Die Macht der Cliquen - Prof. Dr. G. Schmalz bei WDR 5

Cliquenwirtschaft kommt in allen Ländern, Branchen und Einkommensklassen vor. Wer an der Macht ist, weiß oft auch, die richtigen Strippen zu ziehen. Gisela Schmalz hat hinter den Kulissen der Macht geforscht. Darüber spricht sie bei WDR 5 in der Sendung “Neugier genügt” mit Jürgen Wiebicke.

Großorganisationen wie die Mafia und die Bank Goldman Sachs (die etwa zeitgleich entstanden sind), die katholische Kirche und Google organisierten ihre Weltexpansionspläne generalstabsmäßig, in dem sie Freundschaften und Bekanntschaften zu bestimmten Zwecken strategisch ausnutzten.

Die Wirtschaftswissenschaftlern Gisela Schmalz meint, dass die von ihr behandelten Weltorganisationen bewusst auf Cliquen für die Durchsetzung ihrer Weltmachtansprüche setzten - anstatt auf Netzwerke.

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Obwohl Geheimhaltung für den Erfolg der Cliquenwirtschaft in der Vergangenheit ein wesentlicher Erfolgsfaktor war, könnte das in der Zukunft ein Problem für Unternehmen wie z. B. Google werden. Auch wenn Google auf Transparenz setze bleibt Gisela Schmalz skeptisch: “Transparenz wäre bei einer weiter fortgeschrittenen Digitalisierung aber möglicherweise der neue Deckmantel für Macht.” (Redaktion: Gundi Große, WDR 5)

Literaturhinweis: Cliquenwirtschaft - Die Macht der Netzwerke von Gisela Schmalz. Kösel Verlag, München, Oktober 2014. Informationen zum Buch hier.

Cliquenwirtschaft - Frankfurter Buchmesse

Besonders gut arbeitet es sich in übersichtlichen Cliquen Gleichgesinnter – aber abgeschottete Kreise können auch großen Schaden anrichten. “Cliquenwirtschaft” heißt das neue Buch der Kölner Wirtschaftsprofessorin Gisela Schmalz.

Am Stand des Deutschlandradio auf der Frankfurter Buchmesse sagte sie, was das bedeutet und wie Cliquenwirtschaft zum Selbermachen geht: Interview von Georg Ehring mit Gisela Schmalz: “Kleine Gruppe, große Wirkung”

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Wirtschaftsstrategin will europäisches Digitalprojekt

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Den Abschluss der “Google Serie” (8. Teil) des Magazins W&V - Werben & Verkaufen (Ausgabe 27. Juli 2014) bildet das Interview mit Prof. Dr. Gisela Schmalz: “Es ist höchste Zeit für ein europäisches Digitalprojekt” über die Macht von Google Inc., die katholische Kirche, ein konkurrenzfähiges europäisches Digitalprojekt und ihr Buch “Cliquenwirtschaft” (Erscheinungstermin 6. Oktober 2014).

Styria und die Macht internationaler Medienkonzerne - eine TV-Debatte

Internationale Mediengruppen haben die Öffnung der Märkte und die Gunst der marktwirtschaftlichen Stunde genutzt, um in die Medienszene des Donauraums zu investieren. Nicht selten bestimmen seither ökonomische Zwänge das journalistische Leben. Doch wie stark regiert der Markt wirklich? Und was macht eine funktionierende Medienszene aus?

Diesen Fragen widmen sich die Doku “Styria im Lande” sowie eine hochkarätig besetzte Studiodiskussion, die am 8. Februar 2014 in Wien stattfand - unter der Leitung von Radovan Grahovac (Regisseur, Autor) und Vedran Džihić (Politologe).

Zu Gast sind: Gisela Schmalz (Wirtschaftswissenschaftlerin, Journalistin, Autorin) | Irene Neverla (Professorin für Journalistik und Kommunikationswissenschaft, Uni Hamburg) | Ante Gavranović (ehem. Präsident des kroatischen JournalistInnenverbands).

Hier zum Stream (Interview etwa ab der Hälfte): Live-Diskussion - Styria und internationale Medienkonzerne

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(Language) Enrichment

Chrematistics, derived from Greek, χρηματιστική, means the accumulation of money. Thales of Miletus defined chrematistics as the art of getting rich, just to be rich. Aristotle denotes this activity as unnatural, since it would dehumanize anyone who practices it. Aristotle also establishes a difference between chrematistics and economics. According to Aristotle, economics is a natural activity, that involves the production, distribution and consumption of goods.

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Nevertheless, there is such a thing like a necessary chrematistic economy, even for Aristotle. According to the philosopher BC, a chrematistic economy is licit, if the sale of goods is made between producer and buyer directly and at the right price. It would be o.k., if such deals would not generate added value for either of the traders. As soon as the producer purchases for resale to consumers for a higher price, in acting somehow driven by moneymaking, the activity would be illicit. Aristotle states, money must be only a medium of exchange and a measure of value - nothing else - and above all: without added value.

Aristotle bared his thoughts about the role of money, money makers and money fetishists long before society gave birth to the international banking system and to the rest of our economy … .

Hooray chrematistics. R.I.P. Aristotle.

Google´s clandestine offline strategy

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This is the evidence of a new strategy for world dominiation. Found in a little corner shop in Tuy Hòa (see also: Google Maps).

Cheesy Proportions

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Secure Income

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Anonymous - Ethikinstanz des Netzes

Vielleicht gibt es eines Tages so etwas wie eine strapazierfähige Internetethik. Heute fehlen verlässliche Ethikstandards für den Netzgebrauch. Diskutiert wird hier und da, genauer und ungenauer, mit Verweis auf nationale Rechte und ohne, über Themen wie Netiquette, Urheberrechte, Handelsregeln, Datenschutz, Werberichtlinien, Menschen- oder Persönlichkeitsrechte. Doch weder herrscht Einigkeit bezüglich eines Einzelthemas, noch hat jemand ansatzweise die Zusammenhänge zwischen ihnen aufgezeigt. Das verwundert jedoch angesichts der Komplexität des Internets und seiner Möglichkeiten nicht.
Daher hat sich bis dato wenig entwickelt, seit das IAB im Januar 1989 fünf unethische Verhaltensweisen beim Umgang mit dem Netz definiert hat. Man mag diese Hinweise für offensichtlich und für simplifizierend halten. Auch könnte man die geringe Zahl 5 kritisch betrachten, doch bieten diese Verurteilungen immerhin eine Art Referenz, die sich im Notfall schnell aus der Tasche oder aus der Datei ziehen lässt.

Das IAB verurteilt jede Aktion, die absichtlich (characterized as unethical and unacceptable any activity which purposely):

1. Seeks to gain unauthorized access to the resources of the Internet.
2. Disrupts the intended use of the Internet.
3. Wastes resources (people, capacity, computer) through such actions.
4. Destroys the integrity of computer-based information.
5. Compromises the privacy of users.

Dass es bislang kein Unterrichtsfach, kein Forschungsgebiet, kein zusammenhängendes nationales oder internationales Ethik- und Rechtsverständnis und nicht einmal belastbare, allseits bekannte Grundstandards im Umgang mit dem Netz gibt, ist bedauerlich. Womöglich wird es sie nie geben.
Denn wie soll man jedes ethisch aufgeladene Internet-Teilgebiet in eine Disziplin der Internetethik fassen? Soll man einfach irgendwo anfangen und darauf los moralisieren? Soll man gar exekutiv werden und das Wohl der Menschheit aktiv vollstrecken (weil man ja weiß, was „das Wohl der Menschheit“ ist)?
Hemdsärmelig und mit dem nötigen Handwerkszeug ausgestattet, greifen sich Anonymous regelmäßig moralisch fragwürdige Netzaspekte heraus und theoretisieren darüber nicht lange. Sie handeln und promoten ihre Handlungen.

anonymous-op-pedochat
Anonymous Message: #OpPedoChat

Anfang Juli 2012 brachten Anonymous-Hacktivisten die “Operation PedoChat” an den Start. Sie nahmen sich des Themas Pädophilenwebsites an und legten innerhalb weniger Tage offenbar 100 führende Sites mittels DDoS-Attacken lahm. Zudem veröffentlichten sie E-Mail-Adressen und teilweise auch E-Mail-Verkehr von Admins und Besuchern einschlägiger Webangebote bei Pastebin .

