, die sich Privatsphäre und Datenschutz eben auf diese Fahnen geschrieben haben, zuhauf angereist sind.

Piraten GS Berlin 12.9.9

Die Piraten treten für eine weitgehende Freiheit der Bürger und so auch für die Freiheit im Netz an. Zu Recht setzen sie sich gegen den Sicherheitswahn öffentlicher und privater Organisationen ein, welche argumentieren, Daten zu sammeln, um Bürger zu schützen. Doch wovor sollen deutsche Bürger geschützt werden? Vor Kriminalität hört man von (Noch-)Regierungsseite und gibt wertvolle Steuergelder für unsinnige und freiheitsbeschränkende Überwachungstechnologien und –strukturen aus. Macht man das, weil die Amerikaner das mit dem Speichern auch machen? Versucht man, mit ähnlicher Angstmacherei vor Terroristen, anderen Fremden und noch ungeahnten Übeln wie sie die US-Regierung unter Bush betrieb, die Deutschen einzuschüchtern, damit sie ihre Daten von selbst ausliefern? Wieso sollten Bürger, daran interessiert sein, ausspioniert zu werden? Vielleicht sollten Polizei, Geheimdienste, Militär und Politik mal genauer arbeiten und gezielt identifizieren, von wem es sich lohnt, Daten zu haben. Willkürliche, flächendeckende Vorratsdatenspeicherung braucht nicht nur Deutschland nicht.

Kulturflatrate: Thomas Brussig, Monika Griefahn, Sascha Lobo, Hans-Joachim Otto und Gisela Schmalz diskutieren

Der Berliner Autor Thomas Brussig, der sich vor allem mit dem Drehbuch für den Film “Sonnenallee” einen Namen gemacht hat, hat eine Lanze für die derzeit heiß diskutierte Kulturflatrate gebrochen. Allerdings sieht der Schriftsteller in dem Modell weniger ein Mittel zur Legalisierung von Filesharing geschützter Werke. Mit der Einführung der neuen Pauschalgebühr “zahlen wir für ein qualitativ hochwertiges Internet”, sagte Brussig bei einer Podiumsdiskussion am Mittwochabend beim Börsenverein des Deutschen Buchhandels in Berlin. Die ihn weniger überzeugende Alternative sei ein Medium voller Mautstationen, in dem der Nutzer vor fast allen Inhalten zur Kasse gebeten werde….. mehr bei Heise.de

Individuell, gemeinsam, offen (These 15)

Nichts geht in einer YES ECONOMY ohne die Nutzer/Anwender/Konsumenten. Sie bestimmern nicht länger bloß die Konsum- sondern zunehmend auch die Produktions- und Distributionsprozesse. Open Innovation, Mass Customization und Crowdsourcing prägen das WWW von heute und der Zukunft, weshalb Unternehmen/Onlineunternehmen/Onlineanbieter ihre Strukturen mehr und mehr für (onlinekompetente) Nutzer und Pronliner mit eigenen Geschäftsmodellen öffnen müssen. Nutzer und Anbieter werden künftig zu Partnern, wenn sie nicht schon, wie die Pronliner, beides in Userunion sind.

Berlinkaraoke ©gs