Ist das gut oder schlecht? Gegen Operation Darknet wurde Ende 2011 auch nichts gesagt oder getan. Damals, im November 2011 hatte Anonymous etwa 40 kinderpornographische Webangebote sowie um die 1.600 vermeintliche Nutzernamen und deren Twitter-Accounts öffentlich gemacht. Darf man das? Soll man das unterstützen oder wenigstens schneidig finden? Wir wissen es nicht, da es keine verlässlichen Ethikstandards für das Internet gibt.

Facebook - offline

switch-off

Sonntag, 1.7.2012, ca. 18h in der Berliner Ringbahn zwischen „Westend“ und „Westhafen“:

Zwei Mädchen in engen T-Shirts und Miniröcken steigen in die Bahn. Links und rechts der Tür stellen sie sich einander gegenüber. Sie nehmen die Stöpsel aus den Ohren und schauen raus zu den Gleisen.

Hab ich neulich Freundschaftsanfrage bekommen von einer.

Ah, ja?

Hmm.

Von wem?

Weiß nicht.

Wie?

Die Tür geht auf, Leute steigen ein.

Weiß nicht.

Kennst du nicht?

Ne, kenne ich nicht.

Ah.

Frag ich, was willst du, mach die Anfrage weg.

Dann?

Die Tür geht auf, die Mädchen steigen aus.

Schreibt die zurück, mach doch selbst weg.

Ah, ja.

Zucotti Park

the sun is shining
temperatures are low
winter in new york city

clerks, traders, tourists, tramps
the sculpture double check
on the lunch break
on the dole
on the edge
of this stone desert
shiny granite blocks to sit on
shiny blocks to put sandwiches
chinese fast food, backpacks, bags, purses, mobiles on

no flowers yet
just shiny stones
filled with brushwood
greenish scrubs
no plastic cups, no wraps, no left-overs, no rubbish
anywhere

one block from the world phallus center
the old one
the hole one
the holes called memorial pools
the new one called one world phallus center

the one to build up
with safety
in safety
to ensure safety
banking security
with dead certainty
it will reach out for the sky
again

shadowing zucotti park
again
like on 9/11
when debris and ashes
covered the shanks
of this granite island
between broadway, trinity place, cedar street and liberty street

born in 1968
under the name liberty plaza park
of united states steel

reborn in 2006
of brookfield office properties
renamed zucotti park

the properties dropped the liberty
to name drop
to call the park after their chairman john e. zuccotti

the one percent
named and renamed
their private park for public use
their stone desert

radiating
below stones
between stones
only
when it´s sunlit
otherwise it´s dreary
except for two months
long after the name-dropping

in September 2011
people fell upon the park
brought banners, bedrolls
tarps, tents
kitchens
music
peaceful barricades
a library

to stay
for a spring
in fall

arab spring technique
no violence
safety for all participants
promised earlier by an anonymous call

there it was
liberty again
light

bands played
people discussed
embraced
orated
laptops sat on granite blocks
protest buttons were spread out
food for thought
food was served
around
beside
bronze man double check

people
people
people came
unrolled their banners
stretched their bedding
covered the adamant stones
haydayed
hay dated
hydrated

fall became spring
a sit-in
a sleep-in
a wake-up call
to remind the one percent
of them
their fears, pains, wishes, longings and love
their existence

99 percent as one
addressed one
protesting for justice, jobs, equality
against greed, corruption, poverty
environmental devastation

the #ows
called
for a better society
a global change
an ethic of commons
a world that dignifies it´s occupiers

99 percent as one
addressed one
for a change of thinking
for a change of things
for worldwide humanity

they called for more
action
asambleas
on streets, in corners, in backyards, in homes
everyplace

to go against conspiracies
between politicians, police and properties
businessmen and businessmen
to break their shady dealings
peacefully
to build upon the demolition debris
a new society

utopia
maybe
the no place
the impossible according to judith butler

impossible demands
they demanded them
within a spring in fall
on the edge
of this stone desert
once again
called liberty plaza park

within a timeframe
a frame with a prospect
single frames
with unspoiled sights
together
they were true

in october the properties called their buddy
the mayor of new york
together
they uttered
their concerns
about the cleanness of the park
“it has not been cleaned since friday, september 16th, and as a result, sanitary conditions have reached unacceptable levels”

oh, ah, öh

the ows yawned
they sat-in
they slept-in
gave their wake-up calls
as usual
that spring

a girl tied a fresh bandana
around double check´s eyes
the sculpture
cast by a one percenter´s grandson
an uncle of a one percenter´s filmmaker

john s. johnson II ceded his artwork
to merrill lynch
in the eighties
to posh up liberty plaza park

no need for double check
that spring
in fall
the bandana girl knows
no need for control
heteronomy
external schedules

her formula is:
we
her heyday is:
now
her beauty
her blooming

the beauty
the blooming
of the actual liberty park

on november 15th
this beauty was spoiled
this blooming was blight
the nypd wiped the ows out
cleared
cleaned the park

for the tramps, clerks, tourists, traders
the bronze double check
of today

done with liberty
back to john e. again

doesn´t it look arcadian
so spick and span
unshaded
shiny granite blocks
under sunny skies
despite winter
welcoming benign individuals
to stay
temporarily
preferably by daylight

the properties pay
poor people
to clean
their pseudo public park
every weeknight
according to their plans

zuccotti park
to shine
to fake springtime
to wait
for new shadows
to be built
for the debris and ashes
that will follow

if not a secret overlies
this park
a memory that may be future
a dream of indulgence
softness
the softness of banners and bedrolls
of bandanas
the softness of liberty
of summer.

zuccotti-park-double-check-2011-by-gatewaypundit

Declaration

Declaration Flowchart-

Declaration Flowchart-

by Rachel Schragis
to source.

ACTA als Türöffner für einen Multistakeholder-Dialog

Die internationalen Unterhändler nennen ihr geplantes Handelsabkommen in doppelter Negation ACTA: Anti-Counterfeiting Trade Agreement. Die deutsche Übertragung ist noch eindeutiger darin, seine verschwurbelte Ungenauigkeit zu unterstreichen: Anti-Produktpiraterie-Handelsabkommen. Ziel der umstrittenen Rahmenregelung ist die Eindämmung von Urheberrechtsverletzungen und Produktpiraterie auf internationalem Terrain. Nun liegt ACTA, an dem bereits seit dem G8-Gipfel in Sankt Petersburg im Jahr 2006 laboriert wird, vorläufig auf Eis, und da soll es erfrieren.

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Schon TRIPS, der Vorläufer von ACTA, ist fragwürdig. Das “Agreement on Trade-Related Aspects of Intellectual Property Rights”, kurz TRIPS, ist ein internationales Abkommen zu handelsbezogenen Aspekten der Rechte an geistigem Eigentum. TRIPS definiert Minimalanforderungen für nationale Regeln im Bereich von Immaterialgütern wie Rechten, Patenten, Lizenzen oder Rezepturen. Wichtigstes Ziel von TRIPS ist die Gewährleistung internationaler Warenflüsse. Damit die Waren, die rechtmäßig über internationale Grenzen hin und her fließen, jederzeit ungestört fließen können, will TRIPS dafür sorgen, dass individuelle Maßnahmen und Verfahren zur Durchsetzung von Rechten des geistigen Eigentums keine Beschränkungen darstellen. TRIPS wurde gleichzeitig mit der Ablösung von GATT (General Agreement on Tariffs and Trade) durch die WTO (World Trade Organization) am 15. April 1994, gegen Ende der so genannten Uruguay-Runde, beschlossen. Federführend bei der Herbeiführung des TRIPS-Abkommens sind 13 US-amerikanische Konzerne, die der Weltgemeinschaft den Zusammenhang von Freihandel und geistigen Eigentumsrechten einimpften. Die Konzerne, die sich 1994 “Intellectual Property Committee” nannten, waren: Bristol Myers, DuPont, General Electric, General Motors, Hewlett Packard, IBM, Johnson and Johnson, Merck & Co., Inc., Monsanto, Pfizer, Rockwell International und Time-Warner. Welches dieser Unternehmen interessiert sich nicht für die Durchsetzung und den Schutz der eigenen Patente? Konzertiert und proaktiv und sorgten diese Konzerne mit höchst unterschiedlichen Geschäftsmodellen dafür, dass die Einkünfte aus ihren Rechten sicher in die eigenen Taschen flossen.

Nun will also eine ähnliche Liga ACTA (Anti-Counterfeiting Trade Agreement) durchsetzen. Wie TRIPS soll ACTA zu einem multilateralen und völkerrechtlich verbindlichen Handelsabkommen werden. Unterschreibende Nationen und Staatenbünde wollen via ACTA internationale Standards einführen, die es ihnen ermöglichen gegen Produktpiraterie und gegen Urheberrechtsverletzungen vorzugehen. ACTA ist vage gehalten, damit die einzelnen Unterzeichnerstaaten ihre eigenen Schlüsse daraus ziehen. Sie können also mehr oder weniger drakonische Regeln daraus ableiten. Möglich wäre es für Deutschland zum Beispiel deutsche, musikstreamende Privatpersonen strafverfolgen zu lassen.

Die vorläufige und wahrscheinlich langfristige Abschmetterung von ACTA ist ein Sieg der Internetaktivisten und intelligenter Analysten weltweit. Sie ist ein Sieg, weil hierbei der gesunde Menschenverstand den ungesunden Politikverstand korrigiert. Folgende zwei Hauptargumente sprechen für die ACTA-Gegner und die Schredderung von ACTA in der jetzigen Form.

a) ACTA behandelt Rechte aller Art unterschiedslos, oberflächlich und vernebelnd. Die ACTA-Gegner kritisieren das Offensichtliche, dass innerhalb des ACTA-Textes Äpfel, Birnen und noch mehr zusammen geschmissen werden. ACTA wirft Patente, Lizenzen, Rezepturen und Urheberrechte oder kommerzelle und nicht-kommerzielle Verwertungsweisen von Rechten in eine politische Suppe, die die Einzelstaaten verfeinern sollen, damit die Bevölkerung sie dann auslöffelt. ACTA umfasst Produktfälschungen und digitale Rechtsverletzungen ohne auf die unterschiedlichen Voraussetzungen und Usancen in der physischen und digitalen Welt und innerhalb der Welten einzugehen.
Es mag sein, dass Patentdiebe und einzelne illegale Plattformbetreiber durch ACTA zur Rechenschaft gezogen werden können. Doch insbesondere das ACTA-Kapitel, das digitale Copyrights betrifft, ignoriert die organisch entwickelte und sich entwickelnde, weitgehend sich selbst regulierende Netzkultur, wozu die Kultur des Teilens zählt. Dass im Netz neue ökonomische Bedingungen geschaffen wurden, die neuartige Copyright-Regeln verlangen, wird von der politischen Altherrenriege aus Unwissenheit und von den die Politiker flankierenden Konzernvertretern (Lobbyisten) bewusst ignoriert, weil hier überkommene Regeln in eine neue, digitale Umgebung herüber gerettet werden sollen.
Die Onlinegemeinde sieht in ACTA einen Türöffner zu weltweit abgekarteter Internetzensur und eine Innovationsbremse. Auch die Beschränkung der Verbreitung bestimmter Patente, die geeignet sind, Saatgut und Arzneien insbesondere an ärmere Länder weiterzugeben, wird von Anti-ACTA-Aktivisten scharf kritisiert. Man könnte ACTA im derzeitigen Zustand auch übersetzen mit “All Copyright Issues Treated As One (dt. Alle Rechte sind im Grunde ein und dasselbe)”.

b) Die Königs- und Rahmenkritik an ACTA ist die, dass ACTA, ähnlich wie TRIPS, hinter verschlossenen Türen auf den Weg gesetzt wurde. Ein Gesetz, das Politiker und Konzernvertreter an Bürgern vorbei verabschieden will, die vom Thema mehr verstehen, ist nicht ungeschickt, sondern dumm. An den Gepflogenheiten von Bürgern und Usern vorbei zu regulieren, negiert Realitäten, die sich längst (z. B. im Netz) manifestiert haben. Endlich haben Regeln, die Bürger ignorieren, (wiederum dank des Netzes), keine Chance mehr, ernst genommen zu werden und organisieren Bürger (dank des Netzes) schlagkräftigen, internationalen Widerstand.

Das Einfrieren des ACTA-Abkommens ist ein Sieg der Demokratie auf internationaler Ebene. Der Sieg der Aktivisten zeigt einmal mehr, dass internationale Abkommen und insbesondere Abkommen zu Digitalthemen auf Multistakeholder-Ebene erfolgen müssen, wenn ihre mühsamen und kostenintensiven Vorarbeiten und Konferenzen keine ergebnislose Ressourcenverschleuderungsveranstaltung sein sollen. Internet- und Urheberrechtsregeln betreffen Menschen weltweit. Also muss der Dialog darüber international erfolgen und die drei betroffenen Gruppen: Regierungen, Wirtschaft und Zivilgesellschaft (i. d. R. vertreten durch Nichtregierungsorganisationen) an einen Tisch bringen. Ein Multistakeholder-Dialog ist der einzige Weg, um der Komplexität von Wirtschaftspolitik genügend komplex und zielführend zu begegnen.

Die ACTA-Kontroverse könnte diesen notwendigen Multistakeholder-Dialog anstoßen. ACTA ist zwar nicht der leichteste Anfang, um ein neues Demokratieverfahren zu testen, aber ein inhaltlich und formal langfristig lohnender.

“Amerika ist wunderbar”* ** - apathetic

The sun is shining and temperatures are low - springtime in New York City this February, but no Occupy Wall Streeters in Zuccotti Park.

Zuccotti Park February 2012

Zuccotti Park February 2012

Same day, same weather around Wall Street and no busy traders on their mobile phones either.

Next to Wallstreet February 2012

Next to Wallstreet February 2012

Quitetude, because Wall Street is closed in preparation for it´s more or less private Super Bowl 2012.

Wallstreet / corner February 2012

Wallstreet / corner February 2012

An old legend knows that if an AFC team wins, markets will decline. That is why Wall Street wanted the New England Patriots to lose Super Bowl. On Super Ball Day, Febr. 5th, The Patriots lost and the New York Giants won.

Is that a good or a bad sign for all the Off-Wallstreeters worldwide? Do people care? Who cares who runs for President for the Conservatives during the election 2012? Who cares that President Barack Obama is running for a second and final term? Who cares who wins the United States presidential election this year? Some Americans whisper, they wanted a second party, cause up to now there was only one, the election game´s winner and loser party with President C or D.

Where is the alternative? Not in Zuccotti Park, not this February.

* Soundtrack
** Lyrics

Platon - Ideengeber für das Internet

Platon entfaltet in seinem Werk „Politeia“ (entstanden um 347 v. Chr.) das Konzept von der „öffentlichen Sache“. Politeia (Πολιτεία) heißt auf Deutsch auch „Staat“ und auf Lateinisch “res publica”. Die Ideenlehre Platons und seine „Politeia“ könnten wieder als Modell für aktuelle Staatsgebilde, sowie neu für Internetstrukturen und für politische Plattformen wie respublica.org herangezogen werden. Wie das aussehen könnte und was Aristoteles davon gehalten hätte, wird hier kurz skizziert.

Platons Ideen

Höchste Idee und somit Bedingung für alle anderen Ideen ist für Platon die Idee des Guten (agathón). Sie ist als höchste Idee auch Voraussetzung für die Vernunft und für die Tugend Gerechtigkeit (dikaiosýnē). Die Idee des Guten ermöglicht vernünftiges Wirken, das Gerechtigkeit hervorbringt. In einem gerechten Staatsgebilde zeigt sich die Rückbindung an die Idee des Guten. Da Platon leider kein reales Vorbild für eine gerechte Staatsform fand, beschrieb er in seinem Werk „Politeia“ (entstanden um 347 v. Chr.) seine Idee vom gerechten Staat. Platons Idealstaat taugt zwar nicht als Blaupause für aktuelle Staatsgebilde und auch nicht zur Modellierung einer Internetökologie oder -ökonomie. Doch finden sich in der „Politeia“ Aspekte, die an Phänomene des derzeitigen Internets erinnern, etwa die Argumentation gegen Privateigentum. In Platons Idealstaat sind Personen, Güter und Wohnungen Gemeingüter. Sie gehören allen Staatsbewohnern. In diesem Essay wird Platon als Inspirator für eine Netzökonomie präsentiert.

Der großgeschriebene Staat

In seinem Hauptwerk „Politeia“ (gr. Πολιτεία, lat. res publica, dt. Staat) entwirft Platon eine Idee und keine Utopie des Staates. Platon setzt bei der Frage des Sokrates nach dem Wesen der Gerechtigkeit an. Sokrates stellt die sophistische These auf, das Gerechte sei dasselbe wie das dem Stärkeren Nützliche. Als Reaktion darauf konzipiert Platon seine Idee des Staates. Diese Idealvorstellung weicht von faktischen Staatsformen ab, Platons Idealstaat ist vollkommen und gut. Er ist der platonischen Idee des Guten unterworfen, welche die Bedingung für die Vernunft, das rationale Denken und Handeln, darstellt. Der Staat ist gut, wenn er die Tugenden Weisheit, Tapferkeit und Besonnenheit vereint. Nur in dieser Vereinigung, die nur die Vernunft herstellen kann, ist der (ideale) Staat gut.
Der gute Staat basiert auf der Arbeitsteilung, die sich aus den natürlichen Anlagen der Menschen zu verschiedenen Tätigkeiten ergibt und durch Vertrag. Die Philosophenkönige, die die Idee des Guten gesehen haben und daher vernünftig handeln können, entscheiden, zu welchem Stand ein Junge oder Mädchen gehören wird. So entstehen drei Stände, der Stand der Regierenden (Philosophen), der Stand der Krieger (Wächter) und der Stand der Bauern und Handwerker. Der Staat ist weise durch die Weisheit (Vernunft) der Regierenden. Tapfer ist er dank der tapferen (mutigen) Wächter. Besonnen (gemäßigt oder genügsam) ist der Staat durch den Bauern- und Handwerkerstand.

plato-neues-museum-© gsc-3-111

Gerechtigkeit, so Platon, besteht nun darin, dass jeder das Seine und jede das Ihre tut, die Regenten also weise, die Wächter tapfer und die Bauern und Handwerker besonnen sind. Nicht alle Menschen erhalten die gleiche Erziehung. Bauern und Handwerker usw. bekommen nur eine Grundausbildung, Wächter und ihre Frauen werden länger ausgebildet, nicht jedoch so lange wie die Regierenden und ihre Frauen. Mittels der Vernunft des rationalen Seelenteils der Regierenden (Philosophen) lässt sich eine Vereinigung der drei Stände im Staat herstellen. Daher regieren die vernunftgeleiteten Philosophen. Die noch fehlende Tugend, die Gerechtigkeit, um die es in der Frage des Sokrates geht, besteht nun nach Platon darin, dass jede/r gemäß seiner/ihrer Anlagen und seines/ihres Standes, den Aufgaben nachgeht, die ihm/ihr eigen sind, und nicht etwa in unpassende Stellen drängt. Andernfalls widerfahre dem Staat Unheil in Form von Ungerechtigkeit.

Der kleingeschriebene Staat

Die Ausbildung der Männer und Frauen ist von Unterrichtungen in Musik und in Gymnastik geprägt. Ziel ist es, in allen Menschen eine innere Harmonie auszubilden. Platon bezeichnet den großgeschriebenen Menschen auch als kleingeschriebenen Staat, da die drei Seelenvermögen des Menschen den drei Tugenden der Stände entsprechen. So wie die Stände im Staat müssen die Seelenteile des Menschen in Harmonie zueinander stehen. Die Seelenteile des Menschen sind das Vernünftige, das Muthafte (Emotionale) und das Begehrliche. Der vernünftige Seelenteil lenkt die anderen Teile. Im Idealfall kommt der Vernunft (Weisheit) die Regentschaft über das Emotionale und das Begehrliche zu. Nur dann herrscht im Individuum Gerechtigkeit.
Bei Disharmonie der Seelenanteile kommt es zu inneren Konflikten, vergleichbar einer Empörung oder einer zerstörenden Krankheit. So wie es im Menschen zu innerer Ungerechtigkeit kommt, sobald die Vernunft (Weisheit) die übrigen Teile nicht mehr vereinigen kann, entsteht im Staat Ungerechtigkeit, sobald ein Stand die Überhand über den vernunftbegabten Stand der Regierenden (Philosophen) gewinnt.

In der „Politeia“ (VIII, 543 a-576 b) setzt Platon sich auch mit der Lehre von den faktischen Verfassungen und Ursachen auseinander. Sich wandelnde, reale Staaten tendieren nach Platon zur Entartung. Schlechte, ungerechte Staatsformen stehen im Kontrast zum gerechten und guten (Ideal-)Staat. Als beste, vorgefundene Staatsform gilt Platon die Monarchie (auch Aristokratie). Verfallsformen des Staates sieht Platon in der Timokratie, der Oligarchie, der Demokratie und der Tyrannis. Diese entarteten Staatsformen spiegeln jeweils bestimmte, nicht zur Einheit kommende Seelenverfassungen.

Ökonomie ohne Privateigentum

Laut Platon ist der Staat zur Erreichung des höheren Ziels der Gerechtigkeit da. Der Staat entsteht zum Zweck der Arbeitsteilung, da kein Mensch sich selbst genügen oder versorgen kann. Den platonischen Idealstaat prägen daher Arbeitsteilung und Spezialisierung, wodurch wirtschaftliche Effizienz erreicht wird. Privateigentum ist für Platon -kontraeffizient- und in seinem Staatsentwurf nicht vorgesehen. So wenig wie Menschen Güter eignen, gehören Frauen und Kinder jemandem. Im platonischen Idealstaat kennen Kinder ihre Eltern nicht, und Frauen haben keine fest zugehörigen Männer. Kinder und Frauen gehören Kriegern und Regierenden gemeinsam. Es gibt keine festen Bindungen. Für alle wird gesorgt, allen Mädchen und Jungen wird die in Grundzügen gleiche musische Ausbildung zuerkannt. Menschen und die Güter, die sie herstellen, gehören der Allgemeinheit. Auch Wohnraum ist in Platons Idealstaat allen zugänglich. Selbst die Wohnungen der Regierenden sind öffentlicher Raum. Jede Art Vermögen ist Gemeingut des Staates.

Idealstaat Internet?

Vergleiche zwischen Platons Idealstaat und der kommunistischen Staatsform sind oft gezogen worden. Doch in keinem kommunistischen System gingen Regierende bisher so weit, auf ihre Vorrechte und auf Besitz zu verzichten, wie Platon es gefallen würde, im Gegenteil. Daraus kann man ableiten, dass Platons Staatsmodell mit faktischen kommunistischen Staaten nicht und überhaupt (noch) nie vollständig verwirklicht wurde. Sollte man überhaupt, und gibt es überhaupt eine Chance, Platons Idealstaat in der Realität abzubilden? Wie sieht es mit der Umsetzung von Platons Staatsmodell im Netz aus? Ist das Internet oder sind Onlineunternehmen wie Google, Facebook, Twitter oder Saugstuben, deren Netzhandlungen (um nicht hier schon „Netzhandel“ zu sagen) sich um digitalen Güterverkehr ranken, bereits Vorstufen der (Im)materialisierung von Platons „Politeia“?

Onlineunternehmer (Regierende) machen den Nutzern (Menschen aller Stände) über ihre Plattformen (große Wohnungen) Content und User Generated Content (Güter) sowie Nutzerprofile (kleine Wohnungen) -quasigratis- zugänglich. Nur anscheinend beschenken sie die User. Gehören digitale Daten allen? Vollzieht sich die Umverteilung von Daten oder von digitalem Content nach Platons Vorstellung von Gerechtigkeit? Keineswegs. Die Regierenden im Netz, zuständig für die Umverteilung, sind alles andere als platonische Philosophen. Lenker der Onlinekonzerne und der zugehörigen Plattformen sind keine vernünftigen und gerechten Regierenden im Sinne Platons. Nanosekündlich produzieren sie Ungerechtigkeiten zwischen den Ständen. Sie erheben sich über die Wächter- und Handwerkerstände, indem sich unter dem Schleier der Offenheits- und Gratiskultur deren Daten bedienen, um mit ihnen Handel zu treiben. Das ganz unplatonische Ziel der Onlinekonzerne ist es, über den Handel mit Fremddaten Eigentum anzuhäufen.
Anders als im Idealstaat existieren im Netz Eigentumsverhältnisse. Auch wenn nicht alle Vertreter aller Stände Eigentum beanspruchen und viele User Daten zum freien Gebrauch ins Netz stellen, so profitieren vielleicht nicht sie, jedoch die Netzregenten ökonomisch von deren Nichtbeanspruchung. Was den denen einen Allgemeingüter sind, verwandeln andere in Wirtschaftsgüter und ziehen aus der Diskrepanz in der Definition wirtschaftlichen Nutzen. Aus unterschiedlichen Definitionen und Handlungsarten entstehen im Netz Marktverzerrungen und Rechtsunsicherheiten. Diese würde Platon als Krankheitssymptome oder Signale der Ungerechtigkeit diagnostizieren. Platon würde das Netz und Netzwerke als entartete Staaten bezeichnen. Disharmonien im Zusammenspiel der Onlinestände verhindern, dass im Gesamtgebilde Internet oder bei bestimmten Internetplattformen platonische Gerechtigkeit entsteht.

Es ist nicht verwunderlich, dass weder der Kommunismus, noch das Internet gerechte Idealstaaten verkörpern. Die Herausforderungen sind groß. Für seine „Politeia“ muss Platon eben auch allzu radikale Grundannahmen treffen. Zum einen nimmt er an, es gebe eine höchste Idee des Guten und zum anderen, dass alle Menschen dieser und den daraus abgeleiteten Ideen, auch der Idee der Gerechtigkeit, verpflichtet seien. Eine weitere, implizite Annahme Platons lautet: Alle oder keiner. Seine Ideenleere funktioniert nur, wenn ihr alle Folge leisten. Doch wie im Netz zu beobachten, gibt es unterschiedliche Ansichten in Bezug auf Definitionen von und die Umgangsweisen mit digitalen Gütern. Durch solche Disharmonien ergeben sich notwendigerweise wirtschaftliche Ineffizienzen sowie Ungerechtigkeiten.

Zur Fixierung des Alle- oder Keiner-Modells bedarf das Platonische System einer ordnenden Einheit. Platon nennt sie Vernunft und rechnet sie (ausgerechnet) dem Stand der Regierenden zu. Doch offensichtlich kann ja schon der kleine Staat, der Mensch, also auch der regierende, der philosophische Mensch, seine drei Seelenteile, nicht harmonisch zusammenbringen. Wie kann Platon da von den regierenden Philosophen verlangen, dass diese die Stände, alle Teile des Staates, unter einen Hut kriegt? Die beobachtbare, menschliche Unvernunft, auch die der Regierenden im Netz, verhindert die Evolution eines platonischen Idealstaats. Wohl niemals werden die Teile des Internet harmonisch zueinander angeordnet sein. Die Seelenteile der User sind es ja auch nicht.

Platons Entwurf in der „Politeia“ scheitert am Menschlichen im Menschen, seiner Unvernunft. Deshalb ist Platons Staat ja auch eine Idee. Platon hat nie behauptet, der Idealstaat sei beobachtbare Realität. Er weiß auch, dass die von ihm favorisierte Staatsform der Aristokratie, nicht gerecht und nicht ideal ist. Platon geht es in der „Politeia“ in erster Linie darum, Sokrates zu zeigen, was Gerechtigkeit ist. Darüber mit Platon nachzudenken, kann auch Staatlenkern, Internetregulatoren, -unternehmern und –nutzern nicht schaden. Platons Denken erfrischt.
Doch um das Funktionieren von Platons Gedankenarchitektur zu widerlegen, hätte man gar nicht bis zum Kommunismus oder zum Internet abschweifen müssen. Schon ein paar Jahre nach Erscheinen von Platons „Politeia“ machte sich Aristoteles daran, die Gedanken seines Lehrers philosophisch zu widerlegen. Seine Kritik an Platon bekräftigten viele, spätere Kollegen des Aristoteles, darunter Thomas von Aquin.

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Aristoteles versus Platon

Aristoteles richtet sich mit seinem Werk „Politica“ (gr. Πολιτικά, dt. die politischen Dinge; entstanden im 4. Jh. vor Chr.) gegen das Wirtschaftsmodell seines Lehrers Platon. Aristoteles geht in „Politica“ bekanntermaßen vom Menschen als Zoon politicon (ζῷον πολιτικόν) aus. Nach Aristoteles gehört es zur Natur des Menschen, in Gemeinschaft zu leben. Nur im Staat kann der Mensch das gute Leben verwirklichen. Allerdings sieht er für das gute Leben in Gemeinschaften Über- und Unterordnungsverhältnisse vor. Er schreibt: „Wo immer Eines aus Mehreren zusammengesetzt ist und ein Gemeinsames entsteht, da zeigt sich ein Herrschendes und ein Beherrschtes, und zwar findet sich dies bei den beseelten Lebewesen aufgrund ihrer gesamten Natur“ (Pol. 1254 a 29-32). Im Staat des Aristoteles sind Frauen, Kinder und Sklaven den Herren unterworfen. Für Frauen sei es besser, von Männern beherrscht zu werden, weil ihre Urteilskraft schwächer als die männliche sei (Pol. I 5, 1254b10-15; I 13, 1259a12). Außerdem geht Aristoteles von der natürlichen Existenz von Sklaven aus.

Aristoteles postuliert zudem das Privateigentum als legitimen und festen Bestandteil des praktischen Lebens: „Zwei Dinge erwecken vor allem die Fürsorge und die Liebe des Menschen: Das Eigene und das Geschützte.“ (Pol. 1262 b 22-23) Für Privateigentum spricht, so Aristoteles, dass der Einzelne sich mehr um die Güter sorge als es die Gemeinschaft tun würde. (Pol. 1262 b 3) Mit dem Konzept des Eigentums gehen bei Aristoteles auch Rechtsansprüche an das Eigentum einher. (Pol 1263 a 15-16) In rechtem Maße dürfe jeder sein Eigentum genießen: „Es gehört auch zum Großartigen, sein Haus entsprechend seinem Reichtum einzurichten (denn auch dieser ist eine Zier) und vor allem für dauerhafte Werke Aufwendungen zu machen (denn diese sind die schönsten) und in allem das Angemessene zu beachten.“ (Nikomachische Ethik IV, 1123 a 6-10) Aristoteles sieht in einer angemessenen Besitzverteilung also eine wichtige Grundlage für eine den Anlagen des Menschen angemessene Staatsform.

Im Unterschied zum Idealisten Platon geht Aristoteles empirisch oder induktiv vor. So werden Platons Staatsideen von Aristoteles, und von der Realität sowieso (Kommunismus, Internet), überrollt. Doch muss auch Aristoteles bestimmte philosophische Annahmen treffen, damit seine Theorie aufgehen kann. Beispielsweise setzt er das (zu seiner Zeit) Beobachtete, etwa die Sklavenhaltung, dem Natürlichen gleich, um daraus Thesen abzuleiten.

Dinge beobachten und Thesen aufstellen, können wir auch. Daher ist die platonische Ideenlehre zum Zweck der Frage nach Internetregeln oder sozialen Normen im Netz die theoretisch interessantere und obendrein nutzenversprechendere. Die Inspiration, die Platons „Politeia“ liefert, liegt in der Verpflichtung der Mitglieder einer Staats- oder Onlinegemeinschaft auf eine gemeinsame Idee des Guten, folglich einer Vorstellung des Vernünftigen und des Gerechten. Diese geteilten Konzepte könnten sich als geschriebene oder ungeschriebene soziale Norm(en) manifestieren. Wollte man daraus konkrete Regeln ableiten, böte sich nach dem Modell Platons eine Regelhierarchie an. Aus der Idee des Guten ließen sich, analog zur Ableitung von Unternehmenszielen aus Mission Statements, (netz-)gesellschaftliche Wertsätze, Bestimmungen und Ziele deduzieren. Diese würden unterhalb der Idee des Guten in eine Ordnung gebracht und in ein Regelsystem überführt werden können. Als höchster, gemeinsamer Nenner würde die Idee des Guten das Denken, Definieren und Handeln innerhalb einer Gemeinschaft überstrahlen. Die Umsetzung der Idee des Guten und der Tugend des Gerechten würde nicht einer Kleingruppe von vermeintlich vernünftig Regierenden (1%) überlassen. Alle Stände (1% + 99%) würden die Idee des Guten verfolgen. Sie diente allen als mahnendes, gleichwohl glänzendes Ziel.

Literatur

Platon: Sämtliche Dialoge, übersetzt von Otto Apelt, Leipzig 1916–1937 (1.–3. Auflage), unveränderter Nachdruck in sieben Bänden: Felix Meiner Verlag, Hamburg 2004.

Aristoteles: Politik. Band 9 der Werke in dt. Übersetzung, Hg. Hellmut Flashar, Akademie Verlag, Berlin ab 1991.

TExt gespiegelt hier: http://blog.respublica.org/?p=271

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Alternative Websites

Gastbeitrag von Désirée Bolten:

Ich habe das Buch „No Economy“ von Gisela Schmalz gelesen und bin dabei auf viele alternative Seiten aufmerksam geworden, die Sie hin und wieder in Ihrem Buch erwähnt haben. Als junger und Internet affiner Mensch kannte ich die meisten Websites gar nicht, von vielen hatte ich noch nie gehört. Und hier liegt das Problem. Wenn man wirklich etwas gegen ein Informationsmonopol wie Google oder Apple unternehmen möchte, muss man in meinen Augen genau zwei Dinge tun.

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1. Die Verbraucher aufklären.

Was kann man mit seinem eigenen Userverhalten beeinflussen? Welche Dinge sollte man unbedingt vermeiden? Welche Spuren hinterlasse ich im Web und vor allem: Will ich diese Daten wirklich hinterlassen? Wenn mich jemand auf der Straße fragt, welche Websites ich gestern aufgerufen  und wo ich mich am Tag zuvor abends aufgehalten habe, gebe ich diesem Fremden mit Sicherheit keine Auskünfte. Im Web sind die meisten Menschen irgendwie sehr viel freizügiger, warum? Liegt es an der Anonymität des Mediums als solches?

Leider ist genau das passiert, was Gisela Schmalz in Ihrem Buch beschrieben hat- Monopole beherrschen die (einstig?) vielseitige Weblandschaft. Jetzt sind die User gefragt, durch Ihr Verhalten und boykottieren bestimmter Seiten können Sie die werbefinanzierte Wirtschaft (nennen wir es mal so) ändern. Warum wird den Big Playern im Netz so viel Vertrauen geschenkt, dass man sie unsere Informationen steuern, selektieren und existieren lässt? Gab es nicht mal was von Meinungsvielfalt? Genau die sollte doch durch das Internet gefördert werden, aber ist das wirklich so? Wie viele Seiten mit interessanten Informationen existieren denn außerhalb der Google-Welt? Wie viele Seiten werden gar nicht erst auf Google veröffentlicht? Warum nicht? Wer entscheidet das? Warum werden wir nicht gefragt? usw.

2. Verbraucher anregen

Es wird nicht pro aktiv sein, stets den Zeigefinger zu erheben und zu klagen, wie naiv und gedankenlos sich manche User und Marktteilnehmer verhalten. Deshalb kam mir die Idee einfach mal die andere Seite zu beleuchten: Die Seiten im Internet, die qualitativ mit den Monopolisten auf Augenhöhe sind. Quasi ein leichter Schups in eine andere Richtung. Einfach mal ausprobieren. Ich selbst war positiv überrascht und hoffe, dass diese kleine Aufstellung von Alternativ-Sites weiter geführt wird und künftig ein vielfältiges Portfolio reflektieren.

  • Metager ² , http://metager2.de/index.php  (Metasuchmaschine, Weiterentwicklung von Metager), Finanzierung über Spenden des SUMA e.V.- Verein für freien Wissenszugang
  • Yacy, Dezentrale Websuche,  Finanzierung über Sponsoren
  • Scroogle, Finanzierung über Spenden http://www.scroogle.org/donatesc.html
  • Startpage, “Die diskreteste Suchmaschine der Welt”, empowerd by Google, aber schütze die Privatsphäre.
  • Wolframalpha, keine Suchmaschine im klassischen Sinne, sondern eine „Antwort Maschine“, der man auch komplexere Fragen stellen kann, jedenfalls in englischer Sprache.
  • Genious, Online-Wirtschaftsinformationen, Tochterunternehmen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und der Verlagsgruppe Handelsblatt. Finanzierung über kostenpflichtige Inhalte http://www.genios.de/preise
  • Dict.cc, Finanzierung über Werbung aber: Jeder User, der selbst Übersetzungen bearbeitet oder erstellt, erhält  Punkte. Ab 10 Punkte kann die Seite werbefrei genutzt werden
  • Beolingus, Sprachsuchmaschine für Englisch, Spanisch, Deutsch und Portugiesisch. Online-Wörterbuch der Technischen Universität Chemnitz. Finanzierung über Spenden und Sponsoren


Suchmaschinen und Enzyklopädien

•    http://www.metacrawler.com/ (Metasuchmaschine)
•    http://www.eric.ed.gov/
•    http://vivisimo.com/
•    http://search.yippy.com/
•    http://www.quintura.com/
•    http://www.wdl.org/en/

•    Digitale Bibliothek: http://eol.org/
•    Enzyklopädie: http://www.kidsclick.org/

Gaga´s Pop-Politik

Lady Gaga, von ihren Eltern einst Stefani Joanne Angelina Germanotta und heute von manchen Fans Mama Monster genannt, ist eine Künstlern mit politischer Haltung und Schlagkraft. Ihre Stimme reicht so weit, dass normale Leute weltweit hinhören, nicht nur wenn sie singt. Die Lady hat auch das Potential, ein politsches Gewissen zu prägen und ihre Fans zum Handeln anzuregen.

Bei einem Konzert in Las Vegas am 24. September 2011 verkündete sie: “We lost a Little Monster this week.” Daraufhin widmete sie ihren Song „Hair“ dem 14-jährigen Jamey Rodemeyer, der in der Woche zuvor tot vor dem Haus seiner Eltern in Buffalo, N.Y. gefunden wurde. Jamey hatte sich nach einer langen Leidensphase das Leben genommen. Seine Mitschüler hatten nicht aufgehört, ihn on- und offline wegen seiner Bisexualität zu hänseln. Jamey widmete seine letzten Facebook-Postings dem Popstar Lady Gaga. Einmal zitierte er aus dem Gaga-Song „The Queen“: “Don’t forget me when I come crying to heaven’s door.” Und sein allerletztes Blogposting enthielt einen Dank an Mama Monster.

„Hair“ sei ein Song über Befreiung, so Gaga in Las Vegas. Bevor sie in Erinnerung an Jamey Rodemeyer “Hair” anstimmte, erklärte sie dem Publikum: “I wrote this record about how your identity is really all you’ve got when you’re in school … so tonight, Jamey, I know you’re up there looking at us, and you’re not a victim. You’re a lesson to all of us. I know it’s a bit of a downer, but sometimes the right thing is more important than the music.”

Gaga plant nun offenbar, US-Präsident Barack Obama zu treffen und mit ihm über Mobbing zu sprechen. Das Thema Mobbing ist nicht das erste, zum dem die 24-Jährige Künstlerin aus New York, Stellung bezieht. Im Jahr zuvor, im September 2010, hielt die Künstlerin in Portland, Maine, eine Rede mit dem Titel „The Prime Rib of America“. Darin unterstützte sie die geplante Aufhebung der 17 Jahre alten Don’t Ask, Don’t Tell-Regel des US-Militärs.

Laut der Regel dürfen Homo- und Bisexuelle nur solange beim Militär dienen, wie sie ihre sexuellen Vorlieben verschweigen und unterdrücken. “Equality is the prime rib of America, but because I am gay, I don’t get to enjoy the greatest cut of meat my country has to offer,” entschlüsselte Gaga die eigenartige Überschrift ihrer Ansprache.

Auf Prime Ribs bezog sich auch das Gaga-Outfit bei den MTV Video Music Awards im letzten Jahr. Sie trat im berühmten Kleid aus Steaks auf. Eskortiert wurde sie damals von ehemaligen schwulen Offizieren.

lady gaga´s meat dress

Für ihren Besuch in der Show der öffentlich als Lesbe lebenden Ellen DeGeneres schlüpfte Lady Gaga erneut in ihr Fleischkleid, um nochmals gegen Don’t Ask, Don’t Tell zu rebellieren. Eine weitere politische Aktion startete die 25-Jährige Sängerin mit italienischen Vorfahren und dünner Gesangsstimme gegen die schwulenfeindliche Westboro Baptist Church in Kansas. Über diese Vereinigung urteilte Mama Monster: „Their message is of hatred and divisiveness, but inside at the Monsterball we preach love and unity.” Außerdem trat Lady Gaga gegen das Verbot der Homosexuellen-Ehe in Kalifornien und gegen die strikten Immigrationsgesetze in Arizona ein.

Die Lady mit mehr Facebookfans als Barack Obama ist ein politisches Schwergewicht. Sie erreicht über ihre Musik, ihre Konzerte, TV-Shows und mit ihren Facebook- und Twitter-Postings nicht nur eine junge, amerikanische Zielgruppe. Laut dem Forbes Magazine ist die kleine New Yorker Lady eine der machtvollsten und einflussreichsten Menschen der Welt. Auf der aktuellen Forbes-Liste der mächtigsten Frauen der Welt rangiert sie auf Platz 11.

Auch andere singende Persönlichkeiten, etwa Bob Geldorf mit seiner Band-Aid oder Bono warben für politische oder soziale Ziele. Die erste, die Soziale Medien effektiv einsetzt und PR-Profis und Politikern zeigt, wie politische Aktivierung im Netz funktioniert, ist Lady Gaga. Sie versteht nicht nur die Kunst der Inszenierung, sondern auch, wie man kunstvoll Agenda Setting über mediale und virale Kampagnen betreibt.

Lady Gaga vereint beide Künste mit leichter Hand. Der gefeierte Popstar macht Politik und erreicht mit seinen Aktionen auch Menschen, die nicht zu Gagas kleinen Monstern zählen. Lady Gaga fällt allen auf, durch ihre Stylings und ihre Reden, von denen glücklicherweise auch offlinige, deutsche und internationale Provinzmedien berichten. Man muss Gagas Singstimme nicht mögen, um ihre politische Stimme zu schätzen. Für viele klingt sie gewiss viel schöner als altväterliche Stimmen von Politikern.

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Dieser Text ist “ausgeliehen” vom Blog Respublica.org.

Die Piraten – eine Verlaufsform

Ein Mädchen dreht sich zu ihren beiden Freunden und erklärt: „Also ich habe die Piraten gewählt.“ „Hast du, ach so.“ „Und wisst ihr was mein Vater eben am Abendessenstisch gesagt hat, ich erzähle so, dass ich die Piraten gewählt habe, da sagt mein Vater, ich auch.“ „Krass.“ Der Dialog fand am Sonntag, dem 18.9.2011, in der Nacht nach den Abgeordnetenhauswahlen in der Berliner U2 statt. Abgesehen von dem Nebensatz über den Vater gaben an dem Tag wohl viele junge Menschen über ganz Berlin verteilt ähnliche Bekenntnisse ab.

Immerhin haben 8,9% der Berliner Wähler die Piratenpartei gewählt. An zwei Wahlstellen im Berliner Bezirk Friedrichshain wählten sogar um die 20% die Partei mit dem Flaggenlogo. Im Durchschnitt 14,7% Bewohner von Friedrichshain-Kreuzberg und in Pankow immerhin 10,5% entschieden sich für die Piratenpartei. Man weiß, dass in Friedrichshain Studierende und sehr junge Eltern leben. Außerdem gibt es Berechnungen darüber, die zeigen, dass die meisten Piratenwähler unter 30 Jahre alt sind. Im konservativeren und eher von einer älteren Generation bewohnten Steglitz-Zehlendorf kamen die Piraten „nur“ auf einen Stimmenanteil von 6,4%.

piratenlogo-wikipedia

In Berlin zieht die Piratenpartei nun erstmals in das Parlament eines deutschen Bundeslandes ein. 15 (fünfzehn) Sitze des Abgeordnetenhauses dürfen die Piraten legal entern. Keiner von der FDP wird mit ihnen im Haus sitzen, dafür Vertreter von SPD, CDU, den Grünen- und der Linken. Die Piraten wurden also beauftragt, Politik zu machen. Andreas Baum, der Berliner Spitzenkandidat der Piraten, erklärte gleich nach den ersten Hochrechnungen in der ihm eigenen, unverschnörkelten Sprache: „Wir gehen jetzt in die Arbeit rein. Wir werden von uns hören lassen.“ Eine App zur Messung des Berliner Schuldenstands hatte Baum bereits nach seinem Eingeständnis der Ahnungslosigkeit über eben denselben entwickelt.

Warum haben so viele Wähler für die Piraten gestimmt? Was wollen sie mit ihrer Stimme sagen? Und was erwarten sie? Haben 8,9% die Piratenpartei gewählt, weil die Partei sich mit Internetstrukturen auskennt, klare Forderungen bezüglich bedingungsloser Grundeinkommen, Copyrights und Patenten vertritt und dem Volk die Staatsgewalt zurückgeben will? Trauen die Piratenwähler ihren Vertretern zu, dass sie dieseThemen verteidigen können? Glauben die Wähler zudem, dass die Piraten sich rasch in all die anderen, offlineigeren Themen einarbeiten und neue Konzepte zum Wählerwohlgefallen durchsetzen können?
Wählten die 8,9% proaktiv oder vielmehr aus Überdruss die Piratenpartei? Waren die Abwanderer von anderen Parteien (auch die SPD verlor Stimmen an die Piraten) nicht vor allem Protestwähler? Dachte der Vater des U2-Mädchens an seinen Nachwuchs oder an sich, als er sich für die Piratenpartei entschied? Dass er die Piraten wählte, damit sein Spross kostenlos U-Bahn fahren und jenseits der Augen der Polizei demonstrieren kann, ist eher unwahrscheinlich. Aber fühlte er sich selbst von den Jungs auf den senfgelb-weiß-schwarzen Wahlplakaten repräsentiert? Oder war er vielleicht ein Protestwähler?

Wir wissen es nicht. Wir wissen bloß, dass das auf Understatement frisierte On- und Offline-Marketing genial funktioniert hat und dass das schmale und noch grob geschnitzte Parteiprogramm einen Berliner Nerv getroffen hat, der sicherlich nicht lange allein Berlin vorbehalten bleibt. Der Nerv liegt frei. Ältere und Jüngere protestierten in ihrer Wahlzelle höchstwahrscheinlich zumeist gegen Bürgerferne und gegen politische Machtspiele.

Mit den Piraten wurde keine Partei, sondern eine neue Form von Politik gewählt. Diese gewünschte, neue Politik ist authentisch, jung, sie lügt nicht und denkt und lebt in communities, statt in Machtzentralen. Sie nimmt den Bürger ernst, hört ihm zu und bezieht ihn in Gestaltungsprozesse ein – über das Internet und über offene Schnittstellen. Diese Politik ist aktiv und interaktiv. Die Piratenpartei selbst gab zur Ursache ihres Erfolges folgende Einschätzung ab: „Das Votum der Wähler zeigt, dass der Bürger sich in Zukunft transparent, themenorientiert und basisdemokratisch direkt am politischen Geschehen der Hauptstadt Deutschlands beteiligen will.”

Politik von Menschen wie du und ich für Menschen wie dich und mich wünschen sich 8,9% der Berliner Wähler. Sie wollen etwas anderes als klassische Parteienpolitik, ohne zu wissen, was das genau wäre. Die Piraten wissen das vielleicht etwas besser. Sie gehen davon aus, dass ihre Wähler ernst genommen und in die Politik einbezogen werden wollen, dass authentische Köpfe und direkte Worte statt Machtgehabe und Schwurbelsätze gefragt sind. Das Problem ist allerdings, wie und ob die Piratenpartei neue Formen bürgernaher Politik umsetzen kann. Die Piratenpartei selbst ist schließlich nicht hierarchiefrei und entfernt von Macht- und Muskelspielen. Der Frauenanteil innerhalb der Partei ist zum Beispiel noch geringer als der in der Piratenwählerschaft. Susanne Graf, einstige Chaos Computer Club (CCC)-Aktive, ist die einzige Frau auf der Landesliste. Und die Piraten verzeichneten den höchsten Anteil männlicher Wähler bei den Berliner Wahlen. Neuen Personen und Impulsen darf die Partei sich nicht verschließen. Das Parteiprogramm bedarf einer Ergänzung, Überarbeitung und Konkretisierung. Auch wünscht man sich eindeutige Aussagen zur Art, wie Bürger ins Boot der Piratenpolitik einsteigen könnten. In Berlin wählten 8,9% das offene Prinzip, das Nette, das Unfertige, die Verlaufsform. Die Piraten wurden auf See geschickt, sie haben ihre Chance.

so lokal wie international @ gsc

Copy my Wayne, but not my name

Andy Warhol once was avantgarde and he still is. He seems to be one of the first well known artists to defend the concept of artwork as a common good.

In his last Interview Andy Warhol is asked by Paul Taylor, if he had a problem with copyright infringement. The question concerns Warhol´s John Wayne pictures, that belong to a series of ten prints called: “The Cowboys and Indians” (1986). Warhol portrayed figures like John Wayne and Teddy Roosevelt as “Cowboys” to depict them as male American heroes.

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Andy Warhol                                                                                                                                                                                                                I don´t get mad when people take my things.

Paul Taylor
You don´t do anything about it?

AW
No. It got a little crazy when people were turning out paintings and signing my name.

PT
What did you think about that?

AW
Signing my name to it was wrong but other than that I don´t care.

PT
… If indeed anyone can manufacture (a picture), the whole idea of the artist gets lost somewhere in the process.

AW
Is that good or bad?

PT
Well, first of all, do you agree with me?

AW
Yes, if they take my name away.

andywarhol-self-portrait-19861

Andy Warhol produced copies of pictures (Campbell´s Soup Cans, press clippings etc.) and copies of his copies. Consequentially he didn´t blame people who copy his copies. He only had a problem with people that copied his (original) name. It still needs to be clarified, what is so original about the name of a person - artist´s, copyist´s or anyone´s.

Interview printed in:
Kenneth Goldsmith (Ed.): I´ll be your mirror: The selected Andy Warhol Interviews  (2004)

See also: New York Review of Books 4-7-2011.

(Images shown here are copied from the net/Andy Warhol)

books heads down © gsc

Deutsche Medien: Lange Leitung

© gsc

Der Tagesspiegel und das Handelsblatt erklären am 8. November 2010 die Gratiskultur zum Jahrhundertirrtum. Niedlich! Und sie verkünden zugleich das Ende der Gratisangebote, was Unsinn ist. Denn… es gibt sie noch. “Medienunternehmen führen weltweit immer mehr Bezahlangebote im Web und in der Mobiltelefonie ein und haben damit großen Erfolg,” textet das Handelsblatt. Der Tagesspiegel schreibt: “Zwanzig Jahre nach Erfindung des Internets führen Medienunternehmen weltweit immer mehr Bezahlangebote ein - und haben damit großen Erfolg.” Nach beiden Aufmachern folgt jeweils derselbe Text. Wer es vorher nicht schon wußte, liest auch schnell heraus, dass von großem Erfolg mit kleinen App-Spielereien keine die Rede sein kann. Die Einnahmen fließen bloß centweise. Und es ist fraglich, ob es als Erfolg gewertet werden kann, wenn deutsche Medienmacher sich mangels eigener Geschäftsmodelle in die Arme großer US-Konzerne wie Apple werfen, statt selbst Medien-Plattformen aufzubauen. Die Überschriften sind also bloß Werbung für eine Suada, die das Straucheln der Medienunternehmen zu verschleiern sucht. Der Text, geschrieben von sechs (!) Autoren (wo das Thema so simpel ist?!), bringt ein Jahr nach “Schwimmübungen” und 1 1/2 Jahre nach “No Economy” nichts Neues. Obendrein offenbart er einmal mehr die Blindheit für Onlinetatsachen sowie, was schlimmer ist, das Desinteresse für den Nutzer. Dass Medienunternehmer jahrelang Chris Andersons Diktat “Free” nachgehechelt sind, ist ihr Problem. Nun formulieren sie die zwei Wörter “Paid Content”, als hätten sie sie erfunden. Doch plötzlich die Lösung darin zu suchen, Nutzer/Leser für ihre Blindheit büßen zu lassen, verfehlt das Ziel. Der Tagesspiegel und Handelsblatt-Text hat ein trotziges Anliegen. Er will Stimmung dafür machen, dass Leser für Onlinejournalismus, z. B. für einen solchen Text, zahlen, wenn nicht so, dann wenigstens über Apps. Die Autoren glauben, die Technologie wird es schon richten (und sie künftig ernähren können). Da sind wir Leser mal gespannt.

Look out if Eric Schmidt sells free ice cream

Consumer Watchdog (formerly The Foundation for Taxpayer and Consumer Rights) from L.A. created a funny clip starring Google-CEO Eric Schmidt as ice-cream man: Schmidt is driving around in his street view vehicle, admitting that there is no such thing as free ice cream. Anyhow the children run to him and he hands out free ice cream … then he scans them. Ironically enough you can find the clip about Google´s idea of personal privacy on YouTube, for free: to the clip.


ice-cream-schmidt by consumer watchdog 2

Eröffnung der Internetwoche Köln

Köl­ner Unter­neh­men stellen sich vom 13. bis zum 19. Sep­tem­ber während der 1. Inter­net­wo­che Köln vor. Schirm­herr der Inter­net­wo­che ist Kölns Ober­bür­ger­meis­ter Jür­gen Roters. Er lädt am Mon­tag, den 13. Sep­tem­ber, zur Eröffnung ins Historische Rat­haus Köln ein­. Den einführenden Vortrag hält Gisela Schmalz.

Eröffnungspro­gramm

Begrü­ßung: Jür­gen Roters, Ober­bür­ger­meis­ter der Stadt Köln

Vortrag: Prof. Dr. Gisela Schmalz - “Open Source Politik”

Dis­kus­si­on:

  • Ibra­him Evsan, Foun­der & Mana­ging Direc­tor, United Pro­to­type
  • Edgar Franz­mann, Chef­re­dak­teur koeln.de & Bereichs­lei­ter Con­tent, Net­Co­lo­gne
  • Michael Fren­zel, Pres­se­spre­cher & Bereichs­lei­ter Unter­neh­mens­kom­mu­ni­ka­tion, 1&1 Inter­net AG und Sach­ver­stän­di­ger der Enquete-Kommission “Ver­ant­wor­tung in der media­len Welt” im Land­tag Rheinland-Pfalz
  • Prof. Dr. Gisela Schmalz, Dozentin an der Rhei­ni­schen Fach­hoch­schule Köln und Autorin  des Buches “No Economy” (Eichborn, 2009)
  • Olav Wasch­kies, Direc­tor Stra­te­gic Mar­ke­ting & Mobile Inter­net, Pixel­park AG

Mode­ra­tion: Valen­tina Kerst.

Google Street View Joke No. III: No foto? Send your adresses!

Google bietet Bewohnern der Städte, Berlin, Bielefeld, Bochum, Bonn, Bremen, Dortmund, Dresden, Duisburg, Düsseldorf, Essen, Frankfurt am Main, Hamburg, Hannover, Köln, Leipzig, Mannheim, München, Nürnberg, Stuttgart und Wuppertal bis zum 15.10.2010 an, ihre für Google Street View fotografierten Wohnplätze im Netz unkenntlich zu machen. Niemand hat es geschafft, Google davon abzuhalten, fremdes Eigentum abzubilden und online zu stellen. Nun muss der Bürger selbst dafür sorgen. Der deutsche Innenminister verweist im Interview mit der WAZ auf die Googlewebsite: “Ich kenne noch keine Details. Aber ich begrüße das Widerspruchsrecht, das Google einräumt.”

Beantragt man aber dort die Unkenntlichmachung des eigenen Zuhauses, muss Adresse und email-Adresse angegeben werden (am besten eine googlemail-Adresse). Das schreibt Google unter dem Unkenntlichmach-Button:

# Wenn Sie über diesen Dienst einen Antrag auf Unkenntlichmachung stellen, bestätigen Sie damit, dass Sie Eigentümer des von Ihnen angegebenen Gebäudes/Grundstückes sind oder dieses bewohnen.
# Da wir einem Missbrauch dieses Dienstes vorbeugen müssen, ist eine Verifizierung Ihrer Angaben erforderlich. Dazu schickt Google Ihnen einen Verifizierungscode an die angegebene Postanschrift sowie eine E-Mail mit einem zur Verifizierung benötigten Link. Über diesen Link können Sie den Vorgang abschließen.

© gsc

Was macht der User und Straßenbewohner, der mit diesem Doublebind konfrontiert wird: Wohnplatz photographieren lassen oder Google seine Adresse zuspielen? Er lässt fotografieren, springt und zappelt wie ein Irrer (selfblurring/unkenntlich machen), wenn die schwarzen Autos kommen und hofft, dass Google seinen email- oder Telefonverkehr nicht mitschneidet. Zu den Vorgänger-Street View Jokes, I und II, s. unten oder hier. Wer lacht über die Jokes am lautesten? Brin, Page und Schmidt in Mountain View (USA